Fußball: 3. Liga Die Auswärtsmisere bleibt eklatant: Preußen verlieren in Halle mit 0:3

Halle -

Allein die Statistik bereitet schon fiese Bauchschmerzen. Zwei Punkte aus fünf Partien, ein Sieg aus 14 Spielen, fünf Niederlagen am Stück in der Fremde – das ist die Bilanz eines Absteigers, die Bilanz des Grauens. Eine anfangs passable Leistung hin oder her, Preußen Münster steckt nach dem 0:3 (0:2) beim Halleschen FC tiefer im Abstiegssumpf als je zuvor.

Von Thomas Rellmann
Hoch das Bein: Hilal El-Helwe (rechts) setzt sich gegen Lion Schweers durch. Vor dem Spiel war die Laune bei beiden Trainer noch gut, hier begrüßen sich Rico Schmitt (kl. Foto, l.) und SCP-Coach Benno Möhlmann.
Hoch das Bein: Hilal El-Helwe (rechts) setzt sich gegen Lion Schweers durch. Vor dem Spiel war die Laune bei beiden Trainer noch gut, hier begrüßen sich Rico Schmitt (kl. Foto, l.) und SCP-Coach Benno Möhlmann. Foto: Jürgen Peperhowe

„Letztlich war es eine klare Geschichte, auch wenn wir zu Beginn mutig aufgetreten sind“, sagte Coach Benno Möhlmann . „Dann haben wir die erste Chance zugelassen, die war drin. Sicher war es kein optimales Spiel von uns. Aber wer in so einer intensiven Partie Fehler macht und vorne nicht trifft, für den ist es unmöglich zu gewinnen.“

Ob auch der 63-Jährige selbst nach der Fortsetzung der Minusserie in den Fokus gerät? Sportdirektor Malte Metzelder wollte sich dazu nicht konkret äußern. Es wäre jedoch schon eine Überraschung.

Die Gäste starteten nicht annähernd so abwartend wie in vielen Auswärtsspielen zuvor, sondern attackierten gerade im Zentrum früh und effektiv. Eine erste Szene bot sich Michele Rizzi nach einer Hereingabe von Tobias Rühle, doch er war am Fünfer gleich dreifach bedrängt beim Abschluss (8.). Die eiskalte Dusche folgte auf dem Fuße. Martin Kobylanski fehlte als Unterstützung, Gegenspieler Fabian Baumgärtel nahm einen langen Ball geschickt an, düpierte Stéphane Tritz und schloss punktgenau zum 1:0 ab (10.). Beinahe hätte Martin Röser aus ähnlicher Position nur 60 Sekunden später sogar erhöht.

Früh setzte Möhlmann ein Zeichen und nahm Kobylanski, der erneut kaum in die Zweikämpfe kam, für Lennart Stoll raus (24.). Momente später hätte Rizzi nach einer Tritz-Flanke fast den Ausgleich erzielt, doch HFC-Keeper Tom Müller rettete glänzend (26.). Glück hatten die Preußen, als Marvin Ajani einen schlimmen Patzer von Lion Schweers nicht nutzte, Ole Kittner klärte die Hereingabe (32.).

Ausbeute seit Anfang August katastrophal

Dann die 38. Minute: Baumgärtel brachte von der rechten Seite einen Freistoß scharf in den Sechzehner, am höchsten stieg Stefan Kleineheismann, und das nahezu unbedrängt – 2:0 per Kopf. Dabei traten die Hausherren auch nicht überzeugend auf, hatten im Mittelfeld sogar Nachteile. Doch sie waren in den entscheidenden Momenten da. Und sie leisteten sich keine haarsträubenden Patzer. Tritz hatte nach einem Standard bei einem Abpraller noch die Chance zum Anschluss (44.) – doch zur Pause stand Möhlmann etwas ratlos an der Linie und fragte sich, was er ändern kann. Chancen waren da, Kampfgeist auch. Aber individuelle Fehler und ein paar Totalausfälle ließen sich nicht kompensieren.

