Fußball: 3. Liga
Fehlender Offensivgeist ist auch in Lotte das große Preußen-Problem

Lotte -

Zumindest stand mal wieder die Null. Erstmals seit August hielt Preußen Münster beim 0:0 bei den SF Lotte den eigenen Kasten zwei Mal hintereinander sauber und blieb folglich auch erstmals seitdem zwei Mal ungeschlagen. Doch vorne drückt der Schuh erheblich.

Sonntag, 03.12.2017, 14:12 Uhr

Münsters Beste spielten in der Verteidigung: Lennart Stoll (von links), Sebastian Mai und Torwart Max Schulze Niehues stoppen mit vereinten Kräften den Lotter Joshua Putze (2.v.l.)
Münsters Beste spielten in der Verteidigung: Lennart Stoll (von links), Sebastian Mai und Torwart Max Schulze Niehues stoppen mit vereinten Kräften den Lotter Joshua Putze (2.v.l.) Foto: Jürgen Peperhowe

Keiner kann sagen, dass Benno Möhlmann sich vor der Wahrheit drücken würde. Er benennt die Sachen, sein Blick auf den Fußball seines SC Preußen Münster ist schon ein realistischer. Der erste Teil seines Fazits nach dem 0:0 vor 3084 Zuschauern bei SF Lotte lautete: „Läuferisch und kämpferisch war das gut.“ So gesehen war das von diesem Standpunkt aus ein verdienter Punktgewinn. So schlimm kann es nicht gewesen sein, oder?

Aber Möhlmann, der 63 Jahre alte Trainer-Routinier, legte auch den Finger in die Wunde: „Fußballerisch war das mangelhaft.“ Das 0:0 war das Maximum, was für die Preußen im Nachbarschaftsduell zu holen war. Nicht einen Moment kam der Drittligist für den Sieg in Betracht, auch wenn sich Möhlmann bei dem einen oder anderen Angriffsansatz vor der Pause mehr ausgerechnet hatte. Zudem ging der Mannschaft nach gut einer Stunde die Puste aus, so gesehen gab es in der Gesamtbewertung eine Vier minus, Die Versetzung ist weiterhin gefährdet. Aber der Punkt glättet etwas die Wogen. Immerhin.

Spielszenen: SF Lotte vs. Preußen Münster

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  • Spielszenen: SF Lotte vs. Preußen Münster
Spielszenen: SF Lotte vs. Preußen Münster Foto: Jürgen Peperhowe
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Es waren zwei Welten, in denen sich die Preußen an diesem nasskalten Tag bewegten. Der Kreidestrich in der Mitte des Feldes war die sichtbare und fühlbare Grenze. Die Abwehr-Viererkette machte davor das, was in solchen Begegnungen von zwei gefährdeten Teams zu tun ist: grundsolide Abwehrarbeit, Fehlerminimierung, dem Gegner möglichst wenige Chance erlauben, bissig und konzentriert sein, ab und zu mal zulangen.

Reaktionen

SF Lotte - Preußen Münster: Stimmen zum Spiel 

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Zudem wirkte sich die Hereinnahme von Sebastian Mai als Sechser und Stabilisator vor der Abwehr positiv aus. Mai, mit modischem „Man Bun“ auf dem Kopf, spielte klassisch, räumte auf und wischte einmal feucht durch, wo Lottes Angreifer sich durch die Preußen-Reihen tricksen wollten. Da gab es keine Gefangene. Münsters Defensive stand, nachdem es zuletzt in der Fremde in Halle (0:3) und Wiesbaden (2:6) ordentlich gekracht hatte, stabil und gut.

Schulze Niehues souverän

Im 18. Punktspiel durfte Max Schulze Niehues erstmals zwischen die Pfosten und vertrat den verletzten Nils Körber. Auch gegen Großaspach und gegen Erfurt in den beiden noch ausstehenden Partien des Jahres 2017 wird er erste Wahl sein. „Ich freue mich, dass der Trainer keine Bauschmerzen hat, mich aufzustellen.“

Viel zu tun hatte Schulze Niehues dabei nicht, einmal hatte er etwas Glück, als ein Missverständnis mit Ole Kittner fast dem Lotter Kevin Freiberger die Führung per Lupfer erlaubt hätte. „Mir haben die Einsätze in den Testspielen gegen Groningen und Enschede geholfen.“ Jetzt also drei Aufgaben wahrscheinlich – und in der Winterpause will Schulze Niehues natürlich Körber den Stammplatz abjagen. Konkurrenzkampf im Tor.

