Schach: Oberliga SK-32-Chef Schlagheck im Interview: „Haben nirgendwo eine richtige Heimat“

Münster -

Die Rückkehr des SK Münster 32 in die Oberliga ist geglückt, der erste Spieltag gegen den SV Dinslaken steht unmittelbar bevor. Thomas Schlagheck als Clubpräsident stand im Interview Rede und Antwort und sprach über ausländische Spieler wie die Suche nach einem eigenen Clubhaus.

Thomas Schlagheck   
Thomas Schlagheck  Thomas Schlagheck ist sich sicher, dass der Verzicht auf Legionäre der richtige Weg ist . Foto: SK Münster

Zugegeben, der Schachclub Münster 32 hat schon bessere Zeiten erlebt. 1983 war er sogar für ein Jahr Bundesligist. Nach dem Wiederaufstieg in diesem Frühjahr startet er nun wieder in der Oberliga. Im ersten Saisonspiel hat das Team am Sonntag Heimrecht gegen den SV Dinslaken. Unser Redaktionsmitglied Wilfried Sprenger sprach mit dem SK-Vorsitzenden Thomas Schlagheck (Foto).

Viele Sportarten klagen über rückläufige Mitgliederzahlen. Wie sieht es in Münster aus, speziell in Ihrem Verein?

Schlagheck: In unserer Nachbarschaft ist in den letzten Jahren schon etwas weggebrochen. Wir steuern klar gegen den Trend, sind im Nachwuchsbereich gut aufgestellt, haben inzwischen 160 Mitglieder und sind damit meines Wissens der viertgrößte Verein in NRW.

Diese Position fällt dem SK 32 aber vermutlich nicht in den Schoß ...

Schlagheck: Ganz klar: Man muss etwas tun! Angebote machen, Übungsleiter ausbilden, in die Schulen gehen und, und, und ... Wir machen das. Inzwischen bieten wir auch Schach in Kitas an. Da führen wir Kinder ab drei Jahren spielerisch an die Figuren und unseren Sport heran.

Sie werben früh um den Nachwuchs. Wie viel münsterisches Blut fließt denn in der aktuellen Oberliga-Mannschaft?

Schlagheck: Sehr viel. Früher haben wir auf niederländische Spitzenspieler gesetzt und Handgelder bezahlt. Nach dem Abstieg in die NRW-Liga wurde dieses Konzept per Mehrheitsbeschluss verworfen. Es war eine knappe, aber wohl die richtige Entscheidung. Die Rückkehr in die Oberliga ist ein starkes sportliches Signal.

Das aber verpuffen könnte, falls der Klassenerhalt nicht gelingt ...

Schlagheck: Wir wissen um die Qualität der Konkurrenz. Da spielen überall Fide-Meister, Internationale Meister und Großmeister, überwiegend aus Osteuropa, an den Spitzenbrettern. Das wird sehr hart, die Oberliga von heute hat das Niveau der 2. Liga von vor zehn oder 15 Jahren.

Wäre es da nicht doch besser gewesen, nach Verstärkungen zu schauen?

Schlagheck: Tatsächlich sind uns mehrfach starke Spieler aus dem Osten Europas angeboten worden.

Und da gab es nie einen schwachen Moment?

Schlagheck: Nein, denn wir zahlen nicht mehr, stehen zu dieser Entscheidung und leben unsere Münster-Philosophie.

Was würde der Einsatz eines externen Spitzenmannes ihren Verein denn kosten?

Schlagheck: Geschätzt etwa 300 bis 500 Euro pro Partie. Und das wollen wir uns nicht leisten. Punkt.

Was wünschen Sie sich für die neue Saison?

Schlagheck: Auf die erste Mannschaft bezogen: den Klassenerhalt. Auf den Verein bezogen: endlich ein Zuhause. Wir haben überall in der Stadt kleine Räume, teilweise im Keller, aber nirgendwo eine richtige Heimat. Das ist kein Zustand, sondern eine einzige Farce.

Haben Sie Hoffnung, dass sich die Dinge ändern?

Schlagheck: Wir haben schon mehrfach Anträge gestellt. Aber im Sportausschuss wird das immer unter den Tisch gekehrt. Wir bekommen nicht einmal Antworten auf unsere Anfragen. Aber wir geben nicht auf.

Am Sonntag spielt das Oberliga-Team in den Räumen der AWO Münster-Gievenbeck. Sind Zuschauer willkommen?

Schlagheck: Natürlich, kein Problem, wir würden uns freuen.

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