Kultur Lecker Lasagne in Lengerich

Von unserem Redaktionsmitglied Harald Suerland

Wahrscheinlich wusste man bis zu dieser Woche nur in Lengerich , was „Lasi-Hollo-Bollo“ ist: Eine Lasagne mit Sauce Hollandaise und Bolognese - aus der Tüte. Seit aber Christian Rach , der „Restauranttester“, im Lengericher Hexenhäuschen half, kennen mehr als sechs Millionen RTL-Zuschauer das Kultgericht aus der münsterländischen Kneipe.

Zur Kneipe hat Rach nämlich das ehemalige „ Restaurant “ umfunktioniert - weil kein gelernter Koch in der kleinen Küche stand und weil somit nach Ansicht des frisch gebackenen „ Goldene Kamera “-Preisträgers die elementaren Voraussetzungen für einen wirklichen Restaurantbetrieb fehlten. Einer „unerwartet großen Herausforderung“ begegnete Rach, und er machte nach einigen Tagen des Grübelns kurzen Prozess: Jetzt firmiert das Lokal als Kneipe mit kleinen Snacks - zu denen zwar nach wie vor die seit Jahrzehnten bekannte Lasagne „Hollo-Bollo“ zählt, aber mittlerweile auch ein saftiges Steak. Und Pizza gab es schon vorher im „Hexenhäuschen“.

Die Restaurants, denen er hilft, müssen in existenzieller Not sein, sagte Christian Rach einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. Von den Restaurantbetreibern hat er wohlweislich nicht gesprochen. Und als er in Lengerich seine Mission beendet und gemeinsam mit dem Hausherrn Thomas Windmöller durch urige Dekoration, neue Beleuchtung und die Beschränkung auf wenige Speisen die Gäste neugierig gemacht hatte, entdeckte er beim Inspektionsbesuch nicht nur einen glücklichen Wirt - sondern auch einen nagelneuen Pizzaofen. Den kaufte Windmöller kurzerhand, als das Vorgängermodell seinen Geist aufgegeben hatte. Und Rach, der Restaurant-Retter, erkannte und sagte es auch in die Kamera, dass es dem Kneipen-Betreiber wohl so schlecht nicht gehen könne.

Rach betonte bei der Verleihung der Goldenen Kamera am Wochenende erneut, dass in Sendungen wie seiner Restauranttester-Reihe die Realität gezeigt werde. Aufmerksamen Zuschauern entgeht allerdings nicht, wie diese Realität fernsehdramaturgisch geschickt aufbereitet wird. So sind die Neuerungen im „Hexenhäuschen“, gemessen an dem Wind, den Rach um sie und um seine Ratgeber-Rolle macht („Diesen Zahn habe ich ihm gezogen!“), vergleichsweise überschaubar. Kurios in diesem Zusammenhang: „Das Hexenteam sucht zur Verstärkung ein/e Koch/Köchin und eine Servicekraft in Teilzeit“ liest man auf dessen Internetseite. Generell hat man den Eindruck, dass der Restauranttester sich noch stärker als früher mit blumiger Lyrik in Szene setzt und dass ein Happy End mit rundweg liebenswerten Ratsuchenden mittlerweile fast zwingend ist. Es wirkt so sympathisch.

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