Hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen

Rund 400 Züge passieren täglich den Hauptbahnhof in Münster. Über 100 Mitarbeiter der Deutschen Bahn und der Geschäfte vor Ort sorgen für einen reibungslosen Ablauf - vor, während und auch nach der Bauphase.

Dazu zählen neben Bauleitern auch Servicetechniker, Gebäudereiniger, Imbissbuden-Besitzer, Sicherheitsbeamte und Mitarbeiter der Bahnhofsmission. Wir laufen täglich an ihnen vorbei, jetzt kommen sie zu Wort: Das sind ihre Geschichten:

In der Radstation

von Klaus Baumeister

Als Peter Kamberg 1999 seinen Dienst in der nagelneuen Radstation am Hauptbahnhof antrat, hätte er nicht damit gerechnet, 18 Jahre lang zu bleiben. Als dienstältester Service-Mitarbeiter verabschiedet sich der Münsteraner jetzt in den Ruhestand.

Peter Kamberg

„Einen besseren Mitarbeiter hätte ich mir gar nicht wünschen können“, meint Georg Hundt, Betreiber der Radstation. „Er war nie krank und kam nie zu spät.“ Letzteres wäre für andere Berufstätige sicherlich eine große Herausforderung, denn die Frühschicht in der Radstation beginnt bereits um 5.30 Uhr. „Ich bin Frühaufsteher“, sagt Kamberg.

18 Jahre am Schalter

Nach 18 Jahren unten am Schalter kennt Kamberg die Stammkunden der Radstation allesamt persönlich. Besonders hektisch sei es morgens um 7 sowie nachmittags um 16.30 Uhr. Dann kommen die vielen Berufspendler, die – je nachdem ob Ein- oder Auspendler – ihre Räder abholen oder zurückbringen.

Verglichen mit früher, da macht Kamberg keinen Hehl daraus, sei mancher Nutzer der Radstation „schon etwas ungeduldiger“ geworden. Das führt er in erster Linie auf die Bauarbeiten am Bahnhof zurück. „Der Weg von der Radstation zum Gleis ist länger geworden.“ Mit der Fertigstellung des Bahnhofs dürfte damit auch wieder etwas mehr Ruhe in die Radstation einkehren. Für Kamberg sowieso . . .

Der Sicherheitsdienst

Früher waren sie „bewaffnet mit dem Kamm“, heute gehen sie mit Schlagstock, Handschellen und Pfefferspray auf Streife: Es sei nötig geworden, sagen die Sicherheitsbeamten Markus Müller (52) und Jochen Breuer (55), die seit vielen Jahren zusammen am Münster Hauptbahnhof auf Streife gehen.

Markus Müller und Jochen Breuer

„Eigenschutz geht immer vor“, sagt die Doppelstreife. Deswegen tritt sie hier nur unter einem Pseudonym in Erscheinung. In erster Linie sind Müller und Breuer Ansprechpartner für Menschen, die Hilfe suchen. In gelben Westen auf denen hinten „DB Sicherheit“ zu lesen ist, patrouillieren sie durch den Hauptbahnhof. Früher seien oft Scherze auf ihre Kosten gemacht worden, seit der Silvesternacht in Köln habe sich das verändert.

Akzeptanz ist größer geworden

„Wir merken, dass die Akzeptanz größer geworden ist“, sagt Müller. „Viele kommen einfach so zu uns und sagen ‚Danke, dass Sie da sind‘.“ Während der Bauarbeiten war es ruhiger für die Doppelstreife - es gab keinen Durchgangsverkehr.

