Trinken, Ermitteln und Einschlafen „Schneemann“: Fader Jo-Nesbø-Thriller

Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson ist Spezialist für schockgefrostete Kinoware: Sowohl sein Vampirdrama „So finster die Nacht“ als auch der Le-Carré-Thriller „Dame, König, As, Spion“ waren meisterliche Studien in emotionaler Vergletscherung. 

Von Gian-Philip Andreas
Im Schnee ermittelt Harry Hole (Michael Fassbender) gemächlich vor sich hin.
Im Schnee ermittelt Harry Hole (Michael Fassbender) gemächlich vor sich hin. Foto: Universal

Umso bedauerlicher, dass ihm nun ausgerechnet „Schneemann“, die erste, durchaus lang erwartete Verfilmung eines der Harry-Hole-Bestseller des norwegischen Erfolgsromanciers Jo Nesbø so komplett missraten ist: Auf drei Zeitebenen, mit vielen ungelenken dramaturgischen Täuschungsmanövern und einer ganz schwachen Auflösung treibt er der nervenzerrenden Vorlage alle Spannung aus. Trotz der Starbesetzung.

Aber gerade den verlässlich guten Michael Fassbender („Prometheus“), der den Osloer Alkoholiker-Kommissar Hole spielt, hat man nie so ausdrucksarm erlebt: Er verdient sich vor allem Meriten als fittester Säufer der Filmgeschichte und grummelt sich lustlos durch den Film. Zusammen mit Kollegin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson aus dem letzten „Mission: Impossible“-Film) ermittelt er in einer Mordserie an jungen Müttern, deren Mörder stets einen Schneemann zurücklässt.

Während Hole und Bratt so vor sich hin ermitteln und Bezüge zu früheren Verbrechen entdecken, schauen allerhand tolle Schauspieler vorbei: J. K. Simmons, Val Kilmer, Chloë Sevigny und „Brücke“-Star Sofia Helin, zum Beispiel. Aber selbst, als der Killer Holes Ex-Frau (Charlotte Gainsbourg, „Melancholia“) ins Visier nimmt, vermögen es Alfredson und seine drei Drehbuchautoren nicht, effektiv an der Spannungsschraube zu drehen. Eine Enttäuschung, auch und gerade für Fans nordischer Krimis.  

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