Liebe in Zeiten des Völkermords „The Promise“: Romanze vor der Kulisse des Genozids an den Armeniern

Das Interessanteste sind die Produktionsbedingungen: Das Budget von 90 Millionen Dollar wurde vom amerikanischen Investor Kirk Kerkorian gespendet, was das Werk zum teuren Independent-Film macht. Wichtigste Aufgabe des Films sei es gewesen, sagen die Produzenten, Öffentlichkeit herzustellen für den Genozid, den das Osmanische Reich während des Ersten Weltkriegs an seiner armenischen Bevölkerung verübte.

Von Gian-Philip Andreas
Ana (Charlotte Le Bon) ist mit Chris (Christian Bale) liiert, macht aber einem armenischen Studenten schöne Augen.
Ana (Charlotte Le Bon) ist mit Chris (Christian Bale) liiert, macht aber einem armenischen Studenten schöne Augen. Foto: dpa

Leider ging das schief. Trotz Starbesetzung floppte „The Promise“, was teils an der Schmutzkampagne gelegen haben mag, die online gegen den Film orchestriert wurde – vor allem aus der Türkei, die unter Erdogan weit davon entfernt ist, den Völkermord ihres Vorgängerreiches als solchen anzuerkennen. Es lag aber wohl auch daran, dass „The Promise“ zwar redliche Aufklärung betreibt, diese aber in eine bemerkenswert blutleere Dreiecksliebesgeschichte einbettet. Daran beteiligt sind der armenische Medizinstudent Mikael ( Oscar Isaac , „Inside Llewyn Davis“), der sich, obgleich verlobt, anno 1914 im noch Konstantinopel heißenden Istanbul in die schöne Ana (Charlotte Le Bon, „Bastille Day“) verliebt, die allerdings mit dem US-Reporter Chris („Batman“ Christian Bale) liiert ist.

Dann bricht der Krieg aus, und das Osmanische Reich beginnt damit, sich der Armenier zu entledigen: Schätzungen gehen von bis zu anderthalb Millionen Toten aus. Mikael wird in ein Zwangsarbeiterlager verschleppt, das Liebesdreieck bricht auseinander, bis es sich schicksalhaft wiedertrifft.

Leider nutzt Regisseur Terry George („Hotel Ruanda“) die Liebesgeschichte nur als Vehikel, um historische Infos zu transportieren. Heraus kam eine Art „Doktor Schiwago“ in der Schmalspurvariante. Die Romanze wirkt seltsam gestelzt, selbst die renommierten Darsteller können ihr kaum Leben einhauchen. Das ist schade, denn der Hintergrund von Krieg und Genozid verkommt so zur Kulisse – nach Fatih Akins „The Cut“ ist dies der zweite Film, der an diesem wichtigen Thema scheitert.  

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