Klärwerk oder Oberstufe?
„Fack ju Göhte 3“: Verzetteltes Finale des dampfhammerigen Pennäler-Hits

Wie sagte es so schön der geschäftstüchtige Moderator Johannes B. Kerner, als man ihn auf seine zahllosen Werbe-Auftritte ansprach? „Man muss die Tonne rausstellen, solange es regnet.“ So halten es auch die Constantin Film und Regisseur Bora Dagtekin: Sie pressen aus ihrem monströs erfolgreichen „Fack ju Göhte“-Franchise alles raus, was geht. Im Kino läuft jetzt der angeblich letzte Teil, der „Final Fack“.

Freitag, 27.10.2017, 10:10 Uhr

Große Pause im Lehrerzimmer: (v. l.) Biggi (Sandra Hüller), Direktorin Gerster (Katja Riemann) und Frau Leimbach-Knorr (Uschi Glas) richten sich mit Heißgetränken auf.
Große Pause im Lehrerzimmer: (v. l.) Biggi (Sandra Hüller), Direktorin Gerster (Katja Riemann) und Frau Leimbach-Knorr (Uschi Glas) richten sich mit Heißgetränken auf. Foto: dpa

Doch schon die zweite Episode, in der Dagtekin seine Klasse „bildungsresistenter Arschlöcher“ nach Manier seines Hits „Türkisch für Anfänger“ gen Thailand schickte, zeigte, dass sich der Mix aus unkorrekten Dialogen, parodistischem Slapstick und Pennälerpossen-Standards nicht so leicht auf Reihe strecken ließ.

Das wirklich lustige Original von 2013, längst ein Klassiker, lebte von der cartoonhaften Überzeichnung sowohl des aus niederen Gründen in den Lehrdienst geratenen Anti-Pädagogen Zeki Müller (Elyas M‘Barek) als auch der Gesamtschüler Chantal (Jella Haase), Danger, Zeynep und Co. Je mehr man über sie erfuhr, je mehr „Charakter“ sie bekamen, desto abträglicher war es der Komik.

Der dritte Teil beginnt nun erneut sehr komisch, wenn die Schüler von der Frau im Berufsinformationszentrum (Corinna Harfouch) ihre betrüblichen Aussichten (Klärwerk! Altenpflege!) prognostiziert bekommen und danach ein Herr Badebrecht vom Kulturministerium (Michael Maertens) das letzte Stündlein der Goethe-Schule einläutet.

Elyas M‘Bareks Karriere in Bildern

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  • Schauspieler und Frauenschwarm Elyas M‘Barek geht mit „Fack ju Göthe 3“ auf Kinotour. Am 30. Oktober (Montag) haben sich der Münchner und Fack-ju-Göthe-Regisseur Bora Dagtekin, die schon in der Kultserie „Türkisch für Anfänger“ und dem gleichnamigen Kinofilm zusammenarbeiteten, für die Vorstellungen um 17 Uhr und um 17.15 Uhr im Cineplex in Münster angekündigt.

    Schauspieler und Frauenschwarm Elyas M‘Barek geht mit „Fack ju Göthe 3“ auf Kinotour. Am 30. Oktober (Montag) haben sich der Münchner und Fack-ju-Göthe-Regisseur Bora Dagtekin, die schon in der Kultserie „Türkisch für Anfänger“ und dem gleichnamigen Kinofilm zusammenarbeiteten, für die Vorstellungen um 17 Uhr und um 17.15 Uhr im Cineplex in Münster angekündigt.

    Foto: Jens Kalaene
  • Starttermin für „Fack Ju Göhte 3“ ist der 26. Oktober. Dann geht Elyas M‘Barek als Ex-Ganove und Lehrer Zeki Müller zum dritten und vorerst letzten Mal in die Schule. Musste er sich im ersten Teil noch gegen aufmüpfige Schüler und überforderte Kollegen durchsetzen, und im zweiten Teil eine Klassenfahrt nach Thailand bewältigen, stehen die Schüler der Goethe-Gesamtschule im dritten Teil kurz vor dem Abschluss. Dumm nur, dass ihnen das Berufsinformationszentrum ziemlich große Bildungslücken und ziemlich schlechte Karriereperspektiven attestiert und die Schule kurz vor dem Aus steht. Pöbelpauker Müller greift wie immer zu unkonventionellen Methoden.

    Foto: Reiner Bajo
  • Die ersten zweit Teile von «Fack Ju Göhte» waren schon ein riesiger Kinoerfolg. Noch nie hatte ein deutscher Film zum Kino-Start so viel Geld eingespielt wie «Fack ju Göhte 2». Die ersten beiden Teile der überdrehten Schulkomödie von Bora Dagtekin haben insgesamt rund 15,1 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt. Die Schulkomödie machte in nur vier Tagen 17,6 Millionen Euro Umsatz. 2018 kommt «Fack ju Göhte» in München sogar als Musical auf die Bühne.