Die Fälle werden brutaler

Wenn Müller und Breuer ihre Schicht beginnen, wissen sie nie genau, was sie erwartet. „Es gibt Tage, die sind stinklangweilig. Es gibt aber auch Tage, da kommt man aus den Hemmschuhen nicht mehr raus“, sagt Breuer. Die Anzahl der Vorfälle hat sich nicht verändert, dafür aber die Art: „Früher war das eher ein Geschuppe und vielleicht gab es mal eine blutige Nase oder ein blaues Auge. Heute wird nochmal nachgetreten, wenn jemand schon am Boden liegt.“

15 Jahre auf Streife

In über 15 Jahren auf Streife haben die Sicherheitsbeamten schon viel gesehen - auch tote Menschen. „Es ist wichtig, dass man darüber spricht“, sagen die Männer. Einen anderen Job können sie sich trotz dieser Szenen nicht vorstellen: „Ich schätze die Vielseitigkeit“, sagt Müller. „Es beflügelt mich, wenn ich helfen kann.“ Breuer: „Wir haben ein kleines Helfer- und Gerechtigkeitssyndrom.“

In der Bahnhofsmission

von Christina Schreur

Svenja Lartz (19) arbeitet ehrenamtlich bei der Bahnhofsmission am Münster Hauptbahnhof und gibt den Menschen an Gleis 9/12 nicht nur Kaffee und Brötchen - sondern auch einen Ort zum Reden.

Svenja Lartz

Zu Lartz' Arbeit gehört jedoch mehr als Kaffee zu kochen, „obwohl das so ziemlich das Wichtigste hier ist“. Neben dem Service kümmert sich auch die Bahnhofshilfe um Reisende, die Hilfe beim Ein- und Aussteigen brauchen. Außerdem ist die 19-Jährige Ansprechpartner vor und im Bahnhof. „Als der Bahnhof zugemacht wurde, war es extrem“, erinnert sie sich. Viele Menschen waren irritiert und wussten nicht, wo hin sie müssen. Außerdem waren die Wege länger - was gerade älteren Reisenden zu schaffen machte.

Am liebsten ist die 19-Jährige jedoch in der Bahnhofsmission selbst. „Hier treffen sich ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Themen“, sagt sie. Da kann es auch mal brenzlich werden. „Wenn jemand einen schlechten Tag hat, kann die Stimmung schon mal aggressiv werden“, sagt Lartz. Deswegen muss sie regelmäßig eine Schulung machen. „Man hat das gelernt. Das passiert halt.“

"Ich bin sehr gerne hier"

Lartz kam vor drei Jahren für ein einjähriges Praktikum zur Bahnhofsmission. Inzwischen studiert sie an der Katholischen Hochschule und arbeitet ein Mal pro Woche ehrenamtlich. Das will sie auch nach dem Studium weitermachen. „Ich bin sehr gerne hier. Man bekommt sehr viel Emotionales zurück“, sagt sie. Auch beruflich will sie sich weiterhin um „Extremfälle“ kümmern - und vielleicht im Gefängnis oder einer Forensik arbeiten. „Ich mag das irgendwie.“

Der Bahnhof-Reiniger

von Christina Schreur

Der Plan war ein anderer. Eigentlich wollte Moses Camara (51) nur zwei, höchstens drei Jahre als Reinigungskraft am Münster Hauptbahnhof arbeiten, bis er einen Job in seinem gelernten Beruf findet.

Moses Camara

„Als Tischler eine Stelle zu finden, ist nicht einfach – das kann dauern. Dann habe ich gedacht: Ich mache erst mal den Job bis ich eine Stelle in meinem Beruf finde.“ Seitdem sind fast 29 Jahre vergangen. „Ich bin schon so lange dabei, und es macht mir jeden Tag noch Spaß. Es gefällt mir, unter Menschen zu sein und mit ihnen zu reden.“

Camaras Motivation

Camara zog 1987 von Gambia nach Deutschland. Sein Deutsch hat er seitdem auf der Straße gelernt. Seine Motivation: „Ich wollte mein Leben verbessern“, sagt der 51-Jährige. Ein Jahr später fing er in Münster bei der Deutschen Bahn an. Seitdem arbeitet er in der Wechselschicht. Je nach Schicht variieren auch seine Aufgaben, sagt er. Morgens und mittags kümmere er sich um die Müllentsorgung und halte den Bahnhof sauber.

