Mit krummen Fingern „Maudie“: Bewegende Künstlerbiografie

Als Sally Hawkins 2008 für ihre Rolle der zwanghaft optimistischen Lehrerin in „Happy Go Lucky“ mit Preisen überhäuft wurde, begann eine Karriere, die zwischen Arthouse („Blue Jasmine“) und Familienfilm („Paddington“) reizvolle Akzente setzte. Im Biopic der kanadischen Malerin Maud Lewis (1903-1970) variiert sie die Reihe ihrer verschmitzten Charaktere mit dem Bonus der behinderten Künstlerin.

Von Hans Gerhold
Endlich vereint: Eigenbrötler Everett Lewis (Ethan Hawke) und Maud Lewis (Sally Hawkins) haben sich gerade ihr Ja-Wort gegeben.
Endlich vereint: Eigenbrötler Everett Lewis (Ethan Hawke) und Maud Lewis (Sally Hawkins) haben sich gerade ihr Ja-Wort gegeben. Foto: dpa

Maudie (Hawkins) leidet unter chronischer Arthritis und ist, von Tante Ida ( Gabrielle Rose ) vor die Tür gesetzt, gezwungen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen: bei verkrümmten Händen und Fingern kaum zu schaffen. Beim eigenbrötlerischen Fischhändler Everett Lewis (Ethan Hawke) kommt sie erst nach ihm und den Hunden. Da sie gern malt, wagt sie, Fenster, Spiegel und schließlich die ganze Holzhütte auch außen zu bepinseln.

Der Rest ist eine reizvolle Umkehrung der Machtverhältnisse. Als Maudies Kunst naiver bunter Bilder von Blumen und Alltagsszenen entdeckt wird, bringt sie das nötige Geld ins Haus. Die Romanze zwischen dem verbitterten Everett und der unbekümmerten Maudie hat Regisseurin Aisling Walsh zwischen rührselig und bewegend angelegt. Sie profitiert von der rauen Landschaft Neufundlands und von Sally Hawkins, die bald als stumme Putzfrau in „Shape of Water“ zu sehen ist. Wieder pures Oscar-Darsteller-Material.  

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