Fußball: 3. Liga
Preußen erkämpfen sich einen Punkt in Kiel

Kiel/Münster -

Als es am Ende in die Kurve ging, stellten sich zwei Fragen gar nicht. Freuen oder ärgern über das 0:0? Ohne Diskussion, dieses Remis bei Holstein Kiel war wie ein Sieg für Preußen Münster.

Sonntag, 09.04.2017, 16:04 Uhr

Fußball: 3. Liga : Preußen erkämpfen sich einen Punkt in Kiel
Foto: Sebastian Sanders

Verdient oder nicht? Auch wenn der Tabellendritte mehr Ballbesitz, 13:0 Ecken und fast ein Dutzend sehr guter bis ordentlicher Möglichkeiten ausließ, musste sich niemand im SCP-Lager entschuldigen für dieses erste Auswärts-Unentschieden der Saison. „Glücklich ja“, räumte Mittelfeld-Malocher Michele Rizzi ein. „Aber wenn man bei einer der besten Mannschaften der Liga nach fast 60 Minuten Unterzahl ein 0:0 holt, zeigt das, welchen Charakter wir haben.“

Das war die landläufige Meinung der Gäste, entsprechend laut war der Beifall aus dem Fanblock. „Alle zusammen für Preußen Münster “, der Schlachtruf dieser aufreibenden Spielzeit, passte selten so gut wie diesmal, als sich Profis und Anhänger einmal mehr verbrüderten. „Klar, Kiel war dominant, aber wir haben alles rausgehauen“, fügte Rizzi an. „Die Moral stimmt, kämpferisch war das stark.“

Auch Trainer Benno Möhlmann hob den Geist in seiner Elf hervor. „Gerade nach dieser Partie ist ein Punkt ein riesiger Erfolg“, sagte er. Der Abstand nach unten bleibt konstant. Viel fehlt nicht mehr zur Rettung.

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Gleich zu Beginn  geriet sein Team aber erheblich in Bedrängnis. Dominick Drexler scheiterte an Keeper Max Schulze Niehues (3.), Stéphane Tritz rettete vor Angreifer Steven Lewerenz (4.) - und den abgefälschten Freistoß des Kieler Torjägers lenkte der SCP-Keeper über die Latte (6.). Auch Münster setzte jedoch offensive Duftmarken, gerade über den emsigen Rühle , der seine Befreiung von Teilen der Defensivaufgaben sichtlich genoss. Trotz des Dauerbeschusses präsentierten sich die Westfalen nicht schlecht, hinten meist wach und hätten durch Lennart Stoll in Front gehen müssen, als der Youngster einen zu kurzen Rückpass von Christopher Lenz erlief und 25 Meter vor dem Tor den Ball nur über den zögerlichen Kenneth Kronholm heben musste, aber den KSV-Keeper stattdessen anschoss (16.).

Einzelkritik: Holstein Kiel - Preußen Münster

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  • Spielernoten_960x640mm Foto: WN
  • Max Schulze Niehues: Etliche Flanken musste Münsters Keeper aus der Gefahrenzone boxen. Dazu vereitelte er drei Mal mit einer Parade den Rückstand. Tadellos und gut beschäftigt. Note: 2

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  • Stéphane Tritz: Sehr wache Vorstellung des Franzosen, der vermehrt am langen Pfosten klären musste, über seine Seite aber nur wenige Angriffe gestattete. In der Schlussphase ließ die Konzentration allerdings etwas nach. Note: 3

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  • Lion Schweers: Alle Hände voll zu tun für das Abwehrtalent, das sich aber einmal mehr routiniert zeigte und gerade mit dem Kopf einige heikle Situationen entschärfte. Nur bei der ersten Holstein-Chance nicht auf der Höhe. Danach mit seinen 21 Jahren ein Turm in der Schlacht. Note: 2

    Foto: WN
  • Ole Kittner: Ebenfalls mit einer bemerkenswerten Lufthoheit. Der Vize-Kapitän, der später die Binde überstreifte, verlor nie in den Überblick im Kieler Angriffswirbel. Nur eine kleine Unsicherheit vor der Pause. Nicht ganz so auffällig wie Schweers. Note: 2,5

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  • Jeron Al-Hazaimeh: Gerade über seine linke Seite kamen die Gastgeber immer wieder nach vorne. Schwerstarbeit für den Außenverteidiger, der anfangs einige Unsicherheiten zeigte. Später aber verhinderte auch seine Aufmerksamkeit einen Gegentreffer. Note: 3

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  • Lennart Stoll: Das Eigengewächs erhielt erneut eine Chance, war oft am Ball, verlor diesen aber auch mehrfach. Seine Großchance (16.) hätte die Führung bedeuten müssen. Kämpferisch völlig in Ordnung. Akzente gehen von ihm aber noch nicht aus. Note: 4

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  • Benjamin Schwarz: Der Häuptling verrichtete wie immer eine ganze Menge Schufterei im Zentrum, blieb aber ohne Ideen im Spiel nach vorn. Dazu leistete er sich einige unnötige Fouls, die zu Freistößen führten. Note: 3,5

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  • Sandrino Braun: Einige Ballgewinne und viel Laufarbeit, allerdings auch Stockfehler. Mit seiner unklugen Grätsche von hinten gegen Dominick Drexler schwächte er sein Team früh eklatant. Note: 4,5