    Foto: Christoph Assmann
  • München ist die Heimatstadt von M‘Barek. Hier wurde der Sohn eines tunesischen Vaters und einer österreichischen Mutter 1982 geboren. Nach einer Zwischenstation in Berlin lebt der Schauspieler wieder in Bayerns Hauptstadt, ist regelmäßig auf dem Oktoberfest zu sehen und betreibt seit 2015 zusammen mit Freunden die Bar Paisano in der Altstadt.

    Foto: Felix Hörhager
  • Seinen ersten Auftritt in einem Kino-Film hatte M’Barek 2001 noch während seiner Schulzeit in Dennis Gansels Komödie „Mädchen, Mädchen“ als Blaubart. Sieben Jahre später spielte er an der Seite seines Bruders Joseph M’Barek, der ebenfalls Schauspieler ist, im Film „Die Welle“ mit.

    Foto: Tobias Hase
  • Seinen großen Durchbruch hatte Elyas M‘Barek schließlich mit der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ über eine Berliner Multikulti-Familie. Darin spielte er von 2006 bis 2008 den Möchtegern-Macho „Cem“ Öztürk, der mit seinem Vater und seiner Schwester in das Haus der neuen Freundin des Vaters und ihren Kindern zieht. Die Drehbücher stammen aus der Feder von Bora Dagtekin, der selbst in einer deutsch-türkischen Familie aufwuchs.

    Foto: A3818 Klaus-Dietmar Gabbert
  • 2012 kam „Türkisch für Anfänger“ ins Kino. Der Film tut so, als habe es die lautstarken Streitigkeiten und Liebeleien im Hause Schneider/Öztürk nie gegeben. Auf der Leinwand lernen sich alle erst kennen - und das auch noch in der Südsee. Nach einer Notlandung sitzen Josefine Preuß als Lena Schneider und Elyas M‘Barek als Macho Cem auf einer einsamen Insel fest, während ihre Eltern sich im Luxushotel näher kommen.

    Foto: Constantin
  • Auf den Film hatte sich M‘Barek ernährungs- und sporttechnisch extrem vorbereitet, um in den Strand- und Nacktszenen durchtrainiert auszusehen, wie er in einem Interview sagte. Der Film "Türkisch für Anfänger" war so erfolgreich, dass er die französische Komödie “Ziemlich beste Freunde“ nach neun Wochen auf Platz eins in den Cinemaxx-Kinocharts ablöste.

    Foto: Constantin
  • Für Elyas M‘Barek ging es weiter steil nach oben: 2012 wurde er als Vampir für den Fantasy-Film «The Mortal Instruments - Chroniken der Unterwelt» in Hollywood verpflichtet. Im selben Jahr kam die DVD der Gaunerkomödie «Offroad» heraus, in der der damals 30-Jährige an der Seite von Nora Tschirner agierte.

    Foto: Jörg Carstensen
  • 2013 war er neben Schauspieler Fahri Yardim (links), Hauptdarsteller Tom Payne (Mitte) sowie Oscar-Gewinner Ben Kingsley und Olivier Martinez (nicht im Bild) in der Verfilmung des Bestseller-Romans «Der Medicus» von Noah Gordon zu sehen, wiederum einer der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres.

    Foto: Jörg Carstensen
  • 2016 war der 35-Jährige in der hochkarätig besetzten Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ neben Palina Rojinski, Florian David Fitz, Senta Berger und Heiner Lauterbach zu sehen. Der Kinofilm von Regisseur Simon Verhoeven (Sohn von Senta Berger) war der erfolgreichste deutsche Film 2016. Darin spielte M‘Barek einen jungen Arzt, der ein flammendes Plädoyer für ein offenes Deutschland und deutsche Werte hält. Er selbst habe oft mit Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen, sagte der Kinostar im Gespräch mit anderen Medien.

    Foto: Warner Bros. Ent.

Rektorin Gerster (Katja Riemann) reagiert mit einem Maßnahmenkatalog, dessen Erfüllung den Rest der mit zwei Stunden deutlich zu langen Klamotte in Anspruch nimmt. Unter anderem sollen die Schüler Abi-fit gemacht werden. Noch mehr als bisher zerfällt Teil drei in reichlich wirr aneinandergeklebte Episoden, von denen viele betrüblich platt daherkommen: Wo früher der Wortwitz tobte, wird jetzt mit Zäpfchen hantiert und in Kunstwerke defäkiert. Auf jeden tollen Auftritt (Uschi Glas, Irm Hermann) kommen fünf doofe Gags. Bezeichnend ist, dass Sandra Hüller (als Lehrerin Biggi Enzberger) in „Toni Erdmann“ witziger war als hier.

Am Ende wird es sogar regelrecht moralisch. Spätestens da weiß man: Ist auch gut gewesen jetzt.  

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