Fußball: 3. Liga Ein Rettungsanker namens Rühle

Münster -

Dann sprengte Tobias Rühle alle Ketten, ließ 89 unfassbar anstrengende Minuten im Preußenstadion vergessen. Tor für Münster, Sieg für Münster, die Preußen verlassen die Abstiegsränge. Der Fußball-Drittligist gewann das Kellerkinderduell gegen den FSV Frankfurt mit 2:1 (1:1) und zeigte Nehmerqualitäten wie selten in dieser Saison. Das war der wichtigste Erfolg seit langer, langer Zeit. 

Von Alexander Heflik
Fußball: 3. Liga : Ein Rettungsanker namens Rühle
Das Siegtor erzielte dabei Tobias Rühle (r.). Foto: Jürgen Peperhowe

Bereits nach 138 Sekunden gerieten die Hausherren vor 5936 Zuschauern durch Cagaty Kader in Rückstand, glichen durch einen Handelfmeter von Mirkan Aydin (23.) aus - und strapazierten den eigenen Anhang fast bis zum letzten Augenblick.  Rühles Direktabnahme  nährt die Hoffnungen auf den Ligaerhalt, wie ein Unentschieden oder eine Niederlage das genaue Gegenteilt bewirkt hätte. Das ist Fußball, der reine Wahnsinn.

„Ich freue mich trotzdem, weil es natürlich gegen den FSV ging und weil wir ein Spiel gesehen haben, wo wir anfangs gepennt haben. Dann mutig wurden“, sagte Benno Möhlmann , hin- und hergerissen von den Emotionen, weil er auch in Frankfurt schon als Coach tätig war.

Und: „Wir haben nicht gut gespielt nach der Pause. Es war glücklich, dass wir in der Endphase den Sieg erzielt haben. Wir haben uns am Ende den Sieg aber auch etwas verdient.“ Gefühls-Wirrwarr, Hauptsache drei Punkte ergattert und Platz 17 erklommen, das war eine brutale Kletterpartie hinauf zum Sieg.

Fehlstart des SCP

Das Abstiegsduell begann für die Preußen genau so, wie es sich Adlerträger überhaupt nicht vorgestellt hatten. Erster Angriff Frankfurt, Yannick Stark flankt von rechts, Cagatay Kader köpft, Max Schulze Niehues greift daneben, 0:1 nach 138 Sekunden. Wahnsinn, was sich die Preußen da wieder leisteten.

Und in der Folge? Es gab in 45 Minuten vor dem Halbzeitpfiff keinen wirklich zu Ende geführten Angriff der Hausherren. Ohne Frage bemühte sich jeder einzelne Preuße, das war keinem abzusprechen, aber die Fehlerkette bei Ballbesitz war... - ja was eigentlich? Fürchterlich.

Zumindest bekam es der SCP in der Defensive das Meiste in den Griff. Auch der FSV steuerte wenig bei, bei einem gefährlichen Schuss von Kader war Schulze Niehues nach 35 Minuten auf der Höhe und betrieb etwas Wiedergutmachung für den Fehler beim 0:1.

Die Preußen hatten zu diesem Zeitpunkt ausgeglichen, weil Abwehrspieler Steffen Schäfer bei einer unübersichtlichen Abwehraktion im eigenen Strafraum den Ball an die Hand bekam. Münsters Mirkan Aydin traf nach 23 Minuten per Handelfmeter zum 1:1. Immerhin etwas. Zur Pause war der Spielstand noch das Beste für aus Sicht der Gastgeber.

Adlerträger auf Wiedergutmachungskurs

Die Preußen kamen früh aus der Kabine, weit früher als von Schiedsrichter Marcel Schütz gefordert. Sie schworen sich ein, wollten es besser machen, verharrten im Kreis, peitschen sich auf. Tatsächlich wurde es in homöopathischen Dosen griffiger mit den Angriffen, allerdings mit etwas Verzögerung.

Re-Live

Abstiegskampf im Stadion an der Hammer Straße - hier der Spielverlauf zum Nachlesen .

Lion Schweers (58.)  kam zur Schusschance, wenig später köpfte Aydin nach einer Rizzi-Ecke nicht ungefährlich. Und da war noch ein Kopfball von Danilo Wiebe (75.), und ein Schuss vom Mittelfeldspieler (81.). Münster drängelte etwas mehr, Frankfurt verteidigte giftig, wirklich gut anschauen war das nicht. Das lief auf eine schnöde Punkteteilung hin.

Kämpfen bis zum Umfallen

Am Rand tobte SCP-Coach Möhlmann, forderte seine Männer zu noch mehr Biss und Aggressivität auf. Kämpfen, kämpfen, kämpfen, gebt nicht auf, immer weiter. Seine Preußen sollten gegen sich teilweise mit sechs Mann auf einer Linie verteidigende Gäste den Sieg erzwingen. Egal wie.

Dann kam die Schlussminute, und ein ganz, ganz langer Ball von Sebastian Mai, begleitet von der allerletzten Hoffnung. Tobias Warschewski kommt nicht an den Ball, aber Rühle - und er hämmert den Ball in den Torgiebel. 

Das Stadion steht Kopf, der Sieg ist erzwungen. Die Preußen leben wieder ein  bisschen mehr und haben die Schlinge des Abstiegskampfes etwas gelockert.

Statistik:

Mannschaftsaufstellungen:

Münster: Schulze Niehues - Tritz, Schweers, Mai, Al-Hazaimeh - Rühle, Rizzi, Wiebe, Aydin  (87. Özkara) - Kobylanski (75. Tekerci) - Grimaldi (46. Warschewski). - Trainer: Möhlmann.

Reservebank: Drewes (Tor), Braun, Kittner, Stoll.

Frankfurt: Pirson - Schäfer, Schorch (70. Salem), Barry - Ochs, Stark, Heitmeier (83. Russ), Corbin Ong - Bahn, Ornatelli (86. Jovanovic) - Kader. - Trainer: Lettieri.

Reservebank: Pellowski (Tor), Morabit, Schmitt, Morabet.

Tore: 0:1 Kader (3., Flanke Stark), 1:1 Aydin (23., Handelfmeter von Schäfer), 2:1 Rühle (89., Flanke von Mai)

Zuschauer: 5936

Schiedsrichter: Schütz

Gelbe Karten: Schweers, Rühle / Schäfer, Corbin Ong, Kader, Barry.  

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