Fußball: 3. Liga Die lange Liste der dauerhaften Preußen-Mängel

Halle -

Die Preußen steuern immer mehr auf einen Abstieg zu. Die Ergebnisse sind bedenklich, der Tabellenstand sowieso. Seit Samstag steht Münster auf Platz 18, also unterhalb des Strichs. Trainer Benno Möhlmann genießt trotzdem weiter den Rückhalt des Vereins.

Von Thomas Rellmann
Unter Erfolgsdruck: Trainer Benno Möhlmann. 
Unter Erfolgsdruck: Trainer Benno Möhlmann.  Foto: Jürgen Peperhowe

Wofür steht Preußen Münster im Herbst 2017? Die Frage ist schwer zu beantworten, eine sportliche Identität fehlt. Einfacher zu erklären ist, was die Mannschaft nicht ausmacht. Da wären permanentes Pressing, Abgeklärtheit vor dem Tor, Kompaktheit und Robustheit, eine stabile Defensive. Allein diese recht lange Aufzählung zeigt, dass von einem Krisenteam die Rede ist. Nach dem 0:3 beim Halleschen FC am Freitag, dem immerhin diesmal keine totale Minusleistung vorausging, verfestigt sich das Tief.

Sieben Punkte in 13 Partien

„Eine Seitenverlagerung reicht, und es steht 0:1“, sagte Verteidiger Fabian Menig zur Schlüsselszene im Erdgas-Sportpark. „Das war anders besprochen und geht viel zu einfach. In der zweiten Hälfte haben wir es noch mal versucht, aber zu wenige Chancen erspielt.“

Sieben Punkte hat der SCP aus den jüngsten 13 Partien geholt. Trainer Benno Möhlmann steht bisher trotzdem nicht ernsthaft zur Debatte, auch wenn Sportdirektor Malte Metzelder das reflexartig geforderte klare Bekenntnis vermied. „Wir müssen weiter hart arbeiten, um erfolgreich zu sein“, sagte der 35-Jährige stattdessen.

Möhlmann steht nicht zur Debatte

Einer Brandrede kam das nicht gleich. Dass der Coach nicht in Bedrängnis gerät, hat Gründe. Nicht nur den, dass der Verein kein Geld für einen weiteren Großverdiener hätte und eigentlich zwingend im Winter in neue (zentrale und erfahrene) Spieler investieren müsste. Nein, Möhlmann wirkt selten ratlos, gibt sich pragmatisch, spricht Verfehlungen einzelner klar an, stellt sich aber auch vor das Team, wenn es sein muss.

„Trotz des Resultats war das läuferisch und mannschaftstaktisch keine schlechte Vorstellung“, sagte er. Er verwies darauf, dass personelle Möglichkeiten fehlen, um etwas zu ändern. Die mangelnde Breite im Kader traf den SCP in Halle mit voller Wucht. Die Bank gab wenig her.

Tobias Rühle eine Konstante

Lamentieren wollte der 63-Jährige dann aber doch nicht. Jeder sah, dass Martin Kobylanski die Defensivtreue und der Zweikampfwille eines Lennart Stoll fehlt, diesem aber dafür die Abschlussstärke des Polen und dazu auch Durchsetzungsvermögen. Auf den Außenbahnen der Viererkette gibt es praktisch seit Wochen keine Alternativen, zumal der Trainer beim diesmal verletzten Jeron Al-Hazaimeh keine taktische Disziplin sieht. Auf den offensiven Flügeln ist noch kein Spieler wirklich ins Rollen gekommen.

Allenfalls Tobias Rühle, der zurzeit die hängende Spitze gibt, ist eine Konstante. Schlüsselspieler Adriano Grimaldi schlägt sich seit zwei Monaten mit verschiedenen Beeinträchtigungen herum und sucht seine Form. Das Mittelfeldzentrum ist seit Saisonbeginn eine Dauerbaustelle. Und die Souveränität der ersten Wochen im Tor und in der Innenverteidigung ist lange Geschichte. So leidet auch das Torverhältnis.

Noch drei Heimspiele bis Weihnachten

„Uns hat vielleicht auch der letzte Mumm gefehlt“, so Möhlmann. Das sollte sich zwingend ändern. Sein Team ist – nicht zu Unrecht – auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen und hat bis Weihnachten noch drei Heimspiele sowie die kürzeste Auswärtsfahrt nach Lotte vor der Brust. Lange Anreisen sind keine Ausrede in diesem Zeitraum. Jetzt gilt’s. Punkte müssen her, die Gegner sind nicht übermächtig. Der Druck ist größer denn je. Auch der Coach weiß, was die Stunde geschlagen hat.

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