Aufruhr in Amsterdam „Tulpenfieber“: Hektisch und wirr inszeniertes Ehe- und Börsendrama vor historischer Kulisse

Im Amsterdam des Jahres 1634 waren Tulpen eine Zeit lang wertvoller als Diamanten, die Tulpenbörse, in der die Blumenzwiebeln gehandelt wurden, war ein Tollhaus, das schnelles Geld oder Fiasko bedeuten konnte. Vor dem Hintergrund der Zeit, in der Holland das reichste Land der Welt war, spielt das Ehe-, Krimi- und Börsendrama „Tulpenfieber“, das von Regisseur Justin Chadwick („Die Schwester der Königin“) wirr in Szene gesetzt wurde.

Von Hans Gerhold
Sie stehen Modell für ein Doppelporträt: Cornelis Saandvoort (Christoph Waltz) und Gattin Sophia (Alicia Vikander).
Sie stehen Modell für ein Doppelporträt: Cornelis Saandvoort (Christoph Waltz) und Gattin Sophia (Alicia Vikander). Foto: dpa

Dabei ist die Ausgangslage pikant. Der mit Pfefferkörnern aus Ostindien reich gewordene ältere Witwer Cornelis Sandvoort ( Christoph Waltz ) erwirbt von der Äbtissin von St. Ursula ( Judi Dench ) die jungfräuliche Braut Sophia (Alicia Vikander), die ihn eher abstoßend findet.

Auftritt Maler Jan van Loos (Dane DeHaan, „Valerian“), der ein Doppelporträt des Paares malt und sich in Sophia verliebt. Um mit ihr fliehen zu können, lässt er sich auf Tulpengeschäfte an der Börse ein. Sophia ersinnt einen perfiden Plan, ihrem verhassten Gatten das Baby der Magd (Holliday Granger) als ersehnten Erben unterzuschieben. Das führt erst in die Katastrophe und dann in ein absolut nicht plausibles gutes Ende, das heftig auf Harmonie getrimmt wurde.

Sei’s drum. Besser wird der Film, der ständig Erklärungen durch den Off-Kommentar benötigt, dadurch nicht. Formal rast er mit wackeliger Handkamera durch historische Kulissen, deren Detailfreudigkeit und Schönheit er nicht erfasst. Auch die gut ausgeleuchteten Malerszenen leiden, weil man den Maler nicht bei der Arbeit erlebt. Da hätte man „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ studieren sollen.

Schlimmer: Der Staccato- Schnitt, verbunden mit ständigen und teils unlogischen Parallelmontagen, schafft Hektik statt Übersicht und führt etwa bei der Geburt der Magd zu unterirdischem Kasperletheater. Den Stars bleibt keine Zeit, schauspielerische Qualität zu zeigen.

So raunzt Christoph Waltz routiniert mit seinem „kleinen Soldaten“ über den ersehnten Sohn, und Alicia Vikander bleibt als Liebende und Intrigantin kalt mit leeren Knopfaugen. Dane DeHaan irrt orientierungslos durch Atelier und Grachten, Cara Delevingne als Diebin und Hure schreit, und irgendwann ist das ganze Theater endlich vorbei.

 

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