Liegestütze auf der Balustrade „Borg/McEnroe – Duell zweier Gladiatoren“: Starkes Drama

Bevor der Tennissport mit Boris Becker und Steffi Graf in deutsche Dimensionen knallte, hingen Liebhaber des kleinen, damals noch weißen Filzballs gebannt an Duellen der in insgesamt 22 Spielen gegeneinander angetretenen Rivalen Björn Borg und John McEnroe. Die schwedisch-dänisch-finnische Koproduktion „Borg/McEnroe – Duell zweier Giganten“ konzentriert sich auf das legendäre, von vielen als spannendstes Tennis-Match aller Zeiten gewertete Wimbledon-Finale von 1980.

Von Hans Gerhold
Am Netz tauchte Björn Borg (hier Sverrir Gudnasson, l.) nur auf, um Glückwünsche für den Sieg entgegenzunehmen. Aber John McEnroe (Shia LaBoeuf), der Mann mit den grandiosen Netz-Angriffen, hatte etwas dagegen.
Am Netz tauchte Björn Borg (hier Sverrir Gudnasson, l.) nur auf, um Glückwünsche für den Sieg entgegenzunehmen. Aber John McEnroe (Shia LaBoeuf), der Mann mit den grandiosen Netz-Angriffen, hatte etwas dagegen. Foto: Universum

Das nachgestellte, schnitttechnisch und in den Kameraperspektiven höchst kreative Match steht am Ende des Sportfilms, der als Psychogramm zweier unterschiedlicher Spieler unter extremem Leistungsdruck und Erfolgszwang funktioniert. Der Schwede (stark und Borg unglaublich ähnlich: Sverrir Gudnasson), als „Ice-Borg“ eine mimisch schier unbewegliche Tennismaschine, trifft auf den Amerikaner (mit nervöser Ungeduld: Shia LaBoeuf), der als „SuperBrat“ Schiedsrichter mit „Das darf doch nicht wahr sein“ anpöbelt, Balljungen bewirft und den Gegner psychisch terrorisiert. Freunde sollen sie dennoch gewesen sein.

Der Fokus liegt auf der in Rückblenden erzählten Entwicklung Borgs vom wütenden Anfänger (gespielt von Borgs Sohn Leo), der dem jüngeren McEnroe nicht unähnlich ist und von seinem Trainer (Stellan Skarsgard: etwas verschenkt) an die Spitze der Weltrangliste geführt wird. In einer symbolischen, ästhetisch an Leni Riefenstahl erinnernden ikonischen Szene zu Anfang macht der muskulöse Borg auf der Balustrade eines Hotelbalkons in Monaco Liegestütze, hängt quasi in der Luft und droht abzustürzen.

Der Film von Janus Metz Pedersen („True Detective“) entgeht dieser Gefahr. Die Zeit von Disco und Ringelpullis, in der Tennisstars mit Hippie-Frisuren à la Abba zu Popstars wurden, ist perfekt nachempfunden, der schnelle Schnitt gewöhnungsbedürftig, die Darsteller sind überzeugend. Neben „Rush“ der beste Sportfilm der letzten Zeit. Sehenswert.

 

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