Do, 27. Apr 2017

Kino-Kritik „Maikäfer, flieg!“: Kinderblick

Eine durch den Krieg zusammengebrochene Welt, betrachtet durch Kinderaugen – das ist kein neues filmisches Konzept. „Lore“ etwa, in dem ein junges Mädchen durchs zerstörte Deutschland irrt, sorgte 2012 für Aufsehen. Jetzt hat die österreichische Regisseurin Mirjam Unger den autobiografischen Jugendroman „Maikäfer, flieg!“ von Christine Nöstlinger verfilmt, es ist die Geschichte der neunjährigen Christl, die im Jahr 1945 das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Zeit unmittelbar danach in Wien erlebt – die „vielleicht schönste Zeit meines Lebens“, wie Nöstlinger sagt. Fein austariert zwischen Melancholie und Kinderabenteuer erzählt Unger von Christls Familie, die aus der ausgebombten Stadtwohnung in die Villa einer Verwandten im Vorort Neuwaldegg zieht. Als die Rote Armee eintrifft, kontert Christl die Sorge ihrer Eltern (stark als Mutter: Ursula Strauss aus „Das Sacher“) mit kindlicher Neugier – sie freundet sich sogar mit dem russischen Feldkoch an. Ungers Inszenierung kann sich zwar nie so recht von den Konventionen des (TV-)Ausstattungskinos lösen, doch der Plot berührt und ist pädagogisch ideal einsetzbar. Hauptdarstellerin Zita Gaier ist eine Entdeckung.


Do, 27. Apr 2017

Ein Haus in der Bretagne „Die Schlösser aus Sand“: Tragikomische Liebe

Trennungen und Wiedersehen nach langer Zeit bieten Filmemachern gute Möglichkeiten, den Schmerz der Erinnerungen und die Trauer über Verluste spürbar zu machen. Speziell französische Regisseure von Claude Sautet („Die Dinge des Lebens“) bis André Téchiné („Meine liebste Jahreszeit“) sind Meister darin, die „Suche nach der verlorenen Zeit“ in einer reifen, sanft melancholischen und stimmigen Inszenierung zu transportieren.


Do, 27. Apr 2017

Lärm und Dekonstruktion „Gimme Danger“: Jarmusch porträtiert Pop

Jim Jarmusch dreht nicht nur tolle Spielfilme („Paterson“), er ist auch ein obsessiver Fan der Rockmusik. Zwanzig Jahre nach seinem Neil-Young-Konzertfilm „Year of the Horse“ legt er nun eine Doku über seinen Kumpel Iggy Pop vor – es ist eine Art Geburtstagsgeschenk, denn Pop feierte unlängst seinen Siebzigsten.


Do, 27. Apr 2017

Kino-Kritik „40 Tage in der Wüste“: Drama

Die Idee, sowohl Jesus als auch seinen Versucher von einem Schauspieler verkörpern zu lassen, ist ein guter Einfall im biblischen Drama „40 Tage in der Wüste“. Ewan McGregor bewältigt die schwierige Doppelrolle großartig und zeigt mit nur geringen mimischen Veränderungen, wer gerade in dem ansonsten eher wortkargen Drama spricht. Jesus heißt in dieser zeitlosen Version der Versuchungsgeschichte noch Yeshua, dessen Beziehung zu Gott auf die Probe gestellt wird.


Do, 27. Apr 2017

Im Innern des Planetenvaters „Guardians of the Galaxy 2“: Bewährt ironische Fortsetzung der schrägen Marvel-Weltraumoper

Von den bisher 14 Comic-Verfilmungen, mit denen die Marvel Studios seit 2008 die Filmwelt erobern, war „Guardians of the Galaxy“ die erfrischendste: selbstironisch, chaotisch, schräg. Das lag schon an den Helden, die da durchs Weltall sausen wie eine derangierte Version der „Star Wars“-Crew: ein Schmalspur-Han-Solo mit dem unbescheidenen Namen Star-Lord, eine Alien-Amazone, ein glatzköpfiger Haudrauf, ein dauergenervter Waschbär und ein humanoider Ast. Ja, ein Ast.


Do, 27. Apr 2017

Punk im Kuckucksnest „Happy Burnout“: Therapie-Komödie

Frau Linde, die Dame vom Arbeitsamt (Victoria von Trautmannsdorff), mag er noch bezirzen, doch als die Behörde dem Alt-Punk Fussel (Wotan Wilke Möhring) auf die Schliche kommt, ist es vorbei mit der fröhlichen Kunst, sich charmant, schmarotzerhaft und mit lockeren Sprüchen durchs Leben zu schlagen. Mit einem erschmeichelten Burnout-Attest landet Fussel wider Willen in einer psychiatrischen Luxusklinik, wo er wie eine Witzversion von Jack Nicholson über das Kuckucksnest fliegt.


Fr, 21. Apr 2017

Sport-Drama „Bleed for this“

Dreizehn Monate nach dem Autounfall, der ihm das Genick brach, holte sich 1992 der Italo-Amerikaner Vincenzo „Vinny“ Pazienza, Boxweltmeister im Halbmittelgewicht, den Titel zurück.


Fr, 21. Apr 2017

Lachanfälle „Conni & Co 2“

Wen die pene­trant gute Laune und die Lachanfälle nerven, mit denen die „Conni“-Abenteuer auf ihr junges Publikum zielen, der kann sich freuen: Regisseur Til Schweiger gab bekannt, Tochter Emma werde danach die USA erobern. Na dann viel Glück! 


