Dirigent Golo Berg im Porträt Er schwärmt für Verdis Opern

Münster -

„Ich finde es schön, wenn Fabrizio Ventura auch im Jahr 2018 das Festival Musica Sacra betreut.“ Sagt Golo Berg, der als Generalmusikdirektor in Münster bereits 2017 die Nachfolge Venturas antritt. Der Satz lässt aufhorchen. Denn er macht nicht nur deutlich, dass diese besondere Konzertreihe des Sinfonieorchesters Münster fortbestehen soll. Sondern zeigt darüber hinaus Kontinuität im Wechsel. Festivalgründer Ventura, sein Nachfolger Berg und der Freundeskreis des Orchesters sind schon im Gespräch. Beide Dirigenten werden dann wohl Konzerte des Festivals leiten.

Von Harald Suerland
Dirigent Golo Berg im Porträt : Er schwärmt für Verdis Opern
Ein Mann mit reicher Theater- und Konzerterfahrung: Golo Berg, seit 2012 Chefdirigent des Theaters Vorpommern, wird in knapp einem Jahr in Münster sein Amt als neuer Generalmusikdirektor antreten. Foto: Matthias Ahlke

„Es kommt ja ohnehin zu Akzentverschiebungen, wenn ein Team wechselt“, gibt Golo Berg im Redaktionsgespräch zu bedenken. Als neuer Chefdirigent wird er natürlich auch seine eigene Handschrift präsentieren. „Ich bin sehr offen der Neuen Musik gegenüber“, sagt er beispielsweise, möchte das Konzertpublikum überraschen, aber keineswegs belasten. „Entscheidend ist, dass es dem Dirigenten und seinen Auswahlkriterien vertraut“, sagt Berg und verweist auf seine Erfahrungen in Stralsund , wo er viele Zuhörer mit einem Repertoire hinzugewann, das zu 40 Prozent aus Werken der Zeit nach 1920 bestand. Auf der anderen Seite sieht er sich als Kurator, der wie ein Museumsexperte das klassische Repertoire pflegen und immer wieder neu vorstellen möchte.

Golo Berg ist in dieser Spielzeit noch Chefdirigent des Theaters Vorpommern. Doch man trifft ihn schon jetzt regelmäßig in Münster an, sein Lieblingscafé in der Nähe des Theaters hat er bereits gefunden. Natürlich hält er auch nach Wohnungen Ausschau – vor allem aber bereitet er sich intensiv auf die kommenden Aufgaben vor. „Es stehen ja auch Entscheidungen etwa für das Ensemble an“, erklärt Berg, „und die kann ich nur treffen, wenn ich alles gut kenne.“ So hat er bereits mehrere Opernproduktionen gesehen und schaut sich unmittelbar nach unserem Gespräch das Schauspiel „Le­once und Lena“ an.

Als künftiger Opernchef in Münsters Orchestergraben hat Golo Berg auch schon die ersten Pläne mit Generalintendant Ulrich Peters geschmiedet. Eine Reihe mit Märchenopern aus unterschiedlichen Zeiten schwebt den beiden Musiktheater-Enthusiasten vor. Ansonsten schwärmt er vom reichen Werk Giuseppe Verdis . „Es gibt keinen, der so für die Stimme komponiert hat wie er“, analysiert Golo Berg. Und damit nicht genug: „Verdis Figuren sind immer widersprüchlich, da gibt es kein simples Schwarz-weiß: genau wie bei Mozart!“ Zwar hält er nach wie vor Wagner-Opern in Münster für machbar und schätzt den „Tristan“ sowie Mussorgskys „Boris Godunow“ als diejenigen Werke des 19. Jahrhunderts ein, die ihrer Zeit am weitesten voraus sind. Aber dann landet er wieder bei Verdi: „Otello würde ich so gern mal machen!“

Golo Berg möchte auch in Zukunft in Japan gastieren, wo er seit 2002 ein gern gesehener Gast ist. In seiner ersten Münster-Saison jedoch will er sich besonders intensiv der neuen Aufgabe widmen, will drei Theaterproduktionen einstudieren. Und dann noch etwas tun, was er schon mit schönem Erfolg als GMD in Dessau (von 2001 bis 2009) praktiziert hat: lokale Komponisten in Erinnerung bringen. Von seinem Engagement für August Klughardt in Dessau kündet eine schöne CD; in Münster ist Berg bereits auf der Spur Andreas Rombergs, den man nicht zuletzt als Vertoner von Friedrich Schillers „Glocke“ kennt.

Großes Lob hat Berg für das Sinfonieorchester Münster – und würde es gern in neuen Räumen und mit ungewöhnlichem Repertoire noch bekannter machen. Jovel und Landesmuseum hat er bereits auf dem Schirm und denkt intensiv über Crossover-Projekte nach: „Ich meine nicht ,Classic meets Rock’“ stellt Berg klar. „Aber Kombinationen mit Jazz oder Klezmer-Musik: Das finde ich spannend.“

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