Dirigent Golo Berg im Porträt
Er schwärmt für Verdis Opern

Münster -

„Ich finde es schön, wenn Fabrizio Ventura auch im Jahr 2018 das Festival Musica Sacra betreut.“ Sagt Golo Berg, der als Generalmusikdirektor in Münster bereits 2017 die Nachfolge Venturas antritt. Der Satz lässt aufhorchen. Denn er macht nicht nur deutlich, dass diese besondere Konzertreihe des Sinfonieorchesters Münster fortbestehen soll. Sondern zeigt darüber hinaus Kontinuität im Wechsel. Festivalgründer Ventura, sein Nachfolger Berg und der Freundeskreis des Orchesters sind schon im Gespräch. Beide Dirigenten werden dann wohl Konzerte des Festivals leiten.

Freitag, 30.09.2016, 15:09 Uhr

Dirigent Golo Berg im Porträt : Er schwärmt für Verdis Opern
Ein Mann mit reicher Theater- und Konzerterfahrung: Golo Berg, seit 2012 Chefdirigent des Theaters Vorpommern, wird in knapp einem Jahr in Münster sein Amt als neuer Generalmusikdirektor antreten. Foto: Matthias Ahlke

„Es kommt ja ohnehin zu Akzentverschiebungen, wenn ein Team wechselt“, gibt Golo Berg im Redaktionsgespräch zu bedenken. Als neuer Chefdirigent wird er natürlich auch seine eigene Handschrift präsentieren. „Ich bin sehr offen der Neuen Musik gegenüber“, sagt er beispielsweise, möchte das Konzertpublikum überraschen, aber keineswegs belasten. „Entscheidend ist, dass es dem Dirigenten und seinen Auswahlkriterien vertraut“, sagt Berg und verweist auf seine Erfahrungen in Stralsund , wo er viele Zuhörer mit einem Repertoire hinzugewann, das zu 40 Prozent aus Werken der Zeit nach 1920 bestand. Auf der anderen Seite sieht er sich als Kurator, der wie ein Museumsexperte das klassische Repertoire pflegen und immer wieder neu vorstellen möchte.

Das Theater Münster in Bildern

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  • montage Foto: Gunnar A. Pier
  • Szene aus "Gloria".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Theater um 1956

    Foto: Erwin Schwarzer (Wiesbaden), Städtische Bühnen Münster
  • Götz Alsmann beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Szene aus dem Stück "Gloria"

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Theater von außen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Generalmusikdirektor Golo Berg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 30. März 2013 ist der Sänger Tim Fischer mit seinem Programm "Zarah ohne Kleid" zu Gast im Großen Haus des Theaters Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Podiumsdiskussion am 29. April 2013 im Kleinen Haus des Theaters Münster zum Auftakt der Diskussionsreihe "Wie viel Kultur braucht eine Stadt - und wozu?" (von links): Kathrin Tiedemann (Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Forum Freies Theater, Düsseldorf), Prof. Dr. Ulrike Haß (Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Theaterwissenschaft,
    Ruhr-Universität Bochum), Prof. Ulrich Khuon (Intendant des Deutschen Theaters Berlin/Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein), Stefan Keim (Westdeutscher Rundfunk/WDR, Köln), Dr. Hans-Georg Küppers (Kulturreferent der Stadt München/Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetags), Matthias Lückertz (Vorsitzender der Kaufmannschaft Münster/Vorsitzender der »Initiative Starke Innenstadt Münster e.V.«) und Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg (Direktor der Katholisch-sozialen Akademie Franz Hitze Haus, Münster/ MDL).

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 20. Mai 2013 geben Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys ein Konzert im Theater Münster, Großes Haus. Das Programm trägt den Titel "Musik für schwache Stunden...".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2015.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Neujahrskonzert am 1. Januar 2015 mit Götz Alsmann und der Alsmann-Band, der Sopranistin Henrike Jacob, Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester der Stadt Münster im Theater Münster / Großes Haus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Neujahrskonzert am 1. Januar 2015 mit Götz Alsmann und der Alsmann-Band, der Sopranistin Henrike Jacob, Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester der Stadt Münster im Theater Münster / Großes Haus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 22. Oktober 2015 ist Frank Goosen mit dem Programm "Durst und Heimweh - Geschichten von unterwegs" zu Gast im Kleinen Haus des Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 24. Oktober 2015 ist Ulrike Kriener mit dem Programm "Und wenn es Liebe wär'..." im Kleinen Haus des Theaters Münster zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nur noch Formsache waren im August 2015 die Unterschriften unter dem Vertrag: Bis Ende der Spielzeit 2021/22 bleibt Dr. Ulrich Peters (l.) Generalintendant in Münster. 

