Der Dirigent und Komponist Thorsten Schmid-Kapfenburg Seine Leidenschaft gilt der Spätromantik

Münster -

„Im Sinfonieorchester Münster ist ein Geiger ein Geiger. In der ,Alten Philharmonie‘ hingegen ist ein Geiger auch ein Zahnarzt.“ Dirigent Thorsten Schmid-Kapfenburg kennt sie beide: Die Profimusiker am Theater und die Ärzte, Lehrer oder Juristen, die in ihrer Freizeit Orchestermusiker sind. Wenn er mit diesen Semiprofis probt, hat er dasselbe Ziel wie mit den Berufsmusikern: ein Solokonzert oder eine Sinfonie so einzustudieren, dass es später eine spannende Aufführung wird. Zum Beispiel mit der ersten Sinfonie von Kurt Atterberg.

Von Harald Suerland
Thorsten Schmid-Kapfenburg in Münster Großem Haus. Dort wirkt er zumeist im Orchestergraben.
Thorsten Schmid-Kapfenburg in Münster Großem Haus. Dort wirkt er zumeist im Orchestergraben. Foto: Gunnar A. Pier

Wer ist Atterberg ? „Ich kann den Leuten mit meiner Leidenschaft für Nordisches ja nicht ständig Sibelius vorsetzen“, lacht Schmid-Kapfenburg . Deshalb kommt ihm der schwedische Spätromantiker gerade recht. Ein Stück „voller Testosteron“ sei dieser sinfonische Erstling, verspricht er für das Konzert am 12. März. Und weist zugleich darauf hin, dass die manchmal kuriosen Programme der „Alten Philharmonie “ nicht nur auf seinem Mist gewachsen sind. Die Musiker selbst schlagen Komponisten wie den Mahler-Freund Hans Rott oder den Romantiker Robert Volkmann vor. Und sind mit einem solchen Enthusiasmus bei der Sache, dass die Endprobe für eines der beiden Konzerte pro Jahr sich auch gern mal bis in die Nacht hinziehen kann.

Mit den Profis am Theater kommt der Dirigent naturgemäß schneller ans Ziel – aber es gibt eine erstaunliche Parallele, auf die Schmid-Kapfenburg mit einem Karajan-Zitat hinweist: „Es sind immer dieselben Stellen, die in einem Stück falsch gemacht werden.“ Was aber für Weltklasse-Orchester wie die Berliner Philharmoniker bloßes Feilen am Detail ist, ist für Amateure viel Arbeit. Deren Bedeutung schätzt Schmid-Kapfenburg allerdings sehr hoch ein – und erinnert an die These des Philosophen Konfuzius, dass derjenige ein besonders guter Staatsmann wäre, der auch ein Musiker sei: Friedrich der Große oder Helmut Schmidt sind herausragende Beispiele dafür.

Am Kieler Theater arbeitete Thorsten Schmid-Kapfenburg nach seinem Studium in Hamburg zehn Jahre lang als Kapellmeister und Assistent des Generalmusikdirektors, folgte dann einem Ruf an die Deutsche Oper Berlin, geriet dort aber mit dem damaligen Chef Christian Thielemann aneinander und kam 2004 nach Münster . Hier möchte er gern noch länger bleiben und bedauert nicht, dass er keine GMD-Stelle hat: „Mein Lehrer sagte mir: Man muss sein Repertoire lernen, bevor man GMD wird – später hat man keine Zeit mehr dazu.“ Deshalb liebt er den Kapellmeister-Job, der ihm keine administrativen Belastungen aufbürdet. Zumal Schmid-Kapfenburg nicht, wie an manchen Häusern auf seiner Position üblich, der Mann für die leichte Muse ist: „Ich habe mit viel Vergnügen die beiden Krimi-Musicals dirigiert, vor allem aber Weills ,Mahagonny‘ und die Opern von Detlev Glanert.“

Apropos Glanert: Beim Komponisten der Erfolgsoper „Joseph Süß“, einem Schüler Hans Werner Henzes, hat Thorsten Schmid-Kapfenburg Komposition studiert und genießt es zurzeit, wieder mehr Musik zu schreiben – weil ein Verlag in Berlin seine Werke herausgibt und weil sowohl Münsters Theater als auch die „Alte Philharmonie“ Bedarf anmelden. So wird es eine neue Fassung seiner Suite für die orientalische Laute Ud, Streicher und Pauken geben, die das Orchester 2015 uraufgeführt hat; das Theaterjugendorchester und Münsters Tanztheater freuen sich auf Schmid-Kapfenburg-Klänge.

„Wenn ich komponiere, berufe ich mich auf die Spätromantik “, versichert er. Kein Wunder, dass der Dirigent für Korngold oder Zemlinsky schwärmt und mit seinem Faible für Nordisches bei Jean Sibelius und dessen Zeitgenossen fündig wird – wie dem Schweden Kurt Atterberg. Mit dem frühen Arnold Schönberg verbindet er eine besonders angenehme Begegnung: „Als ich noch in Berlin war, sind die Philharmoniker für die Sänger-Einstudierung der Gurre-Lieder an mich herangetreten. Die Zusammenarbeit mit Simon Rattle war großartig: ein richtig guter Typ.“

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Das nächste Konzert der Alten Philharmonie Münster mit der ersten Sinfonie von Kurt Atterberg als Finalstück findet am 12. März um 18 Uhr in der Waldorfschule Münster statt.

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