Fußball: 3. Liga Fehlender Offensivgeist ist auch in Lotte das große Preußen-Problem

Lotte -

Zumindest stand mal wieder die Null. Erstmals seit August hielt Preußen Münster beim 0:0 bei den SF Lotte den eigenen Kasten zwei Mal hintereinander sauber und blieb folglich auch erstmals seitdem zwei Mal ungeschlagen. Doch vorne drückt der Schuh erheblich.

Von Alexander Heflik
Münsters Beste spielten in der Verteidigung: Lennart Stoll (von links), Sebastian Mai und Torwart Max Schulze Niehues stoppen mit vereinten Kräften den Lotter Joshua Putze (2.v.l.)
Münsters Beste spielten in der Verteidigung: Lennart Stoll (von links), Sebastian Mai und Torwart Max Schulze Niehues stoppen mit vereinten Kräften den Lotter Joshua Putze (2.v.l.) Foto: Jürgen Peperhowe

Keiner kann sagen, dass Benno Möhlmann sich vor der Wahrheit drücken würde. Er benennt die Sachen, sein Blick auf den Fußball seines SC Preußen Münster ist schon ein realistischer. Der erste Teil seines Fazits nach dem 0:0 vor 3084 Zuschauern bei SF Lotte lautete: „Läuferisch und kämpferisch war das gut.“ So gesehen war das von diesem Standpunkt aus ein verdienter Punktgewinn. So schlimm kann es nicht gewesen sein, oder?

Aber Möhlmann, der 63 Jahre alte Trainer-Routinier, legte auch den Finger in die Wunde: „Fußballerisch war das mangelhaft.“ Das 0:0 war das Maximum, was für die Preußen im Nachbarschaftsduell zu holen war. Nicht einen Moment kam der Drittligist für den Sieg in Betracht, auch wenn sich Möhlmann bei dem einen oder anderen Angriffsansatz vor der Pause mehr ausgerechnet hatte. Zudem ging der Mannschaft nach gut einer Stunde die Puste aus, so gesehen gab es in der Gesamtbewertung eine Vier minus, Die Versetzung ist weiterhin gefährdet. Aber der Punkt glättet etwas die Wogen. Immerhin.

Es waren zwei Welten, in denen sich die Preußen an diesem nasskalten Tag bewegten. Der Kreidestrich in der Mitte des Feldes war die sichtbare und fühlbare Grenze. Die Abwehr-Viererkette machte davor das, was in solchen Begegnungen von zwei gefährdeten Teams zu tun ist: grundsolide Abwehrarbeit, Fehlerminimierung, dem Gegner möglichst wenige Chance erlauben, bissig und konzentriert sein, ab und zu mal zulangen.

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Zudem wirkte sich die Hereinnahme von Sebastian Mai als Sechser und Stabilisator vor der Abwehr positiv aus. Mai, mit modischem „Man Bun“ auf dem Kopf, spielte klassisch, räumte auf und wischte einmal feucht durch, wo Lottes Angreifer sich durch die Preußen-Reihen tricksen wollten. Da gab es keine Gefangene. Münsters Defensive stand, nachdem es zuletzt in der Fremde in Halle (0:3) und Wiesbaden (2:6) ordentlich gekracht hatte, stabil und gut.

Schulze Niehues souverän

Im 18. Punktspiel durfte Max Schulze Niehues erstmals zwischen die Pfosten und vertrat den verletzten Nils Körber. Auch gegen Großaspach und gegen Erfurt in den beiden noch ausstehenden Partien des Jahres 2017 wird er erste Wahl sein. „Ich freue mich, dass der Trainer keine Bauschmerzen hat, mich aufzustellen.“

Viel zu tun hatte Schulze Niehues dabei nicht, einmal hatte er etwas Glück, als ein Missverständnis mit Ole Kittner fast dem Lotter Kevin Freiberger die Führung per Lupfer erlaubt hätte. „Mir haben die Einsätze in den Testspielen gegen Groningen und Enschede geholfen.“ Jetzt also drei Aufgaben wahrscheinlich – und in der Winterpause will Schulze Niehues natürlich Körber den Stammplatz abjagen. Konkurrenzkampf im Tor.

