Fußball: 3. Liga
Preußen auf dem Weg zum Traumstart

Würzburg -

Auswärtssieg, Auswärtssieg: Den Text haben die Preußen-Fans vor Jahren mal aufgeschnappt. Gebraucht haben sie ihn zuletzt selten. Am Mittwoch war es wieder so weit: 1:0 siegten überglückliche Preußen in Würzburg.

Mittwoch, 02.08.2017, 22:08 Uhr

So sehen Sieger aus: Allen voran Matchwinner Nils Körber. Der Preußen-Keeper war am Mittwochabend mindestens für zwei der drei Punkte in Würzburg im Alleingang verantwortlich. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Traumstart der Preußen in die Drittliga-Saison nimmt Konturen an. Dass das 1:0 (0:0) bei den stark besetzten Würzburger Kickers glücklich und am Ende das Produkt einer Abwehrschlacht war, wird niemand ausblenden können. Unter dem Strich aber stehen sieben Zähler aus drei Runden. Ein erster Schritt zu einer sorgenfreien Saison. Oder vielleicht sogar der Anfang von etwas mehr?

Trainer Benno Möhlmann, der die besten Wünsche zu seinem 63. Geburtstag tags zuvor nicht so gern annahm wie die Gratulationen zum Erfolg, trat gewohnt auf die Bremse. „Es war kein sehr gutes Spiel. Vor der Pause haben wir noch ordentlich gegen den Ball gearbeitet, aber nach vorne zu wenig gemacht. Später mussten wir erkennen, was der Gegner wollte – und haben viel zu viele Chancen zugelassen, die man eigentlich nicht unbeschadet überstehen kann.“ Damit war alles gesagt. Und es widersprach keiner. Dass vor allem ein überragender Keeper Nils Körber der Garant für Münster war, sagte schon eine Menge aus.

Einzelkritik: Würzburger Kickers - Preußen Münster

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  • Nils Körber

    Nils Körber: Früh im Blickpunkt gegen Sebastian Schuppan, dann umgerannt von Dominic Baumann. Lief später zur Hochform auf, rettete allein vier Mal sensationell gegen Dominic Baumann. Ob er zurecht die neue Nummer eins ist, fragt nun keiner mehr. Note: 1,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stéphane Tritz: Der Franzose stand zu Beginn ganz schön unter Beschuss durch Schuppan und Felix Müller. Er brauchte eine Weile, um reinzufinden, blieb auch nicht fehlerfrei. Blieb aber ein Musterbeispiel an Kampfgeist. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sebastian Mai: Knüpfte zunächst an den super Auftritt gegen Meppen an, produzierte kurz vor der Pause aber eine fast verhängnisvolle Kerze. War auch nach Wiederanpfiff kurzzeitig indisponiert, ehe er sich in der wilden Schlussphase etwas fing. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers: Clever im Zweikampf, gut im Stellungsspiel, doch dann patzte er beinahe fatal gegen Baumann. Davon ließ sich das Talent aber nicht umhauen. In der zweiten Hälfte meist auf der Höhe, auch wenn Würzburg zu viele Chancen bekam. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig: Hatte die erste Chance per Kopf aus spitzem Winkel. Seine Flanken bleiben suboptimal, doch hinten hält er den Laden dicht. Warf sich am Ende immer wieder ins Getümmel. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe: Erneut ein viel zu zögerlicher Auftakt, dazu kamen auch noch Stockfehler. Kurzzeitige Steigerung nach der Pause, doch das Zweikampfverhalten des alleinigen Sechsers muss sich verbessern. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle: Vor der Pause so gut wie gar nicht am gegnerischen Strafraum zu sehen, auch wenn er pflichtbewusst seine defensiven Laufwege ging. Nach 66 Minuten war nachvollziehbarerweise Schluss. Note: 4

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi: Ballverluste und mangelndes Zweikampfgefühl im ersten Abschnitt. Doch wie schon gegen Meppen gelang ihm eine Verbesserung seiner Werte nach der Pause. Verdiente sich so das abgezockte Siegtor, hätte beinahe das 2:0 aufgelegt, doch Moritz Heinrich vergab. Note: 3

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski: Wenig zu sehen, meist zu spät gegen den Mann. Kämpfte sich aber mit der Zeit in die Partie und half auch in der Defensive aus, ehe er Simon Scherder zugunsten eines weiteren Defensivmannes Platz machte. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jeron Al-Hazaimeh: Neu im Team für Moritz Heinrich und gleich mit ein paar Ballgewinnen. Durchaus couragiert, aber ohne jede Effizienz. Daher zur Pause raus. Note: 3,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi: Vor der Pause kaum mal eingesetzt, wenig Bälle, dafür reichlich direkte Duelle. Wertvoll waren allemal seine Defensivkopfbälle. Verrichtete richtig viel Laufarbeit und war am Ende Vorlagengeber des Siegtreffers. Note: 2,5