    Foto: Presseamt Münster/ MünsterView / Witte
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude bei Nacht im Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude bei Nacht im Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Robert Atzorn liest mit Angelika Atzorn "Arthur und Adele", Kleines Haus im Theater Münster am 10. Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Thorsten Schmid-Kapfenburg, 2. Kapellmeister am Theater Münster,

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dr. Ulrich Peters beim Pressegespräch im Theater Münster am 1. März 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Pressegespräch im Theater Münster am 1. März 2017. Hintere Reihe v.l. Intendant Dr. Ulrich Peters, Schauspieldirektor Frank Behnke, Julia Dina Hesse (Leiterin Junges Theater), Generalmusikdirektor Golo Berg (ab Saison 2017/18)
    Vordere Reihe v. l. Hans Henning Paar (Künstlerischer Leiter Tanztheater), Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann, Operndirektorin Susanne Ablass

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Stefan Veselka, 1. Kapellmeister am Theater Münster

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude um 1956.

    Foto: © Stadtmuseum Münster, Sammlung Heller
  • Linn Sanders (oben), Bálint Tóth, Carolin Wirth in "Ronja Räubertochter".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Claudia Hübschmann, Linn Sanders, Andrea Spicher in "Demut vor deinen Taten, Baby".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Ilja Harjes und Hubertus Hartmann in "La Révolution #1 - Wir schaffen das schon".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Christian Bo Salle und Bálint Tóth, Statisterie in "La Révolution #1 - Wir schaffen das schon".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Mirko Roschkowski, Gregor Dalal und Sebastian Campione in "Der Freischütz".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Oliver Berg
  • Foto: Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez und Keelan Whitmore in "Back, Immortalis".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster

Golo Berg ist in dieser Spielzeit noch Chefdirigent des Theaters Vorpommern. Doch man trifft ihn schon jetzt regelmäßig in Münster an, sein Lieblingscafé in der Nähe des Theaters hat er bereits gefunden. Natürlich hält er auch nach Wohnungen Ausschau – vor allem aber bereitet er sich intensiv auf die kommenden Aufgaben vor. „Es stehen ja auch Entscheidungen etwa für das Ensemble an“, erklärt Berg, „und die kann ich nur treffen, wenn ich alles gut kenne.“ So hat er bereits mehrere Opernproduktionen gesehen und schaut sich unmittelbar nach unserem Gespräch das Schauspiel „Le­once und Lena“ an.

Als künftiger Opernchef in Münsters Orchestergraben hat Golo Berg auch schon die ersten Pläne mit Generalintendant Ulrich Peters geschmiedet. Eine Reihe mit Märchenopern aus unterschiedlichen Zeiten schwebt den beiden Musiktheater-Enthusiasten vor. Ansonsten schwärmt er vom reichen Werk Giuseppe Verdis . „Es gibt keinen, der so für die Stimme komponiert hat wie er“, analysiert Golo Berg. Und damit nicht genug: „Verdis Figuren sind immer widersprüchlich, da gibt es kein simples Schwarz-weiß: genau wie bei Mozart!“ Zwar hält er nach wie vor Wagner-Opern in Münster für machbar und schätzt den „Tristan“ sowie Mussorgskys „Boris Godunow“ als diejenigen Werke des 19. Jahrhunderts ein, die ihrer Zeit am weitesten voraus sind. Aber dann landet er wieder bei Verdi: „Otello würde ich so gern mal machen!“

Golo Berg möchte auch in Zukunft in Japan gastieren, wo er seit 2002 ein gern gesehener Gast ist. In seiner ersten Münster-Saison jedoch will er sich besonders intensiv der neuen Aufgabe widmen, will drei Theaterproduktionen einstudieren. Und dann noch etwas tun, was er schon mit schönem Erfolg als GMD in Dessau (von 2001 bis 2009) praktiziert hat: lokale Komponisten in Erinnerung bringen. Von seinem Engagement für August Klughardt in Dessau kündet eine schöne CD; in Münster ist Berg bereits auf der Spur Andreas Rombergs, den man nicht zuletzt als Vertoner von Friedrich Schillers „Glocke“ kennt.

Großes Lob hat Berg für das Sinfonieorchester Münster – und würde es gern in neuen Räumen und mit ungewöhnlichem Repertoire noch bekannter machen. Jovel und Landesmuseum hat er bereits auf dem Schirm und denkt intensiv über Crossover-Projekte nach: „Ich meine nicht ,Classic meets Rock’“ stellt Berg klar. „Aber Kombinationen mit Jazz oder Klezmer-Musik: Das finde ich spannend.“

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