Proteste gegen 13. "Germany's next Topmodel"-Staffel
Nicht Heidis Mädchen

Mönchengladbach -

Ab Donnerstag schickt Heidi Klum wieder „die schönsten Mädchen Deutschlands“ über den ProSieben-Laufsteg. Das wird jedoch nicht ohne Proteste über die Bühne gehen. Im Netz hat sich unter dem Hashtag #NotHeidisGirl eine Gegenbewegung zur 13. Staffel von "Germany's next Topmodel" formiert.

Donnerstag, 08.02.2018, 08:02 Uhr

Proteste gegen 13. "Germany's next Topmodel"-Staffel: Nicht Heidis Mädchen
Jurychefin Heidi Klum beginnt die Suche nach dem "Topmodel 2018" diesmal in der Karibik. Die Co-Juroren Thomas Hayo (links) und Michael Michalsky stellen ihr nach Angaben des Senders 50 "Topmodel"-Anwärterinnen vor, die sie in ganz Deutschland gesucht haben. Foto: dpa

Nach der schwerwiegenden Kritik vor drei Jahren, "Germany's next Topmodel" (GNTM) würde Essstörungen wie Magersucht und Bulimie bei jungen Frauen fördern, bekommt die Model-Casting-Show erneut starken Gegenwind. Dieses Mal von einer feministischen Gruppe aus Mönchengladbach, die eine Protest-Kampagne in den sozialen Netzwerken fährt.

Gegenbewegung zu Heidi Klums Aufruf #ichbingntm2018

Unter dem Hashtag #NotHeidisGirl rufen die "Vulvarines" im Vorfeld der neuen Staffel dazu auf, Bilder von sich und ihrem Statement, warum sie nicht Heidis Mädchen sind, zu posten. Dem Aufruf sind bereits Tausende Männer und Frauen gefolgt. Er stellt eine Gegenbewegung zu Heidi Klums Aufruf vor einigen Monaten dar, sich unter dem Hashtag #ichbingntm2018 als Model zu bewerben.

Sexistisches Unterhaltungsprogramm

"'Not Heidis Girl' bedeutet, dass wir ablehnen, dass aus Körpern und deren Bewertung Kapital geschlagen wird", sagt Lisa, Aktivistin bei den Vulvarines. Die Show-Teilnehmerinnen würden auf Äußerlichkeiten und vermeintlich wünschenswerte Attribute wie "schöne lange Haare, ein tolles Gesicht und Modelmaße" reduziert. "Fernsehformate wie GNTM bieten ein sexistisches Unterhaltungsprogramm und dagegen lehnen wir uns auf."

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Mehrheit der Deutschen stößt GNTM-Schönheitsideal auf

Dass die Sendung ein auf Äußerlichkeiten reduziertes Schönheitsideal transportiert, sehen nicht nur die Mönchengladbacherinnen so. Einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "YouGov "zufolge stimmten 74 Prozent der Deutschen der Aussage zu, die ProSieben-Castingshow vermittele ein falsches Schönheitsideal: 22 Prozent davon antworteten mit "eher", 52 Prozent "voll und ganz". Dagegen waren nur 15 Prozent der Befragten der Ansicht, GNTM sei authentisch.

GNTM-Macher bemühen sich um Vielfalt

Dabei scheinen sich die Macher von GNTM in der neuen Staffel große Mühe gegeben zu haben, die Sendung authentischer wirken zu lassen und das propagierte Körperbild zu erweitern. So befinden sich unter den Kandidatinnen auch Frauen mit vermeintlichen Makeln, wie zum Beispiel Gerda mit einer Narbe im Gesicht, die zugibt, operierte Brüste zu haben, Soraya, die als Mann geboren wurde, Klaudia, die ihre natürliche Körperbehaarung sprießen lässt, und Xenia, die als Kind pummelig war. Viele erzählen, dass sie früher Probleme mit ihrem Körper hatten, heute aber zu diesem stehen würden.

Besserung in Sicht?

Also Besserung in Sicht? "Ich sehe das anders. Ich glaube nicht, dass es da um Charakter und persönliche Geschichten von den Frauen geht. Das ist ein Nebeneffekt, den man wunderbar sensationsheischend dazu packen kann. Aber es geht weiterhin nur um Äußerlichkeiten", sagt Lisa und fügt hinzu: "Wir möchten, dass Menschen sich nicht nur über ihr Äußeres definieren müssen, sondern lernen, dass all das, was sie sind, sie ausmacht und nicht nur die coolste Mascara, die schönste Frisur und die geilsten hippen Klamotten."

Absolute Ablehnung bei den Vulvarines

Für die Aktivistin steht fest, dass sie die neue Staffel nicht gucken wird. "Nein, das tun wir auch nicht zu Analysezwecken. Ich bin den lieben langen Tag damit konfrontiert, dass ich im Patriarchat lebe und dass Sexismus an der Tagesordnung ist. Wieso soll ich mir das in gebündelter Form als Unterhaltungsprogramm antun?" Mit diesem Boykott wird sie nicht die einzige sein.

Zur Sendung

Die neue, inzwischen 13. "Germany's next Topmodel"-Staffel startet beim Privatsender ProSieben an diesem Donnerstag (8.2.). Jurychefin Heidi Klum beginnt die Suche nach dem "Topmodel 2018" diesmal in der Karibik. Die Co-Juroren Thomas Hayo und Michael Michalsky stellen ihr nach Angaben des Senders 50 "Topmodel"-Anwärterinnen vor, die sie in ganz Deutschland gesucht haben.

Das GNTM-Finale im Mai 2017 hatte durchschnittlich 2,43 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 8,9 Prozent. Die Werte waren damit schlechter als beim Finale 2016, das noch 2,87 Millionen Zuschauer (10,9 Prozent) interessiert hatte.

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