Fußball: 3. Liga
Die Auswärtsmisere bleibt eklatant: Preußen verlieren in Halle mit 0:3

Halle -

Allein die Statistik bereitet schon fiese Bauchschmerzen. Zwei Punkte aus fünf Partien, ein Sieg aus 14 Spielen, fünf Niederlagen am Stück in der Fremde – das ist die Bilanz eines Absteigers, die Bilanz des Grauens. Eine anfangs passable Leistung hin oder her, Preußen Münster steckt nach dem 0:3 (0:2) beim Halleschen FC tiefer im Abstiegssumpf als je zuvor.

Freitag, 17.11.2017, 22:11 Uhr

Hoch das Bein: Hilal El-Helwe (rechts) setzt sich gegen Lion Schweers durch. Vor dem Spiel war die Laune bei beiden Trainer noch gut, hier begrüßen sich Rico Schmitt (kl. Foto, l.) und SCP-Coach Benno Möhlmann. Foto: Jürgen Peperhowe

„Letztlich war es eine klare Geschichte, auch wenn wir zu Beginn mutig aufgetreten sind“, sagte Coach Benno Möhlmann. „Dann haben wir die erste Chance zugelassen, die war drin. Sicher war es kein optimales Spiel von uns. Aber wer in so einer intensiven Partie Fehler macht und vorne nicht trifft, für den ist es unmöglich zu gewinnen.“

Ob auch der 63-Jährige selbst nach der Fortsetzung der Minusserie in den Fokus gerät? Sportdirektor Malte Metzelder wollte sich dazu nicht konkret äußern. Es wäre jedoch schon eine Überraschung.

16. Spieltag: Hallescher FC - SC Preußen Münster

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  • Enttäuscht nach der fünften Auswärtspleite in Folge: Rinderknecht.

    Enttäuscht nach der fünften Auswärtspleite in Folge: Rinderknecht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Vollversammlung im Strafraum: Sechs Preußen plus Torwart Nils Körber sind in Ballnähe – oder auch nicht. Und so hat Stefan Kleineheismann freie Bahn und trifft per Kopf zum 2:0.

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  • v.l. Kittner, Tritz, Wiebe und Stoll.

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  • Trainer Möhlmann kann man inhaltlich keinen Vorwurf machen.

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  • Stoll gegen Fabian Baumgärtel.

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  • Menig und Schweers gegen drei Spieler vom HFC.

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  • Stoll gegen Tobias Müller.

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  • Unzufrieden an der Seitenlinie ...

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  • ... Trainer Benno Möhlmann.

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  • Rühle gegen Hendrik Starostzik

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  • Nach dem Spielschluss.

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  • Debüt: Steinfeldt wird eingewechselt für Grimaldi.

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  • Rinderknecht und Schweers beraten sich nach dem Spiel.

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  • Rinderknecht im Luftduell.

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  • Möhlmann und Kmetsch

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  • Hoch das Bein: Hilal El-Helwe (rechts) setzt sich gegen Lion Schweers durch.

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  • Ab durch die Mitte: Rühle gegen Klaus Gjasula und Tobias Müller.

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  • Diskussionsbedarf auf dem Platz: Halles Klaus Gjasula (l.) und Torwart Tom Müller klären die Dinge mit Adriano Grimaldi und Tobias Rühle (r.).

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  • Kopfballsieger: Grimaldi gegen Klaus Gjasula.

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  • Kopfballduell: Grimaldi gegen Hilal El-Heiwe.

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  • Schweers gegen Hilal El-Helwe.

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  • Tobias gegen Tobias: Rühle setzt sich gegen Müller durch.

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  • Vor dem Spiel war die Laune bei beiden Trainer noch gut, hier begrüßen sich Rico Schmitt (kl. Foto, l.) und SCP-Coach Benno Möhlmann.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rinderknecht im Dreikampf.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Duell zwischen Rinderknecht und Erik Zenga.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fast gähnend leer war der Gästeblock im Erdgas-Sportpark in den ersten vier Minuten der Partie. Dann aber wurde es mit einem Schlag voll und ein paar Busladungen Preußen-Fans hielten Einzug. Verpasst hatten sie da noch nichts. Ein Stau auf der A 44 bei Soest hielt wohl viele der Anhänger auf dem Weg gen Osten auf.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Die Gäste starteten nicht annähernd so abwartend wie in vielen Auswärtsspielen zuvor, sondern attackierten gerade im Zentrum früh und effektiv. Eine erste Szene bot sich Michele Rizzi nach einer Hereingabe von Tobias Rühle, doch er war am Fünfer gleich dreifach bedrängt beim Abschluss (8.). Die eiskalte Dusche folgte auf dem Fuße. Martin Kobylanski fehlte als Unterstützung, Gegenspieler Fabian Baumgärtel nahm einen langen Ball geschickt an, düpierte Stéphane Tritz und schloss punktgenau zum 1:0 ab (10.). Beinahe hätte Martin Röser aus ähnlicher Position nur 60 Sekunden später sogar erhöht.