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Das war die eine Seite der Medaille. Die andere Seite hatte Patina und war nichts wert. Nach vier Minuten spielte Adriano Grimaldi auf rechts Tobias Rühle an, dessen Querpass Michele Rizzi nicht an Lottes Keeper Benedikt Fernandez vorbeischieben konnte. Als der eingewechselte Westfalenliga-Torjäger Luca Steinfeld nach 89 Minuten ein formidables Luftloch schlug, da hatte der ebenfalls eingewechselte Jeron Al-Hazaimeh mit einem energischen Ballgewinn und anschließender Flanke für die Vorarbeit gesorgt. Das war es von den Preußen, zwei Chancen, oder eigentlich nur eine. Fragen?

SF Lotte vs.Preußen Münster Einzelkritik

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  • Adriano Grimaldi

    Angreifer Adriano Grimaldi, Note 4,5, blieb erneut blass. Einerseits setzt er kaum Akzente wenn er mal am Ball ist, da hat er in der Vergangenheit aus viel weniger mehr gemacht. Andererseits bekommt er kaum mal ein brauchbares Anspiel in den Lauf oder auf den Kopf gespielt, um seine Torgefährlichkeit überhaupt ausspielen zu können.

    Foto: Peperhowe
  • Ersatzspieler Danilo Wiebe, keine Note, ersetzte in den letzten gut drei Minuten Michele Rizzi. Fiel dementsprechend weder negativ noch positiv auf.

    Ohne Bild: Ersatzspieler Luca Steinfeld, keine Note, wurde gebracht mit der Hoffnung auf den „Lucky Punch“. In der Preußen-Reserve trifft er in Serie, gegen Lotte kam er einmal - fast - zum Abschluss. Bei der Flanke von Al-Hazaimeh ging er volles Risiko und trat ein Luftloch. Man hat zumindest das Gefühl, das bei Steinfeld was geht.  

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  • Linksverteidiger Fabian Menig, Note 3, überzeugte mit seiner kämpferischen Note in der Defensive, er macht wenig Federlesen mit Gegnern und sich selbst. Die Flügelläufe bleiben dagegen weiter wirkungslos.

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  • Ersatzspieler Jeron Al-Hazaimeh, keine Note, kam in der 72. Minute für Tobias Rühle. Zumindest mit einem Ballgewinn und der Flanke aus der Drehung sorgte er für das rare Gut der Preußen namens Torgefahr. Das will was heißen, dass das zu den besten Angriffen der Preußen nach der Pause gehörte.

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  • Rechtsverteidiger Lennart Stoll, Note 3, agierte resolut in den Zweikämpfen, wenig brannte auf seiner Seite an. Auf ihn war Verlass, im Offensivspiel passte er sich - leider - seinen Vorderleuten an.

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  • Innenverteidiger Lion Schweers,  Note 3, ließ sich nicht beirren, auch nicht von dem schmerzhaften Zusammenprall mit dem Teamkollegen Sebastian Mai. Schweers findet zurück zu seiner soliden Form der Vorsaison.

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  • Linksaußen Martin Kobylanski, Note 4,5, setzte wie auch Tobias Rühle auf den Flügeln keinerlei Akzente. Zu allem Überfluss wagte er sich noch an Fernschüsse und Freistöße heran, die krachend scheiterten. Kobylanski ist wie eine Sphinx - er ist nicht ausrechenbar und zuverlässig genug.

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  • Torwart Max Schulze Niehues, Note 3, hatte bei seinem ersten Einsatz in dieser Saison sehr wenig zu tun. Im Glück beim Lupfer von Kevin Freiberger, wirkte souverän und wenig aufgeregt als Ersatz für den verletzten Nils Körber.

