Reiten: Turnier der Sieger Karin Ernsting genießt den „Kurzurlaub vor der Haustür“

Münster -

Karin Ernsting gehört beim Turnier der Sieger nicht zu den großen Top-Stars. Doch die dreifache Mutter genießt es, vor dem Schloss dabei zu sein. Für die Reiterin vom RV St. Hubertus Wolbeck steht der Sport eigentlich gar nicht mehr im Vordergrund.

Von Marion Fenner
Reiterin und Unternehmerin: Karin Ernsting sitzt vormittags im Sattel und arbeitet nachmittags im familiären Textilunternehmen.
Reiterin und Unternehmerin: Karin Ernsting sitzt vormittags im Sattel und arbeitet nachmittags im familiären Textilunternehmen. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Pferde müssen laut Reglement im Stallzelt am Schlossplatz schlafen. Ihre Reiterin Karin Ernsting bevorzugt das eigene Bett und reist morgens mit dem Roller oder mit dem Linienbus an. Um beim Turnier der Sieger dabei zu sein, muss die für den RV St. Hubertus Wolbeck startende Amazone keine lange Anreise planen.

Die 54-Jährige ist Stammgast und freut sich, dass sie „in ihrem Alter“ dort überhaupt noch mitreiten kann und darf. „Es ist einfach ein tolles Turnier – und für mich ist es Luxus, schwere Prüfungen zu bestreiten.“ In der Youngster- und der Mittleren Tour ist sie am Start. In Mauritz betreibt Ernsting einen Ausbildungsstall. 15 Pferde stehen dort, vom Dreijährigen bis zum S-Pferd. In der Youngster-Tour sattelt sie Faylista, eine Stute, die eigentlich ihrem ebenfalls erfolgreich reitenden Sohn Niklas gehört.

Weil der zurzeit im Stall von Paul Schockemöhle angestellt ist, hat er keine Zeit für den Vierbeiner. „Und dann darf ich sie reiten“, freut sich die dreifache Mutter. Sie sei ein gutes Pferd und „schön zu reiten“. Noch feilt Ernsting an der Feinabstimmung, Tipps dazu gibt es von Torben Köhlbrand, mit dem sie ihre Ritte auch im Nachhinein noch einmal analysiert. Die beiden Fehler in der Youngster-Tour nimmt sie gelassen, sie ist von dem Pferd dennoch überzeugt.

Der Sport ist für Erns­ting kein Vollzeitjob. „Ich versuche immer vormittags zu reiten, nachmittags bin ich für unser familieneigenes Textilunternehmen in Coesfeld tätig.“ Was ihr mehr Spaß macht, kann sie nicht einmal sagen. Beides sei ihr sehr wichtig. „Trotzdem glaube ich, dass ich eine bessere Unternehmerin als Reiterin bin.“

Zur Familie gehören drei Söhne. Der jüngste geht noch zur Schule, ist derzeit für einen Austausch in den USA. Familie, Beruf und das Reiten unter einen Hut zu bekommen, ist für Ernsting kein Problem. „Organisation ist mein großes Talent.“

Die Pferde nehmen einen großen Stellenwert in ihrem Leben ein. Bis zur schweren Klasse werden sie ausgebildet und dann verkauft. Zwar sei die Trennung von einigen ans Herz gewachsenen Tieren nicht immer leicht, aber sie habe sich für die Ausbildung junger Pferde entschieden. Sie auf ihrem Weg von den ersten Turnieren an zu begleiten und ihre Entwicklung zu verfolgen, sei eine Aufgabe, die ihr noch mehr Freude bereite als Große Preise zu reiten. Nur das Einreiten übernimmt sie nicht mehr selbst.

„Das können Jüngere besser, und ich muss mir in meinem Alter nichts mehr beweisen.“ Solange es die Gesundheit zulässt, will Ernsting weitermachen. Die Turniere sind für sie wie Kurzurlaube. Sie freut sich unter anderem auf die Sunshine-Tour in Spanien, ein paar Tage mit den Pferden in den Niederlanden oder auf ein langes Wochenende in der Nähe von Wien.

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