Früh setzte Möhlmann ein Zeichen und nahm Kobylanski, der erneut kaum in die Zweikämpfe kam, für Lennart Stoll raus (24.). Momente später hätte Rizzi nach einer Tritz-Flanke fast den Ausgleich erzielt, doch HFC-Keeper Tom Müller rettete glänzend (26.). Glück hatten die Preußen, als Marvin Ajani einen schlimmen Patzer von Lion Schweers nicht nutzte, Ole Kittner klärte die Hereingabe (32.).

Ausbeute seit Anfang August katastrophal

Dann die 38. Minute: Baumgärtel brachte von der rechten Seite einen Freistoß scharf in den Sechzehner, am höchsten stieg Stefan Kleineheismann, und das nahezu unbedrängt – 2:0 per Kopf. Dabei traten die Hausherren auch nicht überzeugend auf, hatten im Mittelfeld sogar Nachteile. Doch sie waren in den entscheidenden Momenten da. Und sie leisteten sich keine haarsträubenden Patzer. Tritz hatte nach einem Standard bei einem Abpraller noch die Chance zum Anschluss (44.) – doch zur Pause stand Möhlmann etwas ratlos an der Linie und fragte sich, was er ändern kann. Chancen waren da, Kampfgeist auch. Aber individuelle Fehler und ein paar Totalausfälle ließen sich nicht kompensieren.

Einzelkritik: Hallescher FC - SC Preußen Münster

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  • Nils Körber

    Torwart Nils Körber, Note 3,5, war an den Gegentoren praktisch schuldlos. Zu allem Überfluss hatte er kaum Gelegenheit, sich auszuzeichnen. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsverteidiger Stephane Tritz, Note 4,5, bekam seine Seite nicht in den Griff, hatte Pech bei einem Abschluss kurz vor der Pause. Insgesamt passte er sich dem schwachen Niveau einiger Mitspieler an. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Ole Kittner, Note 3, bewahrte in der Abwehrzentrale seinen Mitstreiter Lion Schweers vor noch mehr Ungemach, rettete mehrfach. Kittner war der einzige stabile Abwehrspieler bei den Preußen, konnte seine Teamkollegen aber nicht mitreißen. 

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  • Innenverteidiger Lion Schweers, Note 4,5, patzte mehrfach vor der Pause, war zu häufig ein Unsicherheitsfaktor. Beim 0:2 unauffindbar im Strafraum. 

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  • Linksverteidiger Fabian Menig, Note 4, warf seine Kampfkraft in die Waagschale. Hatte vor der Pause Schwierigkeiten mit Hilal El-Helwe, aber strahlte zumindest Härte  und Willen aus. 

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  • Mittelfeldspieler Martin Kobylanski, Note 5, bleibt seiner Linie treu. Mal hui, mal pfui. Dieses Mal: Daumen runter. Trainer Möhlmann reichte es, weil das 0:1 auch auf Kobylanskis Kappe ging. Also raus, ohne Applaus, nach 26 Minuten. Höchststrafe für einen Profi. 

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  • Mittelfeldspieler Michele Rizzi, Note 3, war an den guten Aktionen der Preußen stets beteiligt. Was wäre passiert, hätte er nach acht Minuten zum 1:0 getroffen? Hätte, hätte, Fahrradkette. So blieb Rizzi im kleinen Reigen der Preußenspieler, die nicht enttäuschten. Kein Trostpflaster für ihn. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Nico Rinderknecht, Note 4, agierte kämpferisch, konnte aber keine Impulse setzen. Der Hinweis auf sein Alter (20) zieht nicht, wer in der 3. Liga spielen will, muss auf so entscheidender Position mehr Akzente setzen. Konnte zudem das 3:0 nicht mit einem taktischen Foul verhindern, weil er sonst per Ampelkarte vom Platz geflogen wäre. 

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  • Mittelfeldspieler Moritz Heinrich, Note 5, enttäuschte auf ganzer Linie. Der ehemalige „Löwe“ von 1860 München verpasst die Chance, sich unverzichtbar für das Team zu machen. Talent ja, Durchsetzungskraft nein. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stürmer Tobias Rühle, Note 3,5, rührte wieder in allen Töpfen. Wenn Gefahr drohte durch die Preußen, dann war er mit von der Partie. Aber Effektivität ist auch etwas anderes. 

