Fußball: 3. Liga
Ein Rettungsanker namens Rühle

Münster -

Dann sprengte Tobias Rühle alle Ketten, ließ 89 unfassbar anstrengende Minuten im Preußenstadion vergessen. Tor für Münster, Sieg für Münster, die Preußen verlassen die Abstiegsränge. Der Fußball-Drittligist gewann das Kellerkinderduell gegen den FSV Frankfurt mit 2:1 (1:1) und zeigte Nehmerqualitäten wie selten in dieser Saison. Das war der wichtigste Erfolg seit langer, langer Zeit. 

Dienstag, 14.03.2017, 22:03 Uhr

Fußball: 3. Liga : Ein Rettungsanker namens Rühle
Das Siegtor erzielte dabei Tobias Rühle (r.). Foto: Jürgen Peperhowe

Bereits nach 138 Sekunden gerieten die Hausherren vor 5936 Zuschauern durch Cagaty Kader in Rückstand, glichen durch einen Handelfmeter von Mirkan Aydin (23.) aus - und strapazierten den eigenen Anhang fast bis zum letzten Augenblick.  Rühles Direktabnahme  nährt die Hoffnungen auf den Ligaerhalt, wie ein Unentschieden oder eine Niederlage das genaue Gegenteilt bewirkt hätte. Das ist Fußball, der reine Wahnsinn.

„Ich freue mich trotzdem, weil es natürlich gegen den FSV ging und weil wir ein Spiel gesehen haben, wo wir anfangs gepennt haben. Dann mutig wurden“, sagte Benno Möhlmann , hin- und hergerissen von den Emotionen, weil er auch in Frankfurt schon als Coach tätig war.

Und: „Wir haben nicht gut gespielt nach der Pause. Es war glücklich, dass wir in der Endphase den Sieg erzielt haben. Wir haben uns am Ende den Sieg aber auch etwas verdient.“ Gefühls-Wirrwarr, Hauptsache drei Punkte ergattert und Platz 17 erklommen, das war eine brutale Kletterpartie hinauf zum Sieg.

Saison 2016/17 - 27. Spieltag: Preußen Münster - FSV Frankfurt

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  • Abstiegskampf im Preußenstadion: In der Fiffi-Gerritzen-Kurve fieberten die Fans dem Anpfiff entgegen.

    Abstiegskampf im Preußenstadion: In der Fiffi-Gerritzen-Kurve fieberten die Fans dem Anpfiff entgegen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Im Kampf um den Klassenerhalt setzt der FSV Frankfurt auf einen neuen Coach: Gino Lettieri

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Zeichen standen klar auf Kampf - auch am Boden wie hier SCP-Mittelfeldspieler Danilo Wiebe gegen Frankfurts Patrick Ochs.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • In diesem Kellerduell wollten die Akteure keinen Ball verloren geben. Hier kämpfen die Adlerträger Martin Kobylanski (r.) und Mirkan Aydin (l.) mit dem ehemaligen Preußenspieler Marc Heitmeier um das Spielgerät.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Eiskalt erwischt wurde der SCP bereits in der 3. Spielminute, als der FSV Frankfurt durch Cagatay Kader mit 1:0 in Führung ging.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Doch 20 Minuten später schlug der SCP zurück und konnte durch einen Elfmeter, den Mirkan Aydin verwandelte, ausgleichen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Spiel zerrte an den Nerven aller Beteiligten...

  • ...auch SCP-Coach Benno Möhlmann musste vom Schiedsrichter zurecht gewiesen werden.

  • Als fast niemand im Stadion mehr mit einem Happy End aus münsterischer Sicht rechnete...

  • ...schlug kurz vor Spielende Tobias Rühle (r.) zu und erzielte den erlösenden Siegestreffer für den SCP.

  • Es folgen weitere Impressionen vom Spiel...

Fehlstart des SCP

Das Abstiegsduell begann für die Preußen genau so, wie es sich Adlerträger überhaupt nicht vorgestellt hatten. Erster Angriff Frankfurt, Yannick Stark flankt von rechts, Cagatay Kader köpft, Max Schulze Niehues greift daneben, 0:1 nach 138 Sekunden. Wahnsinn, was sich die Preußen da wieder leisteten.