Mit der Steuersaugmaschine durch die Nacht

Ein Funkgerät hat er immer in der Tasche. Kollegen funken ihn immer wieder an, wenn es etwas gebe, was sauber gemacht werden muss, erklärt er. Nachts werde dann mit einer Steuersaugmaschine alles gründlich sauber gemacht. Camara arbeitet am liebsten in der Mittagsschicht – auch wenn seine Familie nicht so davon begeistert ist, weil sie dadurch weniger Zeit mit ihm hat. Aber er sei nunmal kein Frühaufsteher. Im neuen Bahnhof hat er bald mehr zu tun, schätzt Camara. „Das sind andere und größere Flächen.“ Dann wird er auch einige neue Kollegen bekommen.

Der Imbiss-Spezialist

von Gabriele Hillmoth

„Otmar“ in Münster ist eine Pommesbude. Jetzt wird der Imbiss erwachsen, denn „Otmar“ bekommt endlich wieder ein festes Dach über den Kopf. Gastronom Frank Bröker freut sich, denn demnächst darf der 46-Jährige seine Bratwürstchen im neuen Hauptbahnhof brutzeln.

Frank Bröker

Damit er aber auch zwischendurch nicht aus der Übung kommt, steht der Chef mehrmals in der Woche hinter der Theke und greift  seinem Team, das aus sieben festen Mitarbeitern und 15 Aushilfen besteht, unter die Arme. Sprich: Er grillt Würstchen, belegt Brötchen oder kümmert sich um Getränke.

Zwei Millionen Bratwürstchen verkauft

Bratwurst, Currywurst und Pommes, das sind die Renner, sagt Bröker. Der Imbiss-Chef schätzt, dass er während der gesamten Otmar-Lebenszeit schon zwei Millionen Bratwürstchen verkauft hat. Drei Jahre lang stand „Otmar“ jetzt hinter dem Hauptbahnhof in Münster. Den Stammkunden war der Platz egal, sie haben ihre Pommesbude auch dort gesucht und gefunden. Standleiterin Frauke Graumann kennt ihre Kundschaft, weiß schon vor der Bestellung, was gewünscht wird. „Viele kommen jeden Tag.“

Wie alles begann

Vor knapp 20 Jahren hob Frank Bröker seine Leidenschaft „Otmar“ aus der Taufe. Damals legte der Imbiss einen ersten Stopp im ehemaligen Hettlage-Kinderhaus an der Ludgeristraße ein, dann durfte Bröker die Pommes-Schmiede vor dem Arkaden-Neubau aufbauen. Glücklich war er später über die Zusage für eine Fläche vor dem münsterischen Hauptbahnhof.

Otmar Alts Handschrift

Und immer war der Künstler Otmar Alt mit im Imbiss-Boot. Er gab dem Container auch den Namen und gestaltete die Fassade farbig. Das Team um Frank Bröker trägt T-Shirts mit einem Otmar-Alt-Aufdruck. „Nach dem Motto ,Das Auge isst mit‘“, sagt der 46-Jährige. Auch die neue Restaurant-Fläche im Hauptbahnhof trägt Otmar Alts Handschrift.

Bratwurst auf Lebenszeit

Geld gab es damals für Otmar Alts kreative Imbiss-Kunst nicht. „Der Künstler bekommt dafür von uns eine Bratwurst auf Lebenszeit“, sagt Frank Bröker. Und tatsächlich schaut Otmar Alt „dann und wann“ bei ihnen in Münster vorbei und freut sich über eine frische Bratwurst.

Der Problem-Löser

von Christina Schreur

Christoph Dehmel ist zur Stelle, wenn am münsterischen Hauptbahnhof eine Lampe ausfällt oder der Fahrkartenautomat streikt: Dehmel (31) ist Servicetechniker bei der Deutschen Bahn. Sein Fachgebiet: Elektrotechnik. Seine Aufgaben: Störungen beseitigen und überprüfen, ob alles funktioniert. Sein wichtigstes Arbeitsgerät: der Schraubenzieher. Seine Motivation: die Fahrgäste. „Ich gebe immer das Beste, damit der Kunde zum Ziel kommt.“ Doch wie kam er zu dem Job?