Fr, 21. Apr 2017

Derbe Asylklamotte „Alles unter Kontrolle“

Regisseur Philippe de Chauveron macht sich gern ein Späßchen mit dem Zusammenprall der Kulturen. Damit wurde sein letzter Film „Monsieur Claude und seine Töchter“ zum Hit. 


Fr, 21. Apr 2017

Das Mädchen mit den Schachfiguren „Queen of Katwe“

Nach „Bauernopfer“ und „Das Talent des Genesis Potini“ ist „Queen of Katwe“ der dritte Schachfilm innerhalb eines Jahres. Um Bobby Fischer und den Neuseeländer Potini ging es zuvor und jetzt um die zehnjährige Phiona Mutesi (Madina Nalwanga), die 2005 mit ihrer Mutter Harriet (Lupita Nyong’o, „12 Years a Slave“) im Slum von Katwe, Vorort der ugandischen Hauptstadt Kampala, ums Überleben kämpft. 


Fr, 21. Apr 2017

Düstere Sci-Fi „Stille Reserve“

Stille Reserven: So werden in Valentin Hitz’ dystopischer Science Fiction die Toten bezeichnet, die in naher Zukunft als Datenspeicher, Gebärmaschinen oder Ersatzteillager weiterverwendet werden können. 


Fr, 21. Apr 2017

Integrationskomödie „Ein Dorf sieht schwarz“

Er feiert gerade mit Kommilitonen den erfolgreichen Abschluss seines Medizinstudiums in einer Kneipe in Lille, als dort der Bürgermeister von Marly-Gomont für seine abgelegene Gemeinde einen Freiwilligen als Landarzt sucht. Für Seyolo Zantoko (Marc Zinga) ist das in der französischen Integrationskomödie „Ein Dorf sieht schwarz“ die Chance. 


Fr, 21. Apr 2017

Burger für die Welt „The Founder“

Ray Kroc ist Handlungsreisender, 1954 zieht er durch Illinois und verkauft Milchshake-Mixer. Für ein bequemes Mittelklasseleben samt Country-Club-Mitgliedschaft reicht es. Doch in Ray Kroc rumort es: Der 52-Jährige will mehr als das. 


Do, 13. Apr 2017

Don’t Blink – Robert Frank Gigant der Fotokunst

Der Fotograf Robert Frank veröffentlichte 1959 den berühmt gewordenen Bildband „The Americans“, zu dem kein Geringerer als Beatnik Jack Kerouac („On the Road“) das Vorwort schrieb. Franks Stil schwarz-weißer Landschafts- und Porträtaufnahmen ist heute noch einflussreich und durchaus nicht museal.


Do, 13. Apr 2017

Zu guter Letzt Kontrollierter Nachruf

Filme über greise Grantler, die durch die Begegnung mit netten Menschen doch noch altersmilde werden, gibt es genug. Regisseur Mark Pellington („Arlington Road“) probiert jetzt zur Abwechslung mal die weibliche Variante aus, die seit „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ nicht allzu viele Updates erfuhr.


Do, 13. Apr 2017

The Birth of a Nation Der gescheiterte Rebell

Während der Präsidentschaft von Barack Obama sind viele Filme entstanden, die sich mit historischem und aktuellem Rassismus befassen. 


Do, 13. Apr 2017

Gold Schürfen in Indonesien

Der entfesselte Turbokapitalismus hat es Hollywood nach wie vor angetan. Nach „Wolf of Wall Street“, „The Big Short“ und „American Hustle“ folgt mit „Gold“ ein weiteres jener satirischen und wahren Finanzabenteuer mit moralisch fragwürdigen Antihelden, die Gordon Gekkos Gier-Gelübde aus „Wall Street“ verinnerlicht haben. Diesmal handelt es sich um den Skandal um das Unternehmen Bre-X, der Kanada in den späten 80er Jahren heimsuchte.


Do, 13. Apr 2017

Verleugnung Angriff der alternativen Fakten

Es war eines der ungeheuerlichsten Gerichtsverfahren der frühen Nuller-Jahre: Weil die US-Historikerin Deborah Lipstadt den Antisemiten und Holocaust-Leugner David Irving in einem Sachbuch genau dies nannte, nämlich einen „Antisemiten“ und „Holocaust-Leugner“, zeigte der Brite sie und ihren englischen Verlag (Penguin) wegen Verleumdung an. 


Do, 13. Apr 2017

Fast & Furious 8 Es regnet Autos in New York

Es ist nicht der erotische Reiz der Cyberterroristin Cipher (ideal besetzt: Charlize Theron), dem Vollgasritter Dom Toretto (Vin Diesel) verfällt, wenn er für sie eine Massenvernichtungswaffe und einen Atomkoffer stiehlt. 


Do, 13. Apr 2017

Abgang mit Stil Drei gegen die Bank

Drei rüstige Rentner vom unteren Ende des sozialen Spektrums (verlässlich amüsant: Morgan Freeman, Michael Caine und Alan Arkin) werden von ihrem Ex-Arbeitgeber um die Rente geprellt und haben bald genug von ihrer Sozialamts-Tristesse: Sie wollen eine Bank ausrauben. Leider haben sie keine Ahnung, wie das geht.