Fußball: 3. Liga
Die lange Liste der dauerhaften Preußen-Mängel

Halle -

Die Preußen steuern immer mehr auf einen Abstieg zu. Die Ergebnisse sind bedenklich, der Tabellenstand sowieso. Seit Samstag steht Münster auf Platz 18, also unterhalb des Strichs. Trainer Benno Möhlmann genießt trotzdem weiter den Rückhalt des Vereins.

Sonntag, 19.11.2017, 13:11 Uhr

Unter Erfolgsdruck: Trainer Benno Möhlmann. 
Unter Erfolgsdruck: Trainer Benno Möhlmann.  Foto: Jürgen Peperhowe

Wofür steht Preußen Münster im Herbst 2017? Die Frage ist schwer zu beantworten, eine sportliche Identität fehlt. Einfacher zu erklären ist, was die Mannschaft nicht ausmacht. Da wären permanentes Pressing, Abgeklärtheit vor dem Tor, Kompaktheit und Robustheit, eine stabile Defensive. Allein diese recht lange Aufzählung zeigt, dass von einem Krisenteam die Rede ist. Nach dem 0:3 beim Halleschen FC am Freitag, dem immerhin diesmal keine totale Minusleistung vorausging, verfestigt sich das Tief.

16. Spieltag: Hallescher FC - SC Preußen Münster

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  • Enttäuscht nach der fünften Auswärtspleite in Folge: Rinderknecht.

    Enttäuscht nach der fünften Auswärtspleite in Folge: Rinderknecht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Vollversammlung im Strafraum: Sechs Preußen plus Torwart Nils Körber sind in Ballnähe – oder auch nicht. Und so hat Stefan Kleineheismann freie Bahn und trifft per Kopf zum 2:0.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • v.l. Kittner, Tritz, Wiebe und Stoll.

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  • Trainer Möhlmann kann man inhaltlich keinen Vorwurf machen.

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  • Stoll gegen Fabian Baumgärtel.

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  • Menig und Schweers gegen drei Spieler vom HFC.

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  • Stoll gegen Tobias Müller.

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  • Unzufrieden an der Seitenlinie ...

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  • ... Trainer Benno Möhlmann.

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  • Rühle gegen Hendrik Starostzik

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  • Nach dem Spielschluss.

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  • Debüt: Steinfeldt wird eingewechselt für Grimaldi.

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  • Rinderknecht und Schweers beraten sich nach dem Spiel.

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  • Rinderknecht im Luftduell.

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  • Möhlmann und Kmetsch

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  • Hoch das Bein: Hilal El-Helwe (rechts) setzt sich gegen Lion Schweers durch.

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  • Ab durch die Mitte: Rühle gegen Klaus Gjasula und Tobias Müller.

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  • Diskussionsbedarf auf dem Platz: Halles Klaus Gjasula (l.) und Torwart Tom Müller klären die Dinge mit Adriano Grimaldi und Tobias Rühle (r.).

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  • Kopfballsieger: Grimaldi gegen Klaus Gjasula.

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  • Kopfballduell: Grimaldi gegen Hilal El-Heiwe.

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  • Schweers gegen Hilal El-Helwe.

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  • Tobias gegen Tobias: Rühle setzt sich gegen Müller durch.

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  • Vor dem Spiel war die Laune bei beiden Trainer noch gut, hier begrüßen sich Rico Schmitt (kl. Foto, l.) und SCP-Coach Benno Möhlmann.

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  • Rinderknecht im Dreikampf.

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  • Duell zwischen Rinderknecht und Erik Zenga.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fast gähnend leer war der Gästeblock im Erdgas-Sportpark in den ersten vier Minuten der Partie. Dann aber wurde es mit einem Schlag voll und ein paar Busladungen Preußen-Fans hielten Einzug. Verpasst hatten sie da noch nichts. Ein Stau auf der A 44 bei Soest hielt wohl viele der Anhänger auf dem Weg gen Osten auf.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Sieben Punkte in 13 Partien

„Eine Seitenverlagerung reicht, und es steht 0:1“, sagte Verteidiger Fabian Menig zur Schlüsselszene im Erdgas-Sportpark. „Das war anders besprochen und geht viel zu einfach. In der zweiten Hälfte haben wir es noch mal versucht, aber zu wenige Chancen erspielt.“

Sieben Punkte hat der SCP aus den jüngsten 13 Partien geholt. Trainer Benno Möhlmann steht bisher trotzdem nicht ernsthaft zur Debatte, auch wenn Sportdirektor Malte Metzelder das reflexartig geforderte klare Bekenntnis vermied. „Wir müssen weiter hart arbeiten, um erfolgreich zu sein“, sagte der 35-Jährige stattdessen.

Möhlmann steht nicht zur Debatte

Einer Brandrede kam das nicht gleich. Dass der Coach nicht in Bedrängnis gerät, hat Gründe. Nicht nur den, dass der Verein kein Geld für einen weiteren Großverdiener hätte und eigentlich zwingend im Winter in neue (zentrale und erfahrene) Spieler investieren müsste. Nein, Möhlmann wirkt selten ratlos, gibt sich pragmatisch, spricht Verfehlungen einzelner klar an, stellt sich aber auch vor das Team, wenn es sein muss.

„Trotz des Resultats war das läuferisch und mannschaftstaktisch keine schlechte Vorstellung“, sagte er. Er verwies darauf, dass personelle Möglichkeiten fehlen, um etwas zu ändern. Die mangelnde Breite im Kader traf den SCP in Halle mit voller Wucht. Die Bank gab wenig her.