Christoph Dehmel

„Elektrik lag mir eigentlich schon immer“, sagt der 31-Jährige. Sein Umfeld brachte ihn schließlich zur Deutschen Bahn. „Ich komme aus einer alten, gestandenen Eisenbahnerfamilie – und da kam das eine zum anderen.“ Nach seiner Ausbildung zum Elektriker im Fernverkehr wechselte er 2007 in den Service und an den Bahnhof in Münster.

Abwechslungsreicher Job

Dehmels Arbeitstag beginnt um 6.30 Uhr. „Dann schaue ich, was für Störungen reingekommen sind, was an Wartung ansteht.“ Das werde bis zum Feierabend gegen 15 Uhr Schritt für Schritt abgearbeitet. Ihm gefällt die Abwechslung, die sein Job mit sich bringe, sagt er. „Es ist vorher nicht abzusehen, was ich den Tag über mache. Die Störungen kommen immer rein, wie sie gerade lustig sind.“

Immer öfter: Vandalismus

Immer öfter werden diese Störungen jedoch nicht durch technische Fehler, sondern durch Vandalismus ausgelöst, sagt Dehmel. Am häufigsten werden Automaten aufgebrochen. „Alles, was kaputt zu kriegen ist, kriegen die heute auch kaputt.“

Ehrenamtlich beim THW

Ehrenamtlich engagiert sich der Servicetechniker beim THW. Am Ende seiner Karriere ist der 31-Jährige nicht angekommen: Neben der Arbeit macht er zudem gerade eine Weiterbildung zum Meister in der Elektrotechnik.

Bäckerei Krimphove

Freiwillig wird Mojgan Amini (48) den Münster Hauptbahnhof nicht verlassen. Sie ist Verkäuferin bei „dem Bäcker im Bahnhof“ - der Bäckerei Krimphove. „Ich hatte immer mal die Chance, an einen anderen Standort zu wechseln, das wollte ich aber nicht“, sagt sie.

Mojgan Amini

Dass es mal stressig wird, macht ihr nichts - im Gegenteil: „Es ist hier nie langweilig, dafür sehr abwechslungsreich. Ich mag es lieber, wenn ein bisschen mehr zu tun ist.“

Aus dem Iran nach Deutschland

Vor 26 Jahren kam Amini aus dem Iran nach Deutschland und nach Münster. Sie fing beim Bäcker Krimphove an - vorübergehend. „Ich wollte eigentlich gar nicht so lange bleiben“, sagt sie. Ihre erste und bislang einzige Station war das alte Café der Bäckerei im ehemaligen Hauptbahnhof.

Nach dem Abriss hatte die Bäckerei zunächst einen eigenen Wagen, dann arbeitete Amini im Container. Dort war es eng. Damals sagte sie: „Hier ist viel zu wenig Platz. Wir kuscheln die ganze Zeit.“

"Fürs Backen braucht man Gefühl"

Denn in dem kleinen Container wurde nicht nur verkauft, sondern auch gebacken. Amini war lieber hinter der Theke und hat Kunden mit Brötchen und Kaffee versorgt. „Ich mag den Kontakt mit den vielen verschiedenen Menschen“, sagt sie lächelnd. Regelmäßig steht Amini jedoch auch am Ofen. Eine Pflicht für eine Bäckereiverkäuferin, sagt sie. „Fürs Backen braucht man Gefühl. Wenn man das nicht regelmäßig macht, verlernt man das.“

"Endlich ist jetzt was passiert"

Sobald der Bahnhof eröffnet wird, zieht auch das Team der Bahnhofsbäckerei um - „in ein wunderschönes, großes Café“, freut sich Amini. Sie kann es kaum noch abwarten. „20 Jahre lang habe ich immer gehört, dass der Bahnhof umgebaut werden soll. Endlich ist jetzt was passiert.“

Der Gebäudereiniger

Arulthas Mariathas (41) ist durch eine Annonce in der Zeitung auf die Stelle bei der Deutschen Bahn aufmerksam geworden. Inzwischen arbeitet er seit über 22 Jahren als Reinigungskraft am Münster Hauptbahnhof - und hat immer noch Freude an seinem Job. „Es ist eine gute Arbeit“, sagt er.

