Übergriffe auch gegen Feuerwehrleute Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt zu

Münster -

Die Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt zu. Sowohl Feuerwehrleute als auch Rettungsdienste werden in Einsätzen verbal und körperlich angegriffen. Feuerwehrchef Gottfried Wingler-Scholz spricht von einem „gesellschaftlichen Phänomen, das Münster erreicht hat“.

Von Ralf Repöhler
Auch in Münster werden Rettungskräfte immer häufiger angegriffen. Das Foto zeigt, wie Männer in Niedersachsen die Arbeit der Rettungskräfte behindern (Aufnahme aus Juli 2015).
Auch in Münster werden Rettungskräfte immer häufiger angegriffen. Das Foto zeigt, wie Männer in Niedersachsen die Arbeit der Rettungskräfte behindern (Aufnahme aus Juli 2015). Foto: Theo Blick / dpa

Eigentlich kann man sich das gar nicht vorstellen. Doch auch in Münster nimmt die Gewalt gegen Rettungskräfte zu. Das bestätigen sowohl die Polizei als auch die Feuerwehr selbst. Betroffen sind Feuerwehrleute und Rettungsdienste. Feuerwehr-Chef Gottfried Wingler-Scholz spricht von einem „gesellschaftlichen Phänomen, das Münster erreicht hat“.

Auch die Zahl der Übergriffe gegen Polizeibeamte steigt weiterhin an. Im vergangenen Jahr 2016 gab es 322 verbale und körperliche Angriffe gegen Polizisten in Münster. Und dieser Trend hält an, sagt Pressesprecher Roland Vorholt.

Schimpfwörter, Anspucken, Ohrfeigen - Rettungskräfte bekommen Einiges ab

In den ersten drei Monaten 2017 wurden bereits rund 100 neue Übergriffe dieser Art gezählt. Dazu zählen neben Schimpfwörtern auch Anspucken, Schubsen und Ohrfeigen, sagt Vorholt.

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Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein.

Feuerwehrchef Wingler-Scholz

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Während die Polizei insgesamt eine Verrohung in Teilbereichen der Gesellschaft feststellt, bestätigt Feuerwehrchef Wingler-Scholz „eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber Uniformträgern“. Gerade Beleidigungen seien viel häufiger, als sich das viele vorstellen würden. „Bei uns sind im Jahr rund zehn Ereignisse dieser Art dokumentiert. Doch die Dunkelziffer dürfte viel höher sein“, so Wingler-Scholz.

Feuerwehrleute sollen Vorfälle melden

Bei der Polizei sind aus dem Jahr 2016 acht Fälle aktenkundig, bei denen Rettungskräfte betroffen waren. Viermal die Feuerwehr, viermal der Rettungsdienst. Viermal handelte es sich um Körperverletzung, viermal um Widerstand und Behinderungen. In den ersten drei Monaten 2017 gehe die Anzahl der Übergriffe bereits deutlich über acht hinaus, ergänzt Sprecher Vorholt.

Der Feuerwehrchef appelliert an die Rettungsdienste, Vorfälle dieser Art zu melden. „Wir bieten für die Einsatzkräfte ein Deeskalationstraining an“, sagt Wingler-Scholz. Typische Vorfälle seien, dass Patienten das Mitfahren im Krankenwagen verweigern oder sich während der Fahrt plötzlich wehren würden. Bei Feuerwehr-Einsätzen würden Schaulustige häufig die Arbeit behindern und dann nicht einsehen, dass sie den Gefahrenbereich verlassen müssten, nennt Wingler-Scholz einige Beispiele.

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