Einzelkritik: Hallescher FC - SC Preußen Münster

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  • Nils Körber

    Torwart Nils Körber, Note 3,5, war an den Gegentoren praktisch schuldlos. Zu allem Überfluss hatte er kaum Gelegenheit, sich auszuzeichnen. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsverteidiger Stephane Tritz, Note 4,5, bekam seine Seite nicht in den Griff, hatte Pech bei einem Abschluss kurz vor der Pause. Insgesamt passte er sich dem schwachen Niveau einiger Mitspieler an. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Ole Kittner, Note 3, bewahrte in der Abwehrzentrale seinen Mitstreiter Lion Schweers vor noch mehr Ungemach, rettete mehrfach. Kittner war der einzige stabile Abwehrspieler bei den Preußen, konnte seine Teamkollegen aber nicht mitreißen. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Lion Schweers, Note 4,5, patzte mehrfach vor der Pause, war zu häufig ein Unsicherheitsfaktor. Beim 0:2 unauffindbar im Strafraum. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Linksverteidiger Fabian Menig, Note 4, warf seine Kampfkraft in die Waagschale. Hatte vor der Pause Schwierigkeiten mit Hilal El-Helwe, aber strahlte zumindest Härte  und Willen aus. 

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  • Mittelfeldspieler Martin Kobylanski, Note 5, bleibt seiner Linie treu. Mal hui, mal pfui. Dieses Mal: Daumen runter. Trainer Möhlmann reichte es, weil das 0:1 auch auf Kobylanskis Kappe ging. Also raus, ohne Applaus, nach 26 Minuten. Höchststrafe für einen Profi. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Michele Rizzi, Note 3, war an den guten Aktionen der Preußen stets beteiligt. Was wäre passiert, hätte er nach acht Minuten zum 1:0 getroffen? Hätte, hätte, Fahrradkette. So blieb Rizzi im kleinen Reigen der Preußenspieler, die nicht enttäuschten. Kein Trostpflaster für ihn. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Nico Rinderknecht, Note 4, agierte kämpferisch, konnte aber keine Impulse setzen. Der Hinweis auf sein Alter (20) zieht nicht, wer in der 3. Liga spielen will, muss auf so entscheidender Position mehr Akzente setzen. Konnte zudem das 3:0 nicht mit einem taktischen Foul verhindern, weil er sonst per Ampelkarte vom Platz geflogen wäre. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Moritz Heinrich, Note 5, enttäuschte auf ganzer Linie. Der ehemalige „Löwe“ von 1860 München verpasst die Chance, sich unverzichtbar für das Team zu machen. Talent ja, Durchsetzungskraft nein. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stürmer Tobias Rühle, Note 3,5, rührte wieder in allen Töpfen. Wenn Gefahr drohte durch die Preußen, dann war er mit von der Partie. Aber Effektivität ist auch etwas anderes. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stürmer Adriano Grimaldi, Note 4,5, fand kaum statt. Der Kapitän konnte sich nicht einmal gegen Halles energische Innenverteidigung in Szene setzen. Ein blasser Auftritt von Grimaldi. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ersatzspieler Lennart Stoll, Note 4 , kam bereits nach 26 Minuten für Martin Kobylanski. Er brachte zumindest so etwas wie Zweikampfhärte ins Spiel, kämpfte, rackerte, war aber nicht der Mann, der die Wende brachte. Das ist auch nicht seine Rolle. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ersatzspieler Sandrino Braun, keine Note, kam beim 0:3 und sollte verhindern, dass der SCP nicht noch höher unter die Räder kam. Das zumindest gelang. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ersatzspieler Luca Steinfeldt, keine Note, hätte sich sein Drittliga-Debüt über eine Viertelstunde auch unter besseren Vorzeichen als bei einem 0:3-Rückstand erhofft. Meldete sich wenigstens ein, zwei Mal gefährlich im Strafraum des HFC an. Ein klitzekleiner Lichtblick. 

    Foto: Jürgen Peperhowe

Tobias Rühle eine Konstante

Lamentieren wollte der 63-Jährige dann aber doch nicht. Jeder sah, dass Martin Kobylanski die Defensivtreue und der Zweikampfwille eines Lennart Stoll fehlt, diesem aber dafür die Abschlussstärke des Polen und dazu auch Durchsetzungsvermögen. Auf den Außenbahnen der Viererkette gibt es praktisch seit Wochen keine Alternativen, zumal der Trainer beim diesmal verletzten Jeron Al-Hazaimeh keine taktische Disziplin sieht. Auf den offensiven Flügeln ist noch kein Spieler wirklich ins Rollen gekommen.

Allenfalls Tobias Rühle, der zurzeit die hängende Spitze gibt, ist eine Konstante. Schlüsselspieler Adriano Grimaldi schlägt sich seit zwei Monaten mit verschiedenen Beeinträchtigungen herum und sucht seine Form. Das Mittelfeldzentrum ist seit Saisonbeginn eine Dauerbaustelle. Und die Souveränität der ersten Wochen im Tor und in der Innenverteidigung ist lange Geschichte. So leidet auch das Torverhältnis.

Noch drei Heimspiele bis Weihnachten

„Uns hat vielleicht auch der letzte Mumm gefehlt“, so Möhlmann. Das sollte sich zwingend ändern. Sein Team ist – nicht zu Unrecht – auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen und hat bis Weihnachten noch drei Heimspiele sowie die kürzeste Auswärtsfahrt nach Lotte vor der Brust. Lange Anreisen sind keine Ausrede in diesem Zeitraum. Jetzt gilt’s. Punkte müssen her, die Gegner sind nicht übermächtig. Der Druck ist größer denn je. Auch der Coach weiß, was die Stunde geschlagen hat.

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