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  • Michele Rizzi: Begann auf der ungewohnten linken Außenbahn. Eine Rolle, die ihm nicht auf den Leib geschneidert ist, wie man merkte. Doch in Unterzahl und nach der Rückkehr ins Zentrum riss der 28-Jährige seine Kollegen erneut gut mit und stopfte viele Löcher. Note: 3

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  • Tobias Rühle: Erstmals unter Trainer Benno Möhlmann im Sturm aufgeboten. Das machte er gut im Zentrum, initiierte viele Angriffe, zog wie so oft ohne Ende Fouls. Drei Gelbe Karten provozierte der 26-Jährige und machte mächtig Alarm, doch nach der Pause tauchte er auch in Ermangelung an Zuspielen weitgehend ab. Note: 3

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  • Adriano Grimaldi: Meistens abgeschnitten vom Betrieb, erst recht in Unterzahl. Das war nicht allein die Schuld des Kapitäns, aber die wenigen Bälle, die er bekam, waren meist schnell wieder weg. Verletzte sich zudem am linken Sprunggelenk. Note: 4

    Foto: WN
  • Tobias Warschewski: Kam nach 65 Minuten für Grimaldi, hatte aber kaum Hilfe in der Spitze und blieb größtenteils unsichtbar. Keine Note

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  • Sebastia Mai: Späte Einwechslung, um Kopfbälle in der Abwehr zu gewinnen. Keine Note

    Foto: WN
  • Danilo Wiebe: Kam kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit. Keine Note

    Foto: WN

Auch Rizzi hatte mit einem Freistoß die Führung auf dem Schlappen (26.), im Gegenzug war dann aber hatten die Preußen Glück, dass Drexler den Klärungsversuch von Jeron Al-Hazaimeh in seine Füße nicht nutzte (27.). Auch der Distanzschuss von Dominic Peitz flog über den Kasten (30.).

Eine unnötige Aktion von Sandrino Braun änderte dann alles. Hinter dem Mittelkreis grätschte er Drexler viel zu hart in die Beine und sah nicht völlig unberechtigt die Rote Karte (34.). Gerade hatte der SCP zu einer gewissen Stabilität gefunden. Doch die war erst mal hinfällig. Kingsley Schindler hätte die verlorene Ordnung beinahe bestraft, traf aber nur den kurzen Pfosten aus spitzem Winkel (37.).

Rizzi ging nun wieder ins Zentrum, Stoll nach links und Rühle im 4-4-1 auf die rechte Seite. Hinten verschanzen und aufmerksam bleiben, das war die Marschroute. Holstein versuchte es zumeist aus der Ferne, etwa über Alexander Bieler (44./45.), doch in die Pause ging es ohne Tore.

Saison 2016/17 - 32. Spieltag: Holstein Kiel - Preußen Münster

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  • Sanders20170409_6T4A1480 Foto: Sebastian Sanders
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Als Adriano Grimaldi draußen behandelt werden musste, stand der SCP nicht zum einzigen Mal im zweiten Durchgang nur zu neunt auf dem Rasen und sah Kiels Marvin Ducksch, das Gehäuse nur knapp verfehlen (54.). Insgesamt ließ der Druck der Gastgeber jedoch ein wenig nach. Wie so oft in der Fremde stockte der Vorwärtsgang der Münsteraner, was in Unterzahl aber zu verschmerzen war, zumal die Mannschaft entschlossen verteidigte. Ein bisschen Glück war auch dabei, als Ex-Preuße Dominik Schmidt nach der zehnten Ecke der KSV die Kugel an den Außenpfosten köpfte (63.). Doch abgesehen von dieser Szene hatten die Preußen die Sachen besser im Griff als in Gleichzahl. Das hanseatische Publikum wurde zusehends nervöser, auch weil der Gast klug in den Räumen agierte.

Erst in der Schlussphase fuhr Kiel noch mal ein echtes Powerplay auf und hatte Pech bei den Abschlüssen. Marvin Ducksch (87.), Rafael Czichos per Freistoß (89.) und in der Nachspielzeit gleich drei Mal Dominic Peitz verpassten den Siegtreffer und ließen dabei den Atem der Münsteraner stocken. Schulze Niehues und Al-Hazaimeh kratzten die Versuche des Zwei-Meter-Mannes von der Linie, der letzte Kopfball ging drüber.

„Als wir ein Mann weniger waren, haben wir nur noch unsere Abwehrarbeit in die Waagschale geworfen“, räumte Möhlmann ein. Leben konnte er damit ganz gut. Seine Elf schleicht sich langsam an die obere Tabellenhälfte heran.

Holstein: Kronholm - Herrmann, Schmidt, Czichos, Lenz - Peitz - Schindler, Drexler, Bieler (67. Azemi), Lewerenz (88. Fetsch) - Ducksch

SCP: Schulze Niehues - Tritz, Schweers, Kittner, Al-Hazaimeh - Stoll (89. Wiebe), Schwarz (86. Mai), Braun, Rizzi - Rühle, Grimaldi (65. Warschewski)

Schiedsrichter:  Pascal Müller (Löchgau)

Tore: Fehlanzeige

Zuschauer: 6749

Gelb: Czichos, Peitz, Bieler, Schmidt / Stoll, Schulze Niehues

Rot: Braun (34.)

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