American Football: NRW-Liga Mammuts und Blackhawks – zwei Teams, eine Leidenschaft

Münster -

Mammuts und Blackhawks treffen in freier Wildbahn nur selten aufeinander – schon weil die Mammuts bekanntlich ihr irdisches Dasein längst ad acta gelegt haben. Im American Football sind die Dickhäuter dagegen ausgesprochen zäh und mischen weiter munter mit: Am Samstag eben gegen die Blackhawks. Münster gegen Münster, was für ein Spektakel zum Saisonauftakt ...

Von Ansgar Griebel
Die Münster Mammuts sind in Liga vier längst etabliert und schauen schon einmal dezent nach oben.
Die Münster Mammuts sind in Liga vier längst etabliert und schauen schon einmal dezent nach oben. Foto: Roman Henel

Zwei Herzen schlagen in Münsters Brust – zumindest in Sachen American Football ist sowohl an der Sentruper Höhe als auch im Süden Hiltrups ein deutlicher Pulsschlag zu spüren. Die enorme Football-Welle, die befeuert durch die Live-Übertragungen im deutschen Free-TV in den vergangenen Jahren aus den USA nach Deutschland herüberschwappte, hat auch und besonders in der westfälischen Provinz für einen spektakulären Zulauf gesorgt.

Sowohl bei den Mammuts (Hiltrup Süd) als auch bei den Blackhawks (Sentruper Höhe) wachsen die Mitgliederzahlen in rasantem Tempo. Die Nachwuchs-Abteilungen sind so nachgefragt wie nie, die Mammuts lassen ihre Kälber auf Bundesliga-Wiesen weiden, die jungen Blackhawks spielen in der Oberliga. Auch beide Senioren-Teams starten an diesem Samstag kerngesund in die Saison. Erstmals in der gleichen Liga, erstmals auf Augenhöhe und zum Auftakt gleich im direkten Duell.

Auf dem Hauptplatz an der Sentruper Höhe wird am Samstag um 15 Uhr die aktuelle Viertliga-Saison eröffnet mit der münsterischen Variante des Superbowl: Die Blackhawks erwarten die Mammuts – Münsters Doppelherz rückt für zwei Stunden ganz eng zusammen und sorgt für erhöhten Puls bei voraussichtlich mehr als 1000 Fans am Spielfeldrand.

Beeindruckende Zahlen, die allerdings in Münster nicht an den Rekordmarken kratzen, denn bereits Anfang des 90er fanden teilweise 1500 Zuschauer in den deutschen Gründerjahren des American Football den Weg zum Wangeroogeweg nach Kinderhaus, wo die Touchdowns der jungen Mammuts gefeiert wurden. Der große Hype ließ in den Folgejahren etwas nach.

2010 standen die Mammuts vor der Zerreißprobe, die Jugend-Abteilung wandte sich frustriert ab und unter neuem Namen neuen Zielen zu. Neben den Mammuts spielten fortan auch die Monasteria Lions, ehe es drei Jahre später die Löwen dahinraffte – die Konkursmasse ging auf in den Münster Blackhawks, die im November 2013 als zweite Kraft der Stadt aus der Taufe gehoben wurden. „Zwei Vereine gibt es sonst an den Bundesliga-Standorten und in den Metropolen Deutschlands“, sagt Mammuts-Coach Sascha Krotil. „Für Münster ist das schon außergewöhnlich, aber eine tolle Sache.“

Die Münster Blackhawks sind neu in der vierten Spielklasse, bezeichnen sich selbst als Außenseiter, werden von der Konkurrenz allerdings als Geheimtipp gehandelt. Foto: Peter Leßmann

Drei Jahre und zwei Blackhawks-Aufstiege später begegnen sich beide Teams im Kampf um Ligapunkte auf dem Platz. Alte Rechnungen werden am Samstag nicht beglichen. „Konkurrenz ja, Feindschaft nein“, betont Blackhawks-Headcoach Dennis Eßmann. „Das Verhältnis zwischen den Clubs hängt immer von den handelnden Figuren ab“, sagt Krotil. Der 36-Jährige stand 1992 als Zwölfjähriger für die Mammuts auf dem Feld, hat später bei den Cardinals in Essen als Defensive Back in der Bundesliga gespielt, ehe es ihn zurück in die westfälische Heimat zog.

Sein 13 Jahre jüngerer Amtskollege bei den Blackhawks hat seine Liebe zum American Football beim Austauschjahr in Nashville/Tennessee gefunden – zunächst passiv, nach seiner Rückkehr 2013 dann über Bruder Jerome auch aktiv: Zunächst bei den Monasteria Lions, später als Wide Receiver bei den Blackhawks. Zwischenzeitlich musste Eßmann sein Sportstudium in Köln und gleichzeitig die aktive Karriere nach einem langwierigen und folgenreichen Kreuzbandriss beenden. Weiter geht es jetzt mit unverminderten Engagement an der Seitenlinie. Zum Kollegen Krotil pflegt er ein sehr gutes Verhältnis.

Auch die Spieler sind eher durch die gemeinsame Leidenschaft vereint als durch Vereinsfarben getrennt. Football lebt in Münster – derzeit mit der Kraft der zwei Herzen. 22 Aktive sind pro Team und Spieltag gefordert, 35 Namen fordert der Verband auf der Kaderliste. Mammuts wie Blackhawks haben jeweils doppelt so viele Anwärter im Team. Was passiert, wenn die Kräfte gebündelt würden? Beide Trainer sind sich einig: „Die Qualität reicht für die zweite Liga – nur mit den Spielern aus Münster.“

Doch aktuell geht es um Punkte in Liga vier, schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft – herzhaft.

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