Herumstaken zwischen Atelier und Bett „Auguste Rodin“: Bleiernes Biopic über den Bildhauer

Verfilmte Künstlerleben gibt es viele. Darunter finden sich experimentelle, die nur einen kurzen Ausschnitt aus der Karriere der Porträtierten in den Blick nehmen, es gibt konventionelle, die die Lebensstationen ihrer Protagonisten ganz penibel abhaken, und es gibt fröhlich unterhaltende, leicht karikierende, auf Realismus pfeifende Biopics wie zuletzt „Final Portrait“ über Alberto Giacometti.

Von Gian-Philip Andreas
Auguste Rodin (Vincent Lindon) und seine attraktive Schülerin Camille Claudel (Izia Higelin).
Auguste Rodin (Vincent Lindon) und seine attraktive Schülerin Camille Claudel (Izia Higelin). Foto: dpa

Auguste Rodin “ mischt nun beides: Regisseur Jacques Doillon, sonst eher bekannt für französischen Sozialrealismus mit jugendlichen Protagonisten („Ponette“), nimmt sich eine überschaubare Phase aus dem Leben des Bildhauer-Genies und Giacometti-Vorgängers heraus, erzählt diese aber nach bleierner Konvention – und tödlich langweilig.

Der Film setzt 1880 ein, als der von vielen verehrte und von anderen für seine damals unerhört modernen Skulpturen geschmähte Titelheld gerade zum Staatskünstler wird: Er soll das bronzene „Höllentor“ fürs Pariser Kunstgewerbemuseum fertigstellen. Doch er hadert – mit seiner neuen Rolle und mit seinem Perfektionismus, der nie ein Ende findet. Als Ablenkung dienen ihm seine Frau Rose (Séverine Caneele, „L‘Humanité“) und, parallel, seine attraktive Schülerin und spätere Assistentin Camille Claudel (Izia Higelin, „La Belle Saison“) sowie, ebenso parallel, viele namenlose nackte Models und Kolleginnen. An Künstlerklischees herrscht hier kein Mangel.

Gespielt wird der Begründer der modernen Plastik von Vincent Lindon („Welcome“), den man normalerweise ja immer gerne sieht, der hier aber, graubärtig und griesgrämig im Malerkittel, stets durchs Bild stakst wie just dem Kostümfundus entstiegen. Schade: In „Auguste Rodin“ wird viel von Leidenschaft geredet, auf der Leinwand zu sehen ist davon nichts. Zur Liebesaffäre von Rodin und Claudel gibt es mit dem 29 Jahre alten Drama „Camille Claudel“ (mit Isabelle Adjani und Gérard Depardieu) zudem einen wesentlich besseren Film – was diesen blutleeren Biopic-Versuch noch überflüssiger erscheinen lässt.

 

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