Fußball: 3. Liga
„Mehr Glückwünsche als am Geburtstag“

Münster -

Michele Rizzi hatte unendlich viele Telefonanrufe, Mails und Whatsapp-Nachrichten, sogar einen mannschaftsinternen Rizzi-Chor, der von Bremen bis Münster einen Rizzi-Schlager nach dem anderen zum Besten gab. Nur eins hatte der 29-Jährige nicht: Seine Ruhe.

Montag, 05.02.2018, 16:02 Uhr

Michele Rizzi nach vollbrachter Arbeit. Tor schießen, abdrehen und den nächsten Streich planen.
Michele Rizzi nach vollbrachter Arbeit. Tor schießen, abdrehen und den nächsten Streich planen. Foto: Jürgen Peperhowe

Es war ein großer Tag für Michele Rizzi : Vier Tore in einer Halbzeit, das reichte nicht nur für den Restabend, sondern beschäftigte die hauseigene Traumfabrik auch noch für die komplette folgende Woche. Natürlich war auch der Vater begeistert von seinem Filius, der den SKV Rohracker quasi im Alleingang zum Sieg geschossen hatte. Fünf Jahre war der Minikicker damals alt und sein fußballerisches Talent unverkennbar. Der SKV Rohracker konnte seinen begabten Torjäger dann aber nicht nachhaltig vor den Spähern der großen Nachbarn verstecken: Fünf Jahre spielte Rizzi in den Jugendabteilungen des VfB Stuttgart , ehe es ihn in der A-Jugend zu den Kickers zog, für die er dann in der Regionalliga erste Erfahrungen im Seniorenbereich sammelte. 2011 wechselte Rizzi zur SG Sonnenhof Großaspach , und trug dort tatkräftig dazu bei, dass sich seine neue Heimat auch jenseits des bundesweiten Andrea-Berg-Fanclubs einen Namen machen konnte. 2014 stiegen Rizzi und die SG in Liga drei auf. Und in eben dieser Liga hatte Rizzi, mittlerweile in Diensten des SC Preußen Münster, am Samstag ein völlig unerwartetes Deja-Vu-Erlebnis: 25 Jahre nach seiner Gala beim SKV Rohracker ließ es der 29-Jährige wieder vier Mal im gegnerischen Tor klingeln.

Einzelkritik: Werder Bremen II - Preußen Münster

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  • Maximilian Schulze-Niehues

    Max Schulze Niehues (3,5): Hatte kaum Gelegenheit sich auszuzeichnen. Beim ersten Gegentreffer wohl machtlos, beim zweiten und überhaupt ab und an etwas zu zögerlich.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig (3,5): Hatte in Johannes Eggestein einen sehr mobilen Gegenspieler und war defensiv zu beschäftigt, um offensiv Akzente zu setzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers (3): Musste wie schon am Dienstag mächtig einstecken, stand aber 90 Minuten seinen Mann mit einer befriedigenden Vorstellung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon  Scherder (3): Als die Mannschaft wackelte, wackelte der Abwehrchef mit. Ungewohnt, aber am Happy End beteiligt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jeron Al-Hazaimeh (2,5): Licht und Schatten auf der linken Preußenseite, wurde aber immer stärker und bereitete den Siegtreffer mustergültig vor.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe (3,5): Die Einstellung stimmte, die Vorstellung nur zum Teil. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun (2,5): Solide Vorstellung im Mittelfeld, behielt Geduld und Fäden auch nach dem 0:2 in der Hand.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann (3): Zehn ganz starke Minuten zu Beginn, dann eine halbstündige Schaffenspause. Als die Mannschaft dann aufdrehte war auch die Nummer 20 wieder voll im Spiel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle (2,5): Von Beginn an unter Feuer - zunächst noch nicht zielgerichtet, später aber ein Brandherd in der Werder-Abwehr.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski (4,5): Nach dem Erfurt-Spiel wie ausgewechselt und dann ausgewechselt (45.). Diese Partie war für Kobylanski ein Totalausfall - und umgekehrt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi (3): Eine Hälfte lang war die Versetzung gefährdet. Im zweiten Abschnitt agiler, präsenter. Sein energischer Vorstoß führte zum Elfmeter, der die Wende einläutete. Er leitete auch noch den vierten Treffer ein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi (46./1): Kam, sah und siegte. Trifft aus allen Lagen und wendet ein Spiel, das nicht mehr zu wenden war. Erstklassige Vorstellung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner (77/3): Als er kam, dominierte Münster. Hinten ohne Probleme, aber auch ohne echte Herausforderung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich (81.):  Kam zu spät für eine vertrauensvolle Bewertung.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Auf der Spur von Robert Lewandowski

