Fußball: 3. Liga Nur Preußen-Held Al-Hazaimeh bleibt ganz cool

Münster -

In einem hitzigen Duell unter Flutlicht bemühte sich Preußen Münster lange, den Sieg gegen Lotte zu erzwingen. Kurz vor Schluss brachte dann ein Abwehrspieler das Stadion an der Hammer Straße zum Beben. Ausgerechnet Jeron Al-Hazaimeh!

Von Alexander Heflik
Alle jubeln, nur einer nicht: Aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber SF Lotte verzichtet Torschütze Jeron Al-Hazaimeh (