Arulthas Mariathas

1993 flüchtete Mariathas wegen des Bürgerkrieges aus seiner Heimat Sri Lanka. „Da kann man nicht leben“, sagt er. Zwei Jahre später fing er bei der Deutschen Bahn in Münster an und arbeitet seitdem im Schichtdienst. Am liebsten arbeitet er in der Frühschicht und reinigt den Windschutz an den Gleisen.

Gebäudereiniger mit Herz

Außerdem schätze er den Kontakt zu den Menschen, sagt der 41-Jährige. Denn zu seiner Arbeit gehört nicht nur das Putzen. „Ich helfe auch oft älteren Menschen oder Blinden beim Koffertragen.“ Durch den Umbau des Bahnhofs hatte er manchmal mehr Arbeit und musste mehr reinigen, "aber das war gut", sagt er.

Im Reisezentrum

von Christina Schreur

Wenn Katharina Oesterhaus (25) ihre Arbeitskleidung mit den „DB“-Zeichen anzieht, versucht sie, alles an sich abprallen zu lassen. Denn als Mitarbeiterin im Reisezentrum am Hauptbahnhof in Münster bekommt sie regelmäßig den Ärger der Kunden über die Deutsche Bahn zu spüren.

Katharina Oesterhaus

Oesterhaus: „Man muss sich klarmachen, dass sie einen nicht persönlich meinen, sondern in erster Linie das Unternehmen.“ 2010 hat Oesterhaus ihre Ausbildung im Reisezen­trum in Münster begonnen. Danach arbeitete sie als „Springerin“ in verschiedenen Zentren der Region. Seit eineinhalb Jahren ist sie nun zurück am Hauptbahnhof Münster. „Jetzt bleibe ich auch hier“, sagt die 25-Jährige.

Am Schalter kann es auch mal stressig werden

Was man für den Job braucht: „Ein freundliches Auftreten, starke Nerven und das Wissen, wie eine Deutschlandkarte aussieht.“ Auch Zeit sollte man mitbringen. „Ich muss jedes zweite Wochenende arbeiten. Freizeit gibt es da eher nicht so viel“, sagt Oesterhaus.

Am Schalter kann es dann auch mal stressig werden. Die Kunden müssen beim Eintreten eine Nummer ziehen und warten, bis ein Mitarbeiter Zeit hat. „Viele vergleichen das mit dem Arbeitsamt“, sagt Oesterhaus. Ihre Regel, um nicht in Stress zu verfallen: „Man darf nicht auf den Bildschirm gucken, wie viele noch warten.“

Die Liebe zum Beruf

Obwohl nicht jeder Kunde einfach ist, liebt sie ihren Beruf: „Das Beste an meinem Job sind die Menschen. Der Kontakt, das Feedback, und dass man sich einen Kundenstamm aufbaut, der jeden Tag etwas größer wird“, sagt sie und ergänzt: „Das ist überhaupt nicht eintönig. Jeder Mensch ist anders, und jeder Mensch, der zu mir kommt, hat ein anderes Problem.“

Verkehrsservice

Wenn Thomas Prühs (43) nach seinem Namen gefragt wird, muss er selbst noch einmal auf das Schild an seiner Uniform schauen. Seit Ende 2016 hat er während der Arbeitszeit einen Pseudonamen. „Es gab zu viele Übergriffe“, erklärt der 43-Jährige. „Zwei, drei Mal im Monat kommt so etwas vor.“ Auch er erlebt solche Situationen immer öfter. Dabei ist Prühs kein Sicherheitsbeamter, sondern Mitarbeiter im Service am Hauptbahnhof in Münster.