Aus der Kabine kam  der SCP mit einer Stoll-Möglichkeit, doch Baumgärtel warf sich nach Rühles Flanke in den Ball (50.). Es blieb ein Strohfeuer, die Hallenser kontrollierten das Geschehen nun besser als im ersten Durchgang. Gegen die Dreierkette, die oft zur Fünferreihe wurde, war kaum ein Durchkommen. Nach einem Chip von Ex-Preuße Erik Zenga in Rösers Lauf war dann die Entscheidung gefallen. Der Angreifer hob die Kugel über Nils Körber zum 3:0 ins Netz (66.). Die Gästekurve reagierte: „Vierte Liga tut weh, scheißegal – SCP!“ Später wollte sie ihr Team „kämpfen sehen“.

Allmählich stellt sich auch die Frage nach Qualität, nicht nur nach Quantität.   „Wir werden die Arbeit nicht einstellen“, sagte Metzelder.      „Beim 0:1 passen wir nicht auf, da war der Plan verworfen. Den Kopf dürfen wir jetzt nicht in den Sand stecken.“ 

Steinfeldt feiert Debüt

Zwei Änderungen nahm SCP-Trainer Benno Möhlmann in Halle vor, beide waren auch erzwungen. Jeron Al-Hazaimeh fehlte verletzt, ihn ersetzte auf der linken Seite Moritz Heinrich, der zuletzt gar nicht im Kader gestanden hatte. Außerdem ersetzte Nico Rinderknecht im zentralen Mittelfeld den gelb-rot-gesperrten Simon Scherder. Auf der Bank nahmen diesmal unter anderem die beiden U-23-Spieler Luca Steinfeldt und Jannik Borgmann Platz. Angreifer Steinfeldt feierte in der 74. Minute sein Debüt. Viel zu lachen hatte er aber auch nicht dabei.

Und der Trainer? Möhlmann, der 16 Minuten vor Schluss den mit vier gelben Karten vorbelasteten Rühle rausnahm und mit Sandrino Braun die Defensive stärkte, bietet inhaltlich kaum Angriffsfläche. Aber die Ausbeute seit Anfang August ist schon katastrophal.


HFC : Tom Müller - Tob. Müller, Kleineheismann, Baumgärtel - Schilk, Gjasula, Zenga, Starostzik (28. Lindenhahn) - Ajani (86. Ludwig), El-Helwe (80. Bohl), Röser

SCP: Körber - Tritz, Kittner, Schweers, Menig - Kobylanski (24. Stoll), Rizzi, Rinderknecht, Heinrich - Rühle (74. Braun), Grimaldi (74. Steinfeldt)

Schiedsrichter: Franz Bokop (Vechta)

Tore: 1:0 Baumgärtel (10.), 2:0 Kleineheismann (38.), 3:0 Röser (66.)

Zuschauer: 6067

Gelb: Gjasula / Rinderknecht, Rizzi

Drei Fragen an: Tobias Rühle

Schon wieder eine Auswärtspleite, die fünfte in Serie – ist das mittlerweile eine Kopfsache?

Rühle: Klar. Es wird immer schwerer, sich etwas zuzutrauen. Wir müssen dennoch das 1:0 machen und waren in der ersten Halbzeit nicht so schlecht drin. Das kann auch anders laufen. Aber ein, zwei individuelle Fehler, dazu machen wir die Dinger nicht rein – da ist es schwer zu gewinnen.

Sie waren nach Abpfiff bei den Fans in der Kurve. Was haben die zu Ihnen gesagt?

Rühle: Das, was angebracht war. Ich kann den Frust natürlich gut verstehen. Sie fahren so weit, und sehen dann so ein Gegurke von uns.

14 Spiele, nur ein Sieg sind eine Bilanz des Grauens. Was muss jetzt bis zur Winterpause noch kommen?

Rühle: Wir bauchen nicht drumherum reden. Das ist die Bilanz eines Absteigers. Wir müssen jetzt die Heimspiele irgendwie gewinnen, zuerst am Freitag gegen Chemnitz. Wenigstens 20 Punkte sollten es bis Weihnachten schon noch sein, besser 21 oder 22. Das wird schon sehr eng. Für den Klassenerhalt brauchen wir ja ungefähr 45. Gerade zu Hause müssen wir jetzt einfach mal die Null halten und unsere Chancen verwerten.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5295949?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F62183%2F