Das war die eine Seite der Medaille. Die andere Seite hatte Patina und war nichts wert. Nach vier Minuten spielte Adriano Grimaldi auf rechts Tobias Rühle an, dessen Querpass Michele Rizzi nicht an Lottes Keeper Benedikt Fernandez vorbeischieben konnte. Als der eingewechselte Westfalenliga-Torjäger Luca Steinfeld nach 89 Minuten ein formidables Luftloch schlug, da hatte der ebenfalls eingewechselte Jeron Al-Hazaimeh mit einem energischen Ballgewinn und anschließender Flanke für die Vorarbeit gesorgt. Das war es von den Preußen, zwei Chancen, oder eigentlich nur eine. Fragen?

Nein, Antworten. Nichts war zu sehen von der Offensive. Die Flügelspieler Rühle und Martin Kobylanski verkümmerten in ihren Bereichen. Letztgenannter fiel nur noch mit fatalen ruhenden Bällen auf. Was Trainer Möhlmann zur Aussage verleitete: „In diesem Jahr schießt Martin keine Freistöße mehr.“ Was sonst für Erheiterung gesorgt hätte, war nun bitterer Ernst.

Auch die Mittelfeldachse mit Michele Rizzi und Nico Rinderknecht wurde den Ansprüchen im Sturm und Drang nicht gerecht. Stürmer Grimaldi bekam – mal wieder – kaum einen brauchbaren Ball. Und wenn, dann fehlte dem Kapitän sein schon häufig erlebter „Punch“. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die Offensivkräfte zumindest ihre defensiven Jobs zufriedenstellend erledigten.

Lesen Sie hier den Spielverlauf nach:

Torloses Remis:  Nulldiät zwischen SF Lotte und Preußen Münster

Re-Live:  SF Lotte - Preußen Münster

Doch ohne Tore, wie soll das gehen? Woche für Woche auf 0:0 gehen? Nein, natürlich nicht, aber diese Baustelle ist riesengroß. Wenn an den beiden kommenden Samstagen die Heimspiele gegen Großaspach und Schlusslicht Erfurt anstehen, dann muss der SCP treffen, in der Vorwärtsbewegung gefährlich sein.

Stoll darf ran

Im Vergleich zum 1:0-Heimsieg über Chemnitz musste Coach Benno Möhlmann die Mannschaft auf drei Positionen umstellen. Neben der Torwartfrage wurde auch Ersatz für den gesperrten Rechtsverteidiger Stéphane Tritz gesucht: Lennart Stoll rückte in die Viererkette zurück und löste das gut. Nico Rinderknecht kam dafür zum Zuge.

Zudem wurde Sebastian Mai für den verletzten Simon Scherder auf die zentrale defensive Mittelfeldposition geschickt und schwang sich zum stärksten Defensivspieler auf. Er würde gebraucht, also spiele er auch diese Rolle, meinte er später. Wenn er wählen könnte? „Dann lieber als Innenverteidiger auflaufen“, sagte Mai. Und: „Im Mittelfeld läuft man andere Wege. Ich habe am Freitag von meiner Rolle erfahren, das habe ich schon ein paar Mal gespielt.“ Soll heißen, es gab keine großen Anpassungsschwierigkeiten für ihn. Ein gutes Zeichen.

Hinten hui, vorne pfui, so lautete die Losung am Ende. In Lotte konnte einem jedenfalls angst und bange werden. Die Zeiten werden härter, das Klima kälter, die Plätze unangenehmer, eine sture Abwehrmauer reicht da nicht mehr in der 3. Liga, der Winter ist da.

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