Fußball: Interview
Gievenbecks Sportlicher Leiter Zurfähr: „Rumdrucksen wäre unglaubwürdig“

Münster -

Westfalenliga-Spitzenreiter 1. FC Gievenbeck schickt sich an, seine Kronprinzenrolle in Münsters Fußball zu zementieren. Doch der Nachwuchs zieht nicht mehr mit: Die U-23 schwächelt ebenso wie die A- und B-Junioren. Stephan Zurfähr, Sportlicher Leiter beim FCG, kann das erklären ...

Mittwoch, 07.02.2018, 12:02 Uhr

Gemeinsam mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Johannes (l.) trainiert Stephan Zurfähr für eine Halbserie die A-Junioren des 1. FC Gievenbeck – daneben hat er aber als Sportlicher Leiter viele Dinge zu klären.
Gemeinsam mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Johannes (l.) trainiert Stephan Zurfähr für eine Halbserie die A-Junioren des 1. FC Gievenbeck – daneben hat er aber als Sportlicher Leiter viele Dinge zu klären. Foto: Alex Piccin

Ausruhen? Zurücklehnen? Für Stephan Zurfähr eigentlich unmöglich. Nach einem Jahr als Coach des BSV Roxel kehrte er in diesem Sommer zurück zum 1. FC Gievenbeck – als Sportlicher Leiter. Dort beackert er gemeinsam mit Sascha Brinker und dem Sportverantwortlichen des Vorstands, Alexander Tehler, aktuell brennende Zukunftsfragen. Zudem steht der 33-Jährige seit vier Wochen gemeinsam mit Bruder Johannes (bislang Warendorfer SU) und Dieter Enders als Interimslösung der U 19 auch wieder an der Seitenlinie. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Thomas Rellmann beantwortet er die Fragen zu einem möglichen Oberliga-Aufstieg, aber auch zur Perspektive der Reserve.

Sie coachen seit Kurzem die in akuter Abstiegsnot steckende U 19. Ist der Westfalenliga-Klassenerhalt für den FCG elementar?

Stephan Zurfähr: Klares Ja! Er ist in der zweithöchsten Liga bundesweit aber auch keine Selbstverständlichkeit, das haben die letzten Jahre gezeigt. Neun Punkte aus zehn Spielen sind wenig, wir müssen mindestens zwei Mannschaften hinter uns lassen. Für die Ausbildung ist diese Klasse absolut sinnvoll, gerade um Altjahrgänge für die Senioren fit zu machen.

B- und C-Junioren spielen nicht mehr so hoch wie vor wenigen Jahren. Begründet das die jetzigen Sorgen?

Zurfähr: Würde ich nicht sagen. Qualität ist ja vorhanden, der Riss ist nicht groß. Die Jungs sind extrem leistungs- und auch lernwillig.

Eine Stufe drüber steht auch die U 23 auf einem Abstiegsplatz und tut sich seit einem Jahr unglaublich schwer in der Liga . . .

Zurfähr: Wir haben das Konstrukt im Auge und überlegen, wie wir es konzeptionell weiterfahren. Der Sprung aus der A-Jugend direkt in die Erste ist immer möglich, Jannik Balz hat ihn in dieser Saison geschafft. Aber als ich die U 23 vor zwei Jahren noch trainierte, war es üblich, dass die Jungs ein Jahr später den Übergang geschafft haben. Das hat funktioniert, ist jetzt aber nicht mehr so ausgeprägt. Das hat auch verletzungsbedingte Gründe. Fakt ist, dass die Bezirksliga 12 ungemein reizvoll ist – aber eben auch unfassbar stark.

Wohin also geht es mit der zweiten Mannschaft?

Zurfähr: Es gibt Bundesligisten, die ihre Reserve abgeschafft haben. Aber ich glaube, dass Spieler auch zwei Jahre später noch aufblühen können. Außerdem sind wir ein Verein mit einer Identität und wollen auch Leuten Angebote machen, die auch leistungsorientiert denken, aber nicht ganz nach oben kommen können.

Hängt von der Ausrichtung auch die Trainerfrage ab?

Zurfähr: Ja, wir haben das mit Stefan Bischoff und Srdjan Kosoric so abgestimmt. In Gievenbeck sind wir da immer etwas später dran, schauen auch immer extern nach Trainer-Qualität, erstellen ein Meinungsbild und warten den Rückrundenstart ab.

Über Cheftrainer Benjamin Heeke denken Sie aber nicht ernsthaft nach?

Zurfähr: Keine Sorge, die Gespräche werden kommen. Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis, sind im ständigen Austausch. Alles läuft sehr transparent.

Waren Sie überrascht, als Heeke im Sommer ankündigte, um den Aufstieg mitspielen zu wollen?

Zurfähr: Nein, das mag ich ja an diesem Verein, dass wir uns klare Ziele setzen und formulieren, an denen wir auch gemessen werden.

Am Sonntag geht‘s in Beckum weiter. Wie realistisch ist der Aufstieg?

Zurfähr: Wir sind Herbstmeister, haben noch zwei Nachholspiele und befinden uns in der Pole-Position. Es wäre unglaubwürdig gegenüber der ehrgeizigen Mannschaft, wenn wir rumdrucksen würden. Ich finde Bennys Ansatz erfrischend und stehe voll dahinter. Platz eins ist kein Muss, aber wir wollen ihn mit aller Macht verteidigen.

Die Testspiele im Winter gingen alle verloren. Ein schlechtes Omen?

Zurfähr: Nein, sie waren ja hoch anspruchsvoll, alle Gegner waren höherklassig und die Ergebnisse knapp. Die Spiele haben aber auch gezeigt, wo wir zulegen müssen. Die Truppe wird brennen, das ist sicher.

Sind die beiden Nachholspiele schon von größter Bedeutung zum Start?

Zurfähr: Wir können die Pole-Position vergolden. Es gibt aber keine unwichtige Partie, wenn man Erster ist, keine Zusatzspiele. Dass erst mal der Rhythmus gefunden werden muss, gilt für alle.

Als der FCG zur Saison 2012/13 als Fünfter versehentlich in die Oberliga rutschte, stieg das Team umgehend ab. Es tauchten Probleme auf vielen Ebenen auf, nicht jeder im Verein befürwortete einen erneuten Aufstieg. Ist das inzwischen anders?

Zurfähr: Ich war ja damals Co-Trainer von Maik Weßels und kann heute nur aus sportlicher Sicht sprechen. Die Jungs wollen eine Entwicklung, sie haben noch nicht den absoluten Zenit erreicht und wirken schon jetzt gefestigter. Damals wurden wir hochgespült, jetzt stehen wir vor Vreden, Preußen II, Schermbeck. Der 94er-Jahrgang bildet den Kern der Mannschaft, ist nicht mehr blutjung, hat schon vier, fünf Seniorenjahre auf dem Buckel. Dazu sind Nico Eschhaus, Nils Heubrock, Christian Keil im besten Alter. Sportlich ist das Team heute ganz anders gewachsen.

Müsste der Verein auch infrastrukturell oder in Sachen Sponsorenunterstützung im Falle des Aufstiegs tätig werden?

Zurfähr: Wir haben damals alle Auflagen erfüllt und würden das erneut tun. Natürlich trennen uns finanziell von Vereinen wie der Hammer SpVg Welten. Da müssten wir etwas tun, wenn wir externe Verstärkungen wollen. Aber so weit sind wir noch nicht. Vor uns liegt noch eine ganze Rückserie. Und das wird eine tolle Herausforderung für alle.

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