Die Lady und der Tramp „Hampstead Park“: Verlogene Altersromanze

Als sie im Fernrohr den nackten Mann baden sieht, ist sie irritiert, fasziniert und schließlich so interessiert, dass sie ihm auf die Spur kommen will. 

Von Hans Gerhold
Emily (Diane Keaton) hat Spaß mit Donald (Brendan Gleeson). Ein Spaß ist das nicht.
Emily (Diane Keaton) hat Spaß mit Donald (Brendan Gleeson). Ein Spaß ist das nicht. Foto: dpa

Emily ( Diane Keaton ), eine überkandidelte amerikanische Witwe, lernt in der sich romantisch gebenden absurden Komödie „Hampstead Park“ von Joel Hopkins den freiheitsdurstigen Aussteiger Donald ( Brendan Gleeson ) kennen, der seit 17 Jahren in seiner Hütte im titelgebenden Londoner Park lebt und von den Behörden entsorgt werden soll.

Das hätte eine bissige Satire oder Farce wie „Paulette“ werden können, ist aber eine verlogene Sozialromanze, die durch den Sommer trudelt und nicht nur langweilt, sondern verärgert. Ein Grund liegt im überdurchschnittlich unwahrscheinlichen Drehbuch, das das Grabmal von Karl Marx als Picknick-Treffpunkt ebenso verwurstet, wie sie Alter und Armut und deren Kombinationen weichkocht, als wäre Not ein Wellness-Resort der heimeligen Art.

Der zweite Grund des Missvergnügens liegt in Diane Keaton, die seit „Der Stadtneurotiker“ immer dieselben Rollen sich zierender Weiblichkeit mit la-di-da und Besserwisserei spielt. Hier zieht sie eine Modenschau für pensionierte Lehrerinnen ab und legt sich als angeblich mit Schulden beladene Lady im Finale locker ein Cottage zu. Hat jemand die Immobilien-Preise dafür studiert?

Dass die nervtötende Tante den wunderbaren Koloss (Brendan Gleeson, „Am Sonntag bist Du tot“) als Stichwortgeber missbraucht und zum Affen macht, ist so was wie ein Filmverbrechen. Eine Schande.  

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