Volleyball: Damen-Bundesliga USC ist als Team schnell gewachsen und verfolgt die Top-Teams

Münster -

Ein im Sommer völlig neu zusammengewürfeltes Team erstaunt die gesamte Bundesliga. Der USC Münster hat sich direkt hinter den drei erwarteten Top-Teams eingenistet. Der Mannschaftsgedanke spielt dabei eine überaus gewichtigte Rolle.

Von Henner Henning
„One Team“: Der USC Münster demonstriert auf und neben dem Feld eine Geschlossenheit, mit der er nur schwer zu schlagen ist.
„One Team“: Der USC Münster demonstriert auf und neben dem Feld eine Geschlossenheit, mit der er nur schwer zu schlagen ist. Foto: Jürgen Peperhowe

Der USC Münster überrascht. Die Bundesliga, seine Fans und nicht zuletzt auch sich selbst. „Es ist schon erstaunlich, wie schnell wir uns gefunden haben und wie weit wir schon sind“, sagte Zuspielerin Mareike Hindriksen nach dem 3:1-Erfolg gegen die Roten Raben Vilsbiburg, mit dem die Grün-Weißen eindrucksvoll eines demonstrierten: „Hey, wir sind nicht so schnell unterzukriegen!“

Denn die Vorzeichen, sie waren vor dem Duell mit einem direkten Konkurrenten nicht gerade optimal. Das Pokal-Aus gegen Titelverteidiger Allianz MTV Stuttgart steckte noch in den Köpfen, dazu kam einen Tag vor der Partie die Verletzung von Ines Bathen. Die Angreiferin, eine der Stützen und Säulen der Mannschaft, war umgeknickt und verfolgte das Geschehen von der Tribüne aus. Eine MRT-Untersuchung soll nun Aufschluss über die Schwere der Sprunggelenksblessur bringen. Gebrochen – so viel stand am Sonntag fest – ist aber nichts. Dennoch scheinen Bathens Einsätze in Schwerin und Suhl sowie gegen Aachen fraglich.

Dass der USC aber zumindest temporär ihr Fehlen kompensieren kann, zeigte er gegen die Niederbayern. „Wir haben auch alle für Ines gespielt“, sagte Juliane Langgemach, die mit ihrer Aufschlagserie im vierten Satz die Unabhängigen endgültig auf die Siegerstraße gebracht hatte. „Wir waren nach Stuttgart enttäuscht, klar. Aber es war auch ein geniales Spiel von uns, da mussten wir dann irgendwie nachher das Positive mitnehmen. Und das haben wir getan“, sagte die Mittelblockerin.

Erneut war der Zusammenhalt der große Trumpf im USC-Spiel, das im zweiten Abschnitt einen Knacks bekommen hatte. „Ich hatte befürchtet, dass wir nach unseren Fehlern mehr Stress bekommen und diese nicht so gute Phase länger dauern könnte. Aber es war nur der zweite Satz. Wie es die Mannschaft nach dem Stuttgart-Spiel gelöst hat, macht mich stolz“, erklärte der USC-Coach Teun Buijs , der Lina Alsmeier für Bathen in die Startformation beordert hatte – erstmals in ihrer Karriere. Und die 17-Jährige zeigte wie auch die später eingewechselte Chiara Hoenhorst, dass sie mehr als nur eine Kaderergänzung sein kann. Auch wenn Alsmeier noch etwas Zeit benötigte, um in die Partie zu finden. „Ich war schon nervöser als sonst und habe mir vorher mehr Gedanken gemacht“, sagte Alsmeier, für die der Niederländer ein Lob parat hatte. „Lina hat sehr gut gespielt“, erklärte Buijs.

Dieses Urteil traf aber nahezu auf sein gesamtes Aufgebot zu, „als absolute Teamleistung“ klassifizierte Hindriksen den fünften Erfolg im siebten Spiel. „Der Sieg zeigt den Spirit von uns. Man merkt, dass die Chemie in der Mannschaft stimmt. Denn die Woche war nicht leicht“, sagte die Regisseurin und verwies damit auf die Nachwehen des Scheiterns im Pokal. „Aber wir haben dann alle das Spiel abgehakt und uns auf Vilsbiburg fokussiert. Wir sind eine Kampfmannschaft und geben niemals auf.“

Diese Erfahrung mussten auch die Raben machen, die in der Annahme immer wieder Probleme mit den druckvollen USC-Aufschlägen bekamen. Dieses Element war der Türöffner für die Unabhängigen, die schneller als erwartet zu einer Einheit auf und neben dem Platz geworden sind. Münster führt hinter dem Top-Trio Schwerin, Stuttgart und Dresden das Verfolgerfeld an, hat sich in den Duellen mit der Konkurrenz bislang schadlos gehalten. Ein Produkt der harten Arbeit, ein Gemeinschaftswerk. „One Team“ lautet der Schlachtruf der Mannschaft – und der ist mehr als nur eine Worthülse.

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