Thomas Prühs

Damit ist Prühs in der Regel der Erste an der Front. „Wir sind Ansprechpartner bei Problemen und Fragen“, sagt er. Damit die Fahrgäste ihn sofort erkennen, trägt er eine rote Mütze. „Rotkäppchen“ werden die Mitarbeiter deswegen genannt. Um den Reisenden weiterhelfen zu können, hat er den Fahrplan im Kopf und das Funkgerät in der Tasche.

Mit 13 Jahren zur Bahn

Seitdem er 13 Jahre alt war, arbeitet Prühs bei der Bahn. Schon sein Feriengeld verdiente er bei der Deutschen Reichsbahn in der DDR. Bevor er 2010 zum Station und Service wechselte, arbeitete Prühs rund 20 Jahre lang in einer ganz anderen Sparte: als Fahrdienstleiter. „Ich bin in den Service gewechselt, um mehr Kontakt zu den Menschen zu haben“, sagt er. „Dieser Bereich lag mir schon immer und deswegen habe ich mir gedacht, dass ich diese berufliche Perspektive einfach nutze.“

Freude über den "vernünftigen Bahnhof"

Zu seinem Job gehört auch Fahrgästen beim Umsteigen zu helfen. In erster Linie sind das Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen. Um immer beim Umsteigen helfen zu können, gilt für ihn: „Wir sind da, wo die Züge ankommen.“ Prühs freut sich auf die Eröffnung des neuen Bahnhofs und darauf, „dass wir wieder so arbeiten können, wie wir das gewohnt sind - mit einem vernünftigen Bahnhof. Und nicht so, dass die Leute fragen: Warum haben Sie denn keinen Bahnhof?“

Der Fahrdienstleiter

Vom eigentlichen Bahnhofsbetrieb, gestressten Fahrgästen und ausgefallenen Fahrkartenautomaten bekommt Uwe Langenhorst (59) nur wenig mit. Dabei ist er derjenige, der den Zugverkehr steuert. Langenhorst ist Fahrdienstleiter am Hauptbahnhof in Münster und an umliegenden Bahnhöfen.

Uwe Langenhorst

Er stellt die Weichen und bestimmt, wo welcher Zug einfährt - vom Stellwerk einige Meter vom Bahnhof entfernt. In Münster kümmert er sich um die Gleise an der Ostseite - Gleis 8 bis 17.

"Für mich gab es immer nur Eisenbahnen"

Langenhorst kam „von der Schule direkt zur Bahn“: Nach seinem Schulabschluss trat er seine erste Stelle als Fahrdienstleiter bei der Bundesbahn in Steinfurt an. „Für mich gab es immer nur Eisenbahnen“, sagt er. Er arbeitete zunächst an kleinen Bahnhöfen wie in Emsdetten, Greven und Ascheberg. Vor 28 Jahren wurde er dann nach Münster befördert. Und bis heute froh darüber: „Hier in Münster gefällt mir das Teamwork.“ Die Absprache mit den Kollegen ist wichtig. „Es muss ja alles ineinander greifen“, sagt Langenhorst.

"Irgendwas ist immer"

Über die elektrische Wand vor sich sieht Langenhorst, wo sich ein Zug befindet, wann er hält und wann er losfährt. Demnach kann er die Weichen stellen und den Zug zum angegebenen Gleis einfahren lassen. In der Theorie zumindest - sprich wenn keine Störungen, Verspätungen und Gleissperrungen dazwischenkommen. „Irgendwas ist immer“, sagt Langenhorst. „Man muss mehrere Sachen beachten.“ Stressresistent sollte man da schon sein.

"Für mich kam nie ein anderer Beruf in Frage"

Nach 40 Jahren als Fahrdienstleiter kann sich der 59-Jährige nichts anderes mehr vorstellen. „Für mich kam nie ein anderer Beruf in Frage.“ Auch wenn der Schichtdienst - Früh, Spät und Nacht - an ihm nagt. „Mittlerweile bin ich ein bisschen körperlich gehandicapt.“

WN-Special zum neuen Hauptbahnhof in Münster

Hintergrundberichte, Informationen, Videos und Bilder: Das WN-Special zur Bahnhofsneueröffnung finden Sie hier