Fußball: 3. Liga Preußen-Matchwinner Scherder erhält Glückwünsche in großer Zahl

Münster -

Die Zahl der Gratulanten war riesig. Simon Scherder ist eben oft eine Art Everybody‘s Darling beim SC Preußen. Nach seinem goldenen Tor plus Rettungstat gegen den Chemnitzer FC erst recht. Dabei spielt er nun auf einer ihm eigentlich fremden Position.

Von Thomas Rellmann
Da steht er in der Luft: Simon Scherder (M.) gewinnt mit Lion Schweers‘ Unterstützung das Kopfballduell gegen den Chemnitzer Tom Scheffel (r.).
Da steht er in der Luft: Simon Scherder (M.) gewinnt mit Lion Schweers‘ Unterstützung das Kopfballduell gegen den Chemnitzer Tom Scheffel (r.). Foto: Jürgen Peperhowe

Simon Scherder ist ein cleverer Kerl. Als er bei seiner Auswechslung in der 74. Minute erfuhr, dass er zur Dopingprobe musste, setzte der Profi gleich ein paar riesengroße Schlücke aus den umliegenden Wasserflaschen an. Ein, zwei Liter presste sich der Held des Abends rein. So konnte er nach dem Abpfiff die Pflicht schnell erledigen und die Kür in Angriff nehmen, die ihm Glückwünsche in großer Zahl einbrachte.

Verdiente Glückwünsche

Und die waren verdient. Das 1:0 (1:0) gegen Chemnitzer FC – übrigens das gleiche Ergebnis wie fast genau vor einem Jahr gegen die Sachsen – hatte Preußen Münster vor allem seinem Eigengewächs zu verdanken. Erst erzielte er volley das goldene Tor aus 20 Metern (49.), dann rettete er wagemutig gegen Maurice Trapp (72.) die Führung, ansonsten lieferte Scherder wie all seine Kollegen einen couragierten Vortrag ab. Der anschließende Jubel: ekstatisch. Die Anzahl derer, die Scherder diesen Traumtag nicht gönnten: null.

Vertrag auf den letzten Drücker

Nach zwei Kreuzbandrissen und einigen Rückschlägen war der Defensivmann zwei Jahre abgemeldet, bekam erst auf den letzten Drücker im Sommer einen Vertrag, erhielt dann schnell ein paar Kurzeinsätze und auch mal Chancen in der Startelf – und zwar jeweils als Sechser. Der gelernte Innenverteidiger bringt Übersicht, Ruhe am Ball und vor allem Zweikampfhärte mit, die dem SCP auf dieser Position so lange fehlte.

„Es war mein zweites Spiel hintereinander zu Hause, und es hat gut geklappt, ich steigere mich“, sagte er. „Es ist ein kleiner Lernprozess, die Abläufe reinzubekommen, mehr Vertrauen zu kriegen, nicht mehr so vorsichtig den Ball zu fordern.“ Coach Benno Möhlmann schätzt seinen Schützling bereits: „Simon setzt gut nach, hat ein starkes Spielverständnis. Und ein, zwei Fehlpässe sind auch noch okay.“

Zwei Jahre dafür gearbeitet

Aber wie war das jetzt mit den beiden Situationen, die ihn zum Mann des Tages machten? „Das Tor war schon ein Moment, in dem mir bewusst wurde, wofür ich zwei Jahre gearbeitet habe“, sagte er über die erste Schlüsselszene. „Ich habe schon etwas spekuliert, dass der Verteidiger den Ball zu mir rausköpft. Der kam dann wirklich vor meine Füße, ich habe ihn dropkick genommen, gut getroffen. Zwei Mann waren noch leicht dran, aber dann folgte bei allen die große Erleichterung.“

Nach dem verhinderten Ausgleich musste der 24-Jährige dann raus. Eine Vorsichtsmaßnahme. „Ich habe vorher ein paar Schläge auf die Wade gekriegt. Der Platz war tief, der Muskel hat zugemacht. Als ich mich in den Schuss geworfen habe, ist es mir im Absprung in beide Beine reingeknallt. Nichts Wildes, aber ich bin besser runter, bevor ich mit meinen müden Knochen noch ein Tor verschulde.“

Noch immer im Abstiegskampf

Später blieb auch die Ampelkarte gegen Stéphane Tritz folgenlos. „Es war mein zweites Foul im Spiel“, so der Franzose, der bisher stets 90 Minuten auf dem Feld war. „Naja, vielleicht ist einmal Pause nicht so schlimm. Erst mal waren die drei Punkte wichtig und verdient. Wir hatten bis auf die Schlussphase alles unter Kontrolle, es gab nur einen Schuss der Gegner. Aber wir sind noch immer im Abstiegskampf.“

Martin Kobylanski, der sich nach seiner frühen Auswechslung in Halle steigerte und gern getroffen hätte („Die Chancen waren da, aber es ist egal, wer das Tor macht“), lobte Tritz sogar: „Er hat es clever gemacht, ein Konter in den letzten Minuten wäre gefährlich geworden, auch wenn man den Platzverweis wohl geben kann. Aber so richtig gezittert haben wir nicht mehr.“ Der Pole hatte wohl großes Vertrauen in sein Team.

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