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  • Stürmer Adriano Grimaldi, Note 4,5, fand kaum statt. Der Kapitän konnte sich nicht einmal gegen Halles energische Innenverteidigung in Szene setzen. Ein blasser Auftritt von Grimaldi. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ersatzspieler Lennart Stoll, Note 4 , kam bereits nach 26 Minuten für Martin Kobylanski. Er brachte zumindest so etwas wie Zweikampfhärte ins Spiel, kämpfte, rackerte, war aber nicht der Mann, der die Wende brachte. Das ist auch nicht seine Rolle. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ersatzspieler Sandrino Braun, keine Note, kam beim 0:3 und sollte verhindern, dass der SCP nicht noch höher unter die Räder kam. Das zumindest gelang. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ersatzspieler Luca Steinfeldt, keine Note, hätte sich sein Drittliga-Debüt über eine Viertelstunde auch unter besseren Vorzeichen als bei einem 0:3-Rückstand erhofft. Meldete sich wenigstens ein, zwei Mal gefährlich im Strafraum des HFC an. Ein klitzekleiner Lichtblick. 

    Foto: Jürgen Peperhowe

Aus der Kabine kam  der SCP mit einer Stoll-Möglichkeit, doch Baumgärtel warf sich nach Rühles Flanke in den Ball (50.). Es blieb ein Strohfeuer, die Hallenser kontrollierten das Geschehen nun besser als im ersten Durchgang. Gegen die Dreierkette, die oft zur Fünferreihe wurde, war kaum ein Durchkommen. Nach einem Chip von Ex-Preuße Erik Zenga in Rösers Lauf war dann die Entscheidung gefallen. Der Angreifer hob die Kugel über Nils Körber zum 3:0 ins Netz (66.). Die Gästekurve reagierte: „Vierte Liga tut weh, scheißegal – SCP!“ Später wollte sie ihr Team „kämpfen sehen“.

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Allmählich stellt sich auch die Frage nach Qualität, nicht nur nach Quantität.   „Wir werden die Arbeit nicht einstellen“, sagte Metzelder.      „Beim 0:1 passen wir nicht auf, da war der Plan verworfen. Den Kopf dürfen wir jetzt nicht in den Sand stecken.“ 

Steinfeldt feiert Debüt

Zwei Änderungen nahm SCP-Trainer Benno Möhlmann in Halle vor, beide waren auch erzwungen. Jeron Al-Hazaimeh fehlte verletzt, ihn ersetzte auf der linken Seite Moritz Heinrich, der zuletzt gar nicht im Kader gestanden hatte. Außerdem ersetzte Nico Rinderknecht im zentralen Mittelfeld den gelb-rot-gesperrten Simon Scherder. Auf der Bank nahmen diesmal unter anderem die beiden U-23-Spieler Luca Steinfeldt und Jannik Borgmann Platz. Angreifer Steinfeldt feierte in der 74. Minute sein Debüt. Viel zu lachen hatte er aber auch nicht dabei.

...

Und der Trainer? Möhlmann, der 16 Minuten vor Schluss den mit vier gelben Karten vorbelasteten Rühle rausnahm und mit Sandrino Braun die Defensive stärkte, bietet inhaltlich kaum Angriffsfläche. Aber die Ausbeute seit Anfang August ist schon katastrophal.


HFC: Tom Müller - Tob. Müller, Kleineheismann, Baumgärtel - Schilk, Gjasula, Zenga, Starostzik (28. Lindenhahn) - Ajani (86. Ludwig), El-Helwe (80. Bohl), Röser

SCP: Körber - Tritz, Kittner, Schweers, Menig - Kobylanski (24. Stoll), Rizzi, Rinderknecht, Heinrich - Rühle (74. Braun), Grimaldi (74. Steinfeldt)

Schiedsrichter: Franz Bokop (Vechta)

Tore: 1:0 Baumgärtel (10.), 2:0 Kleineheismann (38.), 3:0 Röser (66.)

Zuschauer: 6067

Gelb: Gjasula / Rinderknecht, Rizzi

Drei Fragen an: Tobias Rühle

Schon wieder eine Auswärtspleite, die fünfte in Serie – ist das mittlerweile eine Kopfsache?

Rühle: Klar. Es wird immer schwerer, sich etwas zuzutrauen. Wir müssen dennoch das 1:0 machen und waren in der ersten Halbzeit nicht so schlecht drin. Das kann auch anders laufen. Aber ein, zwei individuelle Fehler, dazu machen wir die Dinger nicht rein – da ist es schwer zu gewinnen.

Sie waren nach Abpfiff bei den Fans in der Kurve. Was haben die zu Ihnen gesagt?

Rühle: Das, was angebracht war. Ich kann den Frust natürlich gut verstehen. Sie fahren so weit, und sehen dann so ein Gegurke von uns.

14 Spiele, nur ein Sieg sind eine Bilanz des Grauens. Was muss jetzt bis zur Winterpause noch kommen?

Rühle: Wir bauchen nicht drumherum reden. Das ist die Bilanz eines Absteigers. Wir müssen jetzt die Heimspiele irgendwie gewinnen, zuerst am Freitag gegen Chemnitz. Wenigstens 20 Punkte sollten es bis Weihnachten schon noch sein, besser 21 oder 22. Das wird schon sehr eng. Für den Klassenerhalt brauchen wir ja ungefähr 45. Gerade zu Hause müssen wir jetzt einfach mal die Null halten und unsere Chancen verwerten.

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