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  • Mittelfeldspieler Michele Rizzi, Note 4,5, tauchte einfach in zentraler Position viel zu wenig auf. Von ihm wird mehr erwartet, mehr Verantwortungsübernahme. Das war zu wenig.

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  • Mittelfeldspieler Nico Rinderknecht, Note 4, in der besseren ersten Preußen-Hälfte ziemlich unauffällig, in der schwächeren zweiten Halbzeit zumindest mit einigen Antritten und Dribblings. Gemeinsam mit Michele Rizzi in der Zentrale zu wenig effektiv. Das muss eine Steigerung von der Leihgabe aus Ingolstadt her.

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  • Innenverteidiger Ole Kittner, Note 3, entschlossen, schnörkellos, machte sein Zeug. Basta.

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  • Mittelfeldspieler Sebastian Mai, Note 2,5, agierte als alleiniger Sechser wie der Turm in der Schlacht. Ließ sich nichts gefallen, räumte auf, räumte ab, räumte hinterher. Das ist absolut eine Position, die er streng defensiv ausgerichtet bestens und auch allein ausfüllen kann. 

    Foto: Peperhowe
  • Rechtsaußen Tobias Rühle, Note 4, blieb bis auf einen Querpass, der fast zum 1:0 durch Rizzi geführt hätte, wirkungslos. Wurde als Erster ausgewechselt, dabei hätte es jeden der fünf offensiv ausgerichteten Feldspieler treffen können.

    Foto: Peperhowe

Nein, Antworten. Nichts war zu sehen von der Offensive. Die Flügelspieler Rühle und Martin Kobylanski verkümmerten in ihren Bereichen. Letztgenannter fiel nur noch mit fatalen ruhenden Bällen auf. Was Trainer Möhlmann zur Aussage verleitete: „In diesem Jahr schießt Martin keine Freistöße mehr.“ Was sonst für Erheiterung gesorgt hätte, war nun bitterer Ernst.

Auch die Mittelfeldachse mit Michele Rizzi und Nico Rinderknecht wurde den Ansprüchen im Sturm und Drang nicht gerecht. Stürmer Grimaldi bekam – mal wieder – kaum einen brauchbaren Ball. Und wenn, dann fehlte dem Kapitän sein schon häufig erlebter „Punch“. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass die Offensivkräfte zumindest ihre defensiven Jobs zufriedenstellend erledigten.

Lesen Sie hier den Spielverlauf nach:

Doch ohne Tore, wie soll das gehen? Woche für Woche auf 0:0 gehen? Nein, natürlich nicht, aber diese Baustelle ist riesengroß. Wenn an den beiden kommenden Samstagen die Heimspiele gegen Großaspach und Schlusslicht Erfurt anstehen, dann muss der SCP treffen, in der Vorwärtsbewegung gefährlich sein.

Stoll darf ran

Im Vergleich zum 1:0-Heimsieg über Chemnitz musste Coach Benno Möhlmann die Mannschaft auf drei Positionen umstellen. Neben der Torwartfrage wurde auch Ersatz für den gesperrten Rechtsverteidiger Stéphane Tritz gesucht: Lennart Stoll rückte in die Viererkette zurück und löste das gut. Nico Rinderknecht kam dafür zum Zuge.

Zudem wurde Sebastian Mai für den verletzten Simon Scherder auf die zentrale defensive Mittelfeldposition geschickt und schwang sich zum stärksten Defensivspieler auf. Er würde gebraucht, also spiele er auch diese Rolle, meinte er später. Wenn er wählen könnte? „Dann lieber als Innenverteidiger auflaufen“, sagte Mai. Und: „Im Mittelfeld läuft man andere Wege. Ich habe am Freitag von meiner Rolle erfahren, das habe ich schon ein paar Mal gespielt.“ Soll heißen, es gab keine großen Anpassungsschwierigkeiten für ihn. Ein gutes Zeichen.

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Hinten hui, vorne pfui, so lautete die Losung am Ende. In Lotte konnte einem jedenfalls angst und bange werden. Die Zeiten werden härter, das Klima kälter, die Plätze unangenehmer, eine sture Abwehrmauer reicht da nicht mehr in der 3. Liga, der Winter ist da.

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