An einem Tag, an dem der Mittelfeldmann mit allem gerechnet hatte, nur nicht damit, dass er noch am Abend in einem Atemzug mit Robert Lewandowski genannt würde, dem es zuvor als einzigem Spieler aus den drei deutschen Top-Ligen gelungen war, nach seiner Einwechslung vier oder mehr Tore zu schießen. Fünf Mal traf der polnische Bayernstürmer beim 5:1 gegen den VfL Wolfsburg im September 2015. Am 3. Februar 2018 ließ es Rizzi nach seiner Einwechslung gegen die zweite Mannschaft des SV Werder Bremen immerhin vier Mal klingeln: Endstand 4:2.

Ich bin Schwabe, aber nicht geizig.

Michele Rizzi

Und im Anschluss begann dann für den Vierfachpacker eine etwas bizarre Zeitreise: „So viele Mails und Nachrichten bekomme ich sonst nicht mal an meinem Geburtstag“, sagt Rizzi, dessen Leben an diesem Abend noch einmal in einer flotten Parade an ihm vorüberzog. Alte Freunde aus Schulzeiten, Kommilitonen aus dem Studium, ehemalige Trainer und Mitspieler, Kollegen aus der Marketingagentur, in der Rizzi nach seinem Studienabschluss in BWL und Sport- und Dienstleistungsmanagement in Teilzeit arbeitete: Sie alle sendeten digitale Grüße. Sogar Ex-Trainer Alexander Zorniger schickte einen Glückwunsch aus Kopenhagen, wo er derzeit Erstligist Bröndby trainiert. „Ich habe noch zu vielen meiner ehemaligen Trainer guten Kontakt“, sagt Rizzi – von den ehemaligen Chefs beim SCP allerdings meldete sich keiner.

Saison 2017/18: 23. Spieltag: Werder Bremen II - Preußen Münster

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  • Mann des Spiels: Michele Rizzi schießt vier (!) Tore.

    Mann des Spiels: Michele Rizzi schießt vier (!) Tore.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tor zum 3:2 durch Michele Rizzi gegen Torhüter Eric Oelschlägel und Luca Caldirola.

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  • Rühle nimmt den Ball an.

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  • Begeisterung nach dem Spiel.

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  • Ousman Manneh im Zweikampf mit Al-Hazaimeh.

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  • Kittner und Braun

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  • Marco Antwerpen konnte mit der zweiten Halbzeit zufrieden sein.

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  • Das dritte Tor von Rizzi.

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  • Torjubel nach dem Führungstor der Preußen.

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  • Wiebe trifft Ousman Manneh.

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  • Rizzi nach dem Elfmeter zum Anschlusstor.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Torjubel nach dem Tor von Rizzi.

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  • Wurde heute mehrfach gedrückt: Michele Rizzi.

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  • Rizzi dreht ab: Elfmetertor zum 1:2 aus Sicht der Preußen.

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  • Lion Schweers in Erwartung des Balls.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi hat nicht nur einen lupenreinen Hattrick hingelegt, sondern noch ein viertes Tor hinterhergeschoben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gerangel nach dem 2:2 durch Rizzi mit Schiri Steffen Bruetting.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marco Antwerpen machte mit der Einwechslung von Rizzi in der 46. Minute alles richtig.

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  • Schweers im Zweikampf mit Ousman Manneh.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grimaldi im Duell gegen Luca Caldirola.

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  • Das 1:0 für Bremen durch einen Rechtsschuss von Niklas Schmidt in der 19. Minute.

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  • Braun gegen Johannes Eggestein.

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  • Scherder im Kopfballduell gegen Johannes Eggestein.

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  • Hoffmann bedrängt von Fridolin Wagner.

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  • Rühle gleich gegen zwei: Boubacar Barry und Idrissa Toure.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Selbst am Aasee keine Ruhe

Die Mitspieler erledigten das Schulterklopfen derweil analog und nutzten die Rückfahrt zu einem Spontankonzert, bei dem jegliches verfügbares Liedgut auf ihren gefeierten Vollstrecker umgedichtet wurde. „Das wurde mir fast schon ein bisschen zu viel. Aber es war natürlich auch schön.“ Am trainingsfreien Sonntag zog der Mann des Tages mit seiner Freundin dann seine Runde um Münsters Aasee. Doch aus dem vermeintlich ruhigen Spaziergang wurde dann doch nichts. „Ich werde sonst eigentlich nie angesprochen. aber ...“

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