Held, Halunke, Haudegen „Barry Seal – Only in America”: Absurde Polit-Actionkomödie mit Tom Cruise als gewieftem Trickser

Kurz nachdem Tom Cruise der „Mumie“ entkommen konnte und noch bevor er sich in die kommenden Fortsetzungen von „Mission: Impossible“ und „Top Gun“ stürzte, drehte er diese auf realen Vorkommnissen basierende Actionkomödie ab – unter der Regie von Doug Liman, der seit „Edge of Tomorrow“ so etwas wie ein neuer Lieblingsregisseur des Stars geworden ist.

Von Gian-Philip Andreas
Barry Seal (Tom Cruise) langweilt sich im Pilotenjob.
Barry Seal (Tom Cruise) langweilt sich im Pilotenjob. Foto: dpa

Als „ Barry Seal “ nutzt der berufsjugendliche Mittfünfziger sein patentiert weißzahniges Strahlegrinsen jedenfalls so ausgiebig wie seit „Jerry Maguire“ nicht mehr. Er spielt den gleichnamigen Piloten, der sich aus Langeweile über seinen Routinejob bei der Reisefluglinie TWA Ende der 1970er Jahre von der CIA anheuern lässt. Jungspion Schafer ­(Domhnall Gleeson aus „Ex Machina“) bittet ihn, Luftaufnahmen der aufständischen Sandinista in Nicaragua anzufertigen. Als ihm das mit links gelingt, soll er auch Waffen für die gegenrevolutionären Contras schmuggeln, dann Kämpfer in US-Ausbildungscamps ausfliegen. Nebenher lässt sich Seal noch von anderer Seite bezirzen: Pablo Escobars Schergen heuern den jovialen Haudegen an, auf seinen Rückflügen Drogen in die USA zu transportieren.

Zwischen CIA, Drogenfahndung, FBI, Kokainkartell, Sandinisten und dem panamaischen General Noriega läuft es erstaunlich lange gut für den immer steinreicher werdenden Piloten und seine Frau (Sarah Wright aus der Serie „Marry Me“). Dann aber zieht sich die Schlinge doch noch zu.

Was 1984 einer der größten Polit-Skandale im Amerika der Reagan-Jahre war, wird von Liman als vergnügte Reality-Sause im liebevoll ausstaffierten Frühe-Achtziger-Look erzählt. Cruise bleibt dabei immer Cruise: Was den wahren, 1986 im Alter von 46 Jahren ermordeten Barry Seal ausmachte und antrieb, erfährt man allenfalls am Rande. An die großen Betrügermärchen der neueren Kinogeschichte reicht die nach dem Steigerungsprinzip eher eindimensional gestrickte Story also nicht heran. Verglichen mit Spielbergs „Catch Me If You Can“ oder Scorseses „Wolf of Wall Street“ mangelt es an satirischer Schärfe. Dennoch: Ein amüsantes Abenteuer ist es auf jeden Fall.  

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