Fußball: 3. Liga
Rizzi-Show im kalten Norden

Bremen -

Preußen Münster überarbeitet derzeit mit Hochdruck die Vereinschronik. Vier Tage nach dem 5:0-Rekordsieg in Liga drei, drehte der SCP nicht nur einen 0:2-Rückstand in einen 4:2-Erfolg. Er ließ das ganze auch noch von einem Ersatzspieler organisieren, der vier Treffer in einer Halbzeit erzielte.

Sonntag, 04.02.2018, 15:02 Uhr

Jeron Al-Hazaimeh (2.v.l.) zeigt es an: Vier (!) Mal hat Michele Rizzi (r) in Bremen getroffen, Grund genug auch für Moritz Heinrich (l.) und Tobias Rühle, den Mann des Tages zu feiern.
Jeron Al-Hazaimeh (2.v.l.) zeigt es an: Vier (!) Mal hat Michele Rizzi (r) in Bremen getroffen, Grund genug auch für Moritz Heinrich (l.) und Tobias Rühle, den Mann des Tages zu feiern. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Mitarbeiter von Telekom Sport wollten nach dem Spiel noch kurz mit Michele Rizzi sprechen. Es war die erste Szene an diesem Samstagnachmittag, in der der Preußen-Spieler seine Verfolger nicht abschütteln konnte. Rizzi war der letzte Spieler, der den eiskalten Platz elf des Bremer Weserstadions verließ, und lief den Fernsehleuten direkt und ausweglos in die Arme.

Und dann sollte der Mittelfeldmann eben etwas zu seinen Toren erzählen: Eine zeitraubende Angelegenheit. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier – dann stand zwar nicht das Christkind vor der Tür, aber die Stimmung im Preußenlager war absolut vergleichbar.

Einzelkritik: Werder Bremen II - Preußen Münster

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  • Maximilian Schulze-Niehues

    Max Schulze Niehues (3,5): Hatte kaum Gelegenheit sich auszuzeichnen. Beim ersten Gegentreffer wohl machtlos, beim zweiten und überhaupt ab und an etwas zu zögerlich.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig (3,5): Hatte in Johannes Eggestein einen sehr mobilen Gegenspieler und war defensiv zu beschäftigt, um offensiv Akzente zu setzen.

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  • Lion Schweers (3): Musste wie schon am Dienstag mächtig einstecken, stand aber 90 Minuten seinen Mann mit einer befriedigenden Vorstellung.

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  • Simon  Scherder (3): Als die Mannschaft wackelte, wackelte der Abwehrchef mit. Ungewohnt, aber am Happy End beteiligt.

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  • Jeron Al-Hazaimeh (2,5): Licht und Schatten auf der linken Preußenseite, wurde aber immer stärker und bereitete den Siegtreffer mustergültig vor.

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  • Danilo Wiebe (3,5): Die Einstellung stimmte, die Vorstellung nur zum Teil. 

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  • Sandrino Braun (2,5): Solide Vorstellung im Mittelfeld, behielt Geduld und Fäden auch nach dem 0:2 in der Hand.

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  • Philipp Hoffmann (3): Zehn ganz starke Minuten zu Beginn, dann eine halbstündige Schaffenspause. Als die Mannschaft dann aufdrehte war auch die Nummer 20 wieder voll im Spiel.

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  • Tobias Rühle (2,5): Von Beginn an unter Feuer - zunächst noch nicht zielgerichtet, später aber ein Brandherd in der Werder-Abwehr.

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  • Martin Kobylanski (4,5): Nach dem Erfurt-Spiel wie ausgewechselt und dann ausgewechselt (45.). Diese Partie war für Kobylanski ein Totalausfall - und umgekehrt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi (3): Eine Hälfte lang war die Versetzung gefährdet. Im zweiten Abschnitt agiler, präsenter. Sein energischer Vorstoß führte zum Elfmeter, der die Wende einläutete. Er leitete auch noch den vierten Treffer ein.

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  • Michele Rizzi (46./1): Kam, sah und siegte. Trifft aus allen Lagen und wendet ein Spiel, das nicht mehr zu wenden war. Erstklassige Vorstellung.

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  • Ole Kittner (77/3): Als er kam, dominierte Münster. Hinten ohne Probleme, aber auch ohne echte Herausforderung.

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  • Moritz Heinrich (81.):  Kam zu spät für eine vertrauensvolle Bewertung.

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Schöne Bescherung dank Rizzi, der die ersten 45 Minuten der Partie gegen den SV Werder Bremen II noch auf der Bank verbrachte und zu diesem Zeitpunkt nicht einmal im Ansatz ahnte, dass er nach dem Abpfiff den gefragten Historiker geben musste. „Können Sie sich erinnern, schon mal vier Tore in einer Halbzeit erzielt zu haben? Ist das bei den Preußen in Liga drei schon einmal vorgekommen? Wann hat die Mannschaft zuletzt einen 0:2-Rückstand gedreht? Und wie zuvor auf dem Platz blieb Rizzi keine Antwort schuldig: Nein, nein, keine Ahnung.

