Fußball: 3. Liga Preußen und Lotte – das ist weder Hass noch Liebe

Münster -

Derby hin oder her – die Preußen sagen nein, die Sportfreunde sagen ja. Sicher ist, dass Partien zwischen den ungleichen Nachbarn in der Vergangenheit immer wieder reichlich Gesprächsstoff. Die Bilanz spricht jedenfalls noch für die Münsteraner.

Von Thomas Rellmann
Rudelbildung zwischen Lottern und Preußen: So wie hier im Oktober 2015 ging es häufiger heiß her zwischen den Nachbarn. Kleine verbale Scharmützel inklusive.
Rudelbildung zwischen Lottern und Preußen: So wie hier im Oktober 2015 ging es häufiger heiß her zwischen den Nachbarn. Kleine verbale Scharmützel inklusive. Foto: Jürgen Peperhowe

Die eine Frage stellt sich mittlerweile fast jährlich und ist doch aus Münster-Sicht schnell wie klar zu beantworten: Wenn Preußen auf die SF Lotte trifft, dann ist das kein Derby. Punkt. Da lassen SCP-Fans nicht mit sich handeln. Dieses Attribut verdienen in ihren Augen nur traditionsreiche Duelle mit dem VfL Osnabrück , Arminia Bielefeld und RW Essen.

Brisanz steckt in dem Vergleich der beiden Nachbarn, der am Samstag (14 Uhr, Frimo-Stadion) zum dritten Mal in der 3. Liga stattfindet, trotzdem zuhauf. Man mag sich nicht sonderlich, soviel steht fest. Sportfreunde-Obmann Manfred Wilke erzählte im Sommer 2010 mal in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ einen nicht besonders geschmackvollen und schon gar nicht einfallsreichen Witz zulasten der Preußen-Seele.

Auswärtsfahrt zu „Kaffee und Kuchen“

Andersherum lästern Anhänger der Münsteraner gerne über den Dorfclub mit dem Synonym „Kaffee und Kuchen“. Die Bezeichnung rührt aus alten Regionalliga-Zeiten (2008 bis 2011), als der Emporkömmling den großen Kontrahenten schon einige Male ärgerte und Wilke das auch damit begründete, dass seine Mannschaft einfach einen besseren Zusammenhalt pflege und sich nach dem Training oft noch auf ein Tässchen oder ein Stück Torte auf der Geschäftsstelle treffe. Sowas schaukelt sich dann gern mal hoch.

SCP-Fans klagten manches Mal schon über Einschränkungen im kleinen Lotter Stadion und sprachen leicht despektierlich über die Gegenseite als „Bauern“, wenn der Landwirt hinter der Arena mal wieder seinem Beruf nachgegangen war und Gülle gefahren hatte.

Reger Personalaustausch 

Andererseits kam es bei den Sportfreunden nie gut an, wenn die Preußen sich um ihre Top-Leute bemühten. Ab und an klappte das (Jesse Weißenfels, Jeron Al-Hazaimeh ), häufiger aber auch nicht (André Dej, Florian Dondorf, Philipp Böwing-Schmalenbrock, Gerrit Nauber, Trainer Maik Walpurgis). Es gab Zeiten, da spielten etliche ehemalige Münsteraner am Autobahnkreuz. Etwa 2013, als neben Bastian Görrissen (heute noch Torwart-Trainer) und David Buchholz, der inzwischen wieder zum SFL-Kader zählt noch sieben weitere Akteure im Aufgebot standen, die eine Adler-Vergangenheit hatten: Julian Loose, Julian Westermann, Marko Karamarko, Felix Frank, Julian Büscher, Marcus Fischer und Danny Radke. Der letzte, der bislang entlang der A1 von Süd nach Nord wechselte, war 2015 Benjamin Siegert.

Heute sind es nicht mehr ganz so viele. Aber Buchholz, 2011 immerhin Münsters Aufstiegstorwart, Alexander Langlitz und vor allem Marcus Piossek kennen auch den anderen Club. Letztgenannter kam 2013 an die Hammer Straße und spielte dort bis 2016. Dann ging er mit einigem Getöse zum 1. FC Kaiserslautern in die 2. Liga, ein halbes Jahr später zum SC Paderborn – und im August eben nach Lotte. Auflaufen kann der 28-Jährige am Samstag jedoch nicht. Er hat sich einen Achillessehnenriss zugezogen und fällt lange aus.

Schmerzhafte Niederlagen

Bei aller Rivalität – ernsthafte Auseinandersetzungen beider Lager gab es in der Vergangenheit nicht. Dafür sind beide Vereine eben doch zu unterschiedlich. Im Westfalenpokal tat der Underdog dem Favoriten 2015 gleich zwei Mal sehr weh (1:0, 3:1), verlor davor aber auch vier K.o.-Begegnungen. In den beiden Drittliga-Partien zuletzt setzte sich jeweils der Gastgeber mit 1:0 durch.

Die Regionalliga-Bilanz spricht für Münster (drei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen). Die Oberliga-Statistik ist ausgeglichen (ein Sieg, zwei Unentschieden, eine Niederlage).

All das ist Teil einer gewissen Historie. Hass verbindet die beiden Konkurrenten zwar nicht. In Liebe sind sie aber auch kaum verbunden.

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