Witwe im Zwielicht „Meine Cousine Rachel“: Solides Kostümfilm-Schauermärchen

Zuerst ist Rachel nur ein Phantom, das durch die Rachefantasien des jungen britischen Landadeligen Philip (Sam Claflin, „Ein ganzes halbes Jahr“) geistert: Sein gesundheitlich angeschlagener Vetter Ambrose hatte sich während eines Kuraufenthaltes in Florenz in sie verliebt, und kurz vor dessen (angeblichem) Krebstod schrieb er fiebrige Briefe an Philip, in denen er behauptete, Rachel wolle ihn vergiften.

Von Gian-Philip Andreas
Rachel Ashley (Rachel Weisz) fasziniert Philip (Sam Claflin). Ist sie gefährlich?
Rachel Ashley (Rachel Weisz) fasziniert Philip (Sam Claflin). Ist sie gefährlich? Foto: dpa

Doch als Rachel (Rachel Weisz) dann auf Philips Landgut im windumtosten Cornwall auftaucht, ist der Jüngling hin und weg: Die Frau, seine Cousine, ist nicht nur schön, nobel und voller Grazie, sondern auch humorvoll, charmant und warmherzig. Klar, dass er sich in sie verliebt. Als er sich aber nach ein paar Tassen von Rachels aromatischem Kräutertee malad fühlt, kriecht der alte Verdacht erneut in ihm empor.

Wie schon in der Erstverfilmung (1952) von Daphne du Mauriers seinerzeit taufrischem Roman (mit Olivia de Havilland) spielt auch in dieser von Roger Michell („Notting Hill“) besorgten Neufassung der Zweifel die Hauptrolle: Ist Rachel nun eine schöne, nette, trauernde Frau oder eine giftmischende, erbschleichende Schwarze Witwe? Das Mitfiebern während dieser gediegenen Melange aus Gruselmärchen und Liebesdrama macht auch diesmal wieder Spaß, vor allem Rachel Weisz spielt verlässlich gut und reizvoll ambivalent. Neue Facetten sucht man indes vergebens: Mehr als einen dekorativ unheimlichen Kostümfilm gibt‘s nicht.  

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