Und in der Folge? Es gab in 45 Minuten vor dem Halbzeitpfiff keinen wirklich zu Ende geführten Angriff der Hausherren. Ohne Frage bemühte sich jeder einzelne Preuße, das war keinem abzusprechen, aber die Fehlerkette bei Ballbesitz war... - ja was eigentlich? Fürchterlich.

Zumindest bekam es der SCP in der Defensive das Meiste in den Griff. Auch der FSV steuerte wenig bei, bei einem gefährlichen Schuss von Kader war Schulze Niehues nach 35 Minuten auf der Höhe und betrieb etwas Wiedergutmachung für den Fehler beim 0:1.

Einzelkritik: Preußen Münster - FSV Frankfurt

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  • Spielernoten_960x640mm_image_1024_width Foto: WN
  • Max Schulze Niehues - Note: 4:

    Das 0:1 war sein erster gravierender Patzer in dieser Saison, aber den Ball muss der Keeper festhalten. Anschließend bei den wenigen Prüfungen ohne Fehl und Tadel. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stéphane Tritz - Note: 3: Der verschuldete Elfmeter in Magdeburg machte dem Franzosen nicht zu schaffen. Gutes Stellungsspiel, cleveres Zweikampfverhalten. Nur seine Hereingaben waren nicht sehr präzise. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers - Note: 3: Am Ende geriet er mit zwei Frankfurtern aneinander. Im Spiel hatte er wenig Probleme, war gegen Cagatay Kader extrem gefordert, ließ ihn vor dem 0:1 vielleicht zu sehr aus den Augen. Aber insgesamt ein stabiler Auftritt. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sebastian Mai - Note: 3: Zwei Fehler im Aufbau leistete sich der Abwehrchef, die waren haarsträubend. Doch in der Luft und auch am Boden war er meist Herr der Lage. Und dann kam sein langer, genau getimter Ball in die Spitze, der das 2:1 einleitete. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jeron Al-Hazaimeh - Note: 3:Gerade nach dem Rückstand war er derjenige, der die Ärmel hochkrempelte und nach vorne alles reinwarf. Da gelang bei weitem nicht alles, aber von solchen Aktionen geht auch eine Signalkraft aus. Nach der Pause etwas ruhiger im Vorwärtsgang. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle - Note: 2,5: Eigentlich war das nicht sein allerbester Tag. Er hatte ständig zwei Gegenspieler auf den Füßen stehen, kam nicht wie gewohnt zur Geltung, biss sich aber irgendwie rein. Diese eine geniale Szene kurz vor Schluss, als er die Kugel einfach direkt nahm und in den Winkel jagte, entschädigte an diesem Abend einfach für alles. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi - Note: 4: Schoss viele, viele Standards, aber nicht mit dem gewünschten Erfolg. Das lag nicht nur an seinen Hereingaben, sondern auch an den Kollegen. In der ersten Halbzeit oft viel zu weit von seinen Gegenspielern entfernt, nach dem Wechsel ging er phasenweise mit Kampfgeist voran. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe - Note: 4:

    Laufstark und um Ruhe am Ball bemüht, allerdings auch mit einer ganzen Reihe unnötiger Fehlpässe. In der zweiten Hälfte näherte er sich immer mehr dem gegnerischen Tor an, doch es fehlte die letzte Präzision. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mirkan Aydin - Note: 3: Auf der linken Seite kann er seine Stärken nicht so ausspielen wie gewünscht, doch er war immer wieder im Mittelpunkt des Geschehens. Beim Strafstoß übernahm er Verantwortung und verwandelte souverän. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski - Note: 4: Technisch hochwertige Aktionen wechselten sich im ersten Durchgang mit zu leichten Ballverlusten ab. Den Elfmeter provozierte er mit einem entschlossenen Abschluss. Nach der Pause tauchte der Winter-Neuzugang weitgehend ab. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi - Note: 5:

    Zu wenig vom Kapitän. In der ersten Hälfte keine gelungene Aktion, nicht mal in der Luft präsent. Zur Pause ersetzte ihn Tobias Warschewski. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski - Note: 3:

    Hatte gleich nach seiner Einwechselung mehrere Ballaktionen, was im SCP-Sturm schon eine Verbesserung im Vergleich zur ersten Hälfte bedeutete. Doch allzu viel klappte nicht von dem, was der Youngster versuchte. Sicherte sich am Ende aber den Assist, indem er die Kugel aus der Luft pflückte und sie - freiwillig oder nicht - Rühle zum Siegtor servierte. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sinan Tekerci - keine Note: Comeback nach einem Monat Pause. Ihm war - in zugegeben nur wenigen Spielminuten - noch etwas die fehlende Spielpraxis anzumerken. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cihan Özkara - keine Note: Kam in der Schlussphase, erlebte den Siegtreffer auf dem Rasen und warf sich am Ende mit in die Abwehrschlacht. 

    Foto: Jürgen Peperhowe

Die Preußen hatten zu diesem Zeitpunkt ausgeglichen, weil Abwehrspieler Steffen Schäfer bei einer unübersichtlichen Abwehraktion im eigenen Strafraum den Ball an die Hand bekam. Münsters Mirkan Aydin traf nach 23 Minuten per Handelfmeter zum 1:1. Immerhin etwas. Zur Pause war der Spielstand noch das Beste für aus Sicht der Gastgeber.

Adlerträger auf Wiedergutmachungskurs

Die Preußen kamen früh aus der Kabine, weit früher als von Schiedsrichter Marcel Schütz gefordert. Sie schworen sich ein, wollten es besser machen, verharrten im Kreis, peitschen sich auf. Tatsächlich wurde es in homöopathischen Dosen griffiger mit den Angriffen, allerdings mit etwas Verzögerung.

Re-Live

Abstiegskampf im Stadion an der Hammer Straße - hier der Spielverlauf zum Nachlesen .

...

Lion Schweers (58.)  kam zur Schusschance, wenig später köpfte Aydin nach einer Rizzi-Ecke nicht ungefährlich. Und da war noch ein Kopfball von Danilo Wiebe (75.), und ein Schuss vom Mittelfeldspieler (81.). Münster drängelte etwas mehr, Frankfurt verteidigte giftig, wirklich gut anschauen war das nicht. Das lief auf eine schnöde Punkteteilung hin.

Kämpfen bis zum Umfallen

Am Rand tobte SCP-Coach Möhlmann, forderte seine Männer zu noch mehr Biss und Aggressivität auf. Kämpfen, kämpfen, kämpfen, gebt nicht auf, immer weiter. Seine Preußen sollten gegen sich teilweise mit sechs Mann auf einer Linie verteidigende Gäste den Sieg erzwingen. Egal wie.

Dann kam die Schlussminute, und ein ganz, ganz langer Ball von Sebastian Mai, begleitet von der allerletzten Hoffnung. Tobias Warschewski kommt nicht an den Ball, aber Rühle - und er hämmert den Ball in den Torgiebel. 

Das Stadion steht Kopf, der Sieg ist erzwungen. Die Preußen leben wieder ein  bisschen mehr und haben die Schlinge des Abstiegskampfes etwas gelockert.

Statistik:

Mannschaftsaufstellungen:

Münster: Schulze Niehues - Tritz, Schweers, Mai, Al-Hazaimeh - Rühle, Rizzi, Wiebe, Aydin  (87. Özkara) - Kobylanski (75. Tekerci) - Grimaldi (46. Warschewski). - Trainer: Möhlmann.

Reservebank: Drewes (Tor), Braun, Kittner, Stoll.

Frankfurt: Pirson - Schäfer, Schorch (70. Salem), Barry - Ochs, Stark, Heitmeier (83. Russ), Corbin Ong - Bahn, Ornatelli (86. Jovanovic) - Kader. - Trainer: Lettieri.

Reservebank: Pellowski (Tor), Morabit, Schmitt, Morabet.

Tore: 0:1 Kader (3., Flanke Stark), 1:1 Aydin (23., Handelfmeter von Schäfer), 2:1 Rühle (89., Flanke von Mai)

Zuschauer: 5936

Schiedsrichter: Schütz

Gelbe Karten: Schweers, Rühle / Schäfer, Corbin Ong, Kader, Barry.  

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