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann: Zur Pause rein für Al-Hazaimeh, nach Moritz Heinrichs Einwechslung dann noch von links nach rechts verschoben, aber weder hier noch da mit wirklichen Akzenten. Dafür half er engagiert mit, den Vorsprung über die Zeit zu bringen. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich: Kam für Rühle und war sofort da. Mit seinem Ballgewinn leitete er das 1:0 ein und hätte nach Rizzis Querpass selbst noch das zweite Tor machen müssen, doch Sebastian Neumann rettete auf der Linie. Keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder: Kam erst in der 80. Minute für Kobylanski. Keine Note.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Der junge Torhüter war nach einem Standard gleich mal gegen Sebastian Schuppan gefordert und löste den Auftrag glänzend (8.). Auf der Gegenseite schien Fabian Menig nach Michele Rizzis Freistoß etwas zu überrascht (9.). Hochklassig war‘s nicht, aber vehement in den Zweikämpfen. Gerade Adriano Grimaldi rieb sich vorne erneut auf. Immer wieder gab es nach Zweikämpfen mit ihm Freistöße. Ruhende Bälle waren sowieso für beide das probateste Mittel, gerade als es Mitte des ersten Durchgangs immer zerfahrener wurde. Für den Gast musste das ja kein schlechtes Zeichen sein. Die bis dahin abgebrühte Innenverteidigung mit Sebastian Mai und Lion Schweers patzte dann bei einem langen Ball auf Dominic Baumann gleich im Doppelpack, doch dessen Abschluss bügelte erneut Körber aus (40.). Erst kurz vor dem Seitenwechsel entfachten die Hausherren erstmals so etwas wie Druck. Doch Münsters Deckung blieb im Kollektiv kompakt.

Aus dem breiten Mittelfeld kam trotzdem erneut nicht viel. Logisch war daher die Einwechslung von Philipp Hoffmann, Jeron Al-Hazaimeh musste weichen. Mehr Ideen? Kaum. Erneut eröffnete Körber die Halbzeit mit einer Parade, gegen die abgefälschte Flanke von Maximilian Ahlschwede (51.). Nach und nach näherte sich der Zweitliga-Absteiger einer Führung. Die Orientierung in der SCP-Hintermannschaft ging temporär stiften, Grimaldi musste hinten aufräumen helfen. Doch auch das war festzuhalten: Klare Szenen hatte Würzburg in dieser Phase noch nicht.

Saison 2017/18 - 3. Spieltag: Würzburger Kickers - Preußen Münster

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  • Torjubel nach dem erfolgreich abgeschlossenen Konter durch Rizzi (hier mit Heinrich).

    Torjubel nach dem erfolgreich abgeschlossenen Konter durch Rizzi (hier mit Heinrich).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Grimaldi hat den Rechtsschuss von Rizzi vorbereitet.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Möhlmann gibt Rizzi Anweisungen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mai am Boden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Schuss von Jannis Nikolau gegen Menig, Grimaldi, Wiebe und Mai.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der einzige Torschütze im Spiel: Rizzi (r.)

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Möhlmann und Metzelder

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rizzi, Körber und Scherder

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jubel nach Schlusspfiff.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kmetsch

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Matchwinner: Rizzi und Körber.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jubel nach dem Spiel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Möhlmann und Metzelder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zweikampf: Mai gegen Dominic Baumann.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nils Körber holt sich das verdiente Lob von Malte Metzelder ab.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Mannschaft um Torhüter Nils Körber jubelt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Und auch vom Trainer gibt es noch eine Umarmung für die hervorragende Torwartleistung.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Münster bleibt in dieser Saison noch ungeschlagen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Interview von Nils Körber direkt nach dem Spiel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Scherder nach dem Spiel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Anthony Syhre im Zweikampf mit Grimaldi.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gestrecktes Bein: Menig gegen Patrick Göbel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Augen auf den Ball: Kobylanski gegen Joannis Karsanidis.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die Trainer an der Außenlinie: Stephan Schmidt und Benno Möhlmann.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das tat weh: Grimaldi nach Zusammenstoß mit Torwart Hesl.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Dreikampf: Grimaldi gegen Ahlschwede (l.) und Felix Müller.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Erst Jannis Nikolaou, der nach einem der vielen Kickers-Standards den Abpraller aufnahm, verfehlte den Kasten nur um einen halben Meter (64.). Ansonsten segelten immer wieder die hohen Bälle vor Körbers Tor.

Münster nur noch in der Defensive – doch dann dieser eine, fast geniale Moment. Moritz Heinrich, gerade für Tobias Rühle drin, erspitzelte sich gegen Anthony Syhre den Ball, Grimaldi leitete ihn irgendwie mit der Pike weiter – und dann hatte Rizzi plötzlich freie Bahn und behielt aus 13 Metern die Ruhe beim 1:0 (69.). In trockenen Tüchern war der Sieg trotzdem noch lange nicht. Körber musste gegen Baumann in gleich drei Szenen wirklich alles auspacken (72./74./90.+1) – die letzte Tat war unglaublich.

Patrick Göbel hatte zudem Pech mit einem Schlenzer ans Lattenkreuz (77.), und Baumann setzte noch einen Kopfball an den Querbalken (80.). Heinrich vollendete auf der Gegenseite einen Konter nicht konsequent (83.), ein Tor hier hätte Möhlmann draußen etwas Zitterei erspart. Von einem verdienten Sieg konnte so oder so schon vorher nicht die Rede sein. Den Jubel beim Abpfiff bremste dieser Fakt natürlich nicht. Und der Coach ließ wissen: „Entschuldigen werde ich mich für den Sieg auch nicht.“

Traumcomeback für Scherder

Einen Gänsehautmoment erlebten die über 300 Preußen-Fans zehn Minuten vor Schluss. Nach mehr als 26-monatiger Pflichtspielpause (zwei Kreuzband-Verletzungen) gab Simon Scherder sein Drittliga-Comeback. Der 24-Jährige kam für Martin Kobylanski und half, den Sieg über die Zeit zu retten. „Ein Wahnsinnsgefühl“, sagte das Eigengewächs, das schon gefeiert wurde, als es das Feld betrat. Nach dem Abpfiff gab es erneut Sprechchöre. „Für so einen Moment habe ich zwei Jahre geschuftet“, so Scherder.

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