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Die Chronologie der Ereignisse

Um es kurz zu machen: Preußen Münster begann in Bremen so, wie das Team vier Tage zuvor gegen RW Erfurt (5:0) aufgehört hatte. Mit viel Druck und absolut dominant: Exakt zehn Minuten lang, dann gingen Spielkontrolle und Zugriff komplett verloren, Bremen arbeitete sich ins Spiel und ging nach 21 Minuten durch Niklas Schmidt in Führung. Während sein Team vergeblich um Fassung rang, arbeitete Trainer Marco Antwerpen zu diesem Zeitpunkt längst an einem Notfallplan.

Berühmtes Vorbild

Tatsächlich gab es in der Preußengeschichte schon mal einen Spieler, der vier Mal in einer Halbzeit traf, seinerzeit sogar noch ein fünftes Mal in Halbzeit eins erfolgreich war. 6:1 endete die Partie der Preußen in der Regionalliga West/Südwest vor 20 Jahren gegen die Spielvereinigung Erkenschwick. Fünffacher Torschütze: Marco Anwerpen.

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„Nach 15 Minuten war schon klar, dass wir keinen Zugriff mehr hatten“, so Antwerpen. Schlüsselspieler Martin Kobylanski war nicht in der Partie, was dem Team fehlte war „ein Mann mit spielerischen Qualitäten, der die Mannschaft mitreißen kann.“

Re-Live

Der Spielverlauf zum Nachlesen:   Preußen drehen Partie beim 4:2 in Bremen 

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Glücklicherweise hatte Antwerpen einen Spieler auf der Bank, der original in das Anforderungsprofil passte. Rizzi kam, sah und siegte, wenn auch auf Umwegen. „Das ging blöd los. Mit meinem Fehlpass habe ich das 0:2 vorbreitet“, so Rizzi. Als Ousman Manneh für Bremen traf, waren 54 Minuten gespielt. Der Rest ist ein Stück Preußengeschichte: 1:2 Rizzi (56./FE), 2:2 Rizzi (61.), 3:2 Rizzi (72.), 4:2 Rizzi (90.).

Saison 2017/18: 23. Spieltag: Werder Bremen II - Preußen Münster

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  • Mann des Spiels: Michele Rizzi schießt vier (!) Tore.

    Mann des Spiels: Michele Rizzi schießt vier (!) Tore.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tor zum 3:2 durch Michele Rizzi gegen Torhüter Eric Oelschlägel und Luca Caldirola.

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  • Rühle nimmt den Ball an.

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  • Begeisterung nach dem Spiel.

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  • Ousman Manneh im Zweikampf mit Al-Hazaimeh.

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  • Kittner und Braun

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  • Marco Antwerpen konnte mit der zweiten Halbzeit zufrieden sein.

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  • Das dritte Tor von Rizzi.

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  • Torjubel nach dem Führungstor der Preußen.

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  • Wiebe trifft Ousman Manneh.

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  • Rizzi nach dem Elfmeter zum Anschlusstor.

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  • Torjubel nach dem Tor von Rizzi.

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  • Wurde heute mehrfach gedrückt: Michele Rizzi.

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  • Rizzi dreht ab: Elfmetertor zum 1:2 aus Sicht der Preußen.

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  • Lion Schweers in Erwartung des Balls.

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  • Michele Rizzi hat nicht nur einen lupenreinen Hattrick hingelegt, sondern noch ein viertes Tor hinterhergeschoben.

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  • Gerangel nach dem 2:2 durch Rizzi mit Schiri Steffen Bruetting.

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  • Marco Antwerpen machte mit der Einwechslung von Rizzi in der 46. Minute alles richtig.

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  • Schweers im Zweikampf mit Ousman Manneh.

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  • Grimaldi im Duell gegen Luca Caldirola.

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  • Das 1:0 für Bremen durch einen Rechtsschuss von Niklas Schmidt in der 19. Minute.

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  • Braun gegen Johannes Eggestein.

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  • Scherder im Kopfballduell gegen Johannes Eggestein.

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  • Hoffmann bedrängt von Fridolin Wagner.

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  • Rühle gleich gegen zwei: Boubacar Barry und Idrissa Toure.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Die Rizzi-Show bescherte dem SC Preußen den dritten Dreier in Folge, Platz 14 und ein Achtpunkte-Polster auf den ersten Abstiegsplatz. Am kommenden Samstag steht die nächste schwere Auswärtshürde beim 1. FC Magdeburg an. Vier Rizzi-Tore wollte der Mann des Tages natürlich nicht versprechen, aber wenn: „Dann laufe ich vom Stadion nackt zum Prinzipalmarkt.“

Interview

Vor dem Anpfiff Ersatzspieler, nach dem Abpfiff Matchwinner. Damit hätten sie selbst sicher nicht gerechnet.

Michele Rizzi: Nein. Kein Spieler sitzt gerne draußen. Aber ich bin in der Vorbereitung lange ausgefallen. Und Danilo (Wiebe) und Sandrino (Braun) haben das sehr gut gemacht. Als Trainer hätte ich mich auch nicht aufgestellt.

Und dann sind sie endlich im Spiel und leiten prompt das 0:2 ein.

Rizzi: Ja, blöd. Und dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ich lasse den Kopf hängen oder ich zeige Eier und hänge mich erst recht rein – so wie die ganze Mannschaft.

Es scheint kein Nachteil zu sein, von der Bank zu kommen.

Rizzi: Es geht um das Team. Am Dienstag kam der Kapitän von der Bank und trifft zwei Mal, heute der Vize-Kapitän. Das zeigt, das der Plan des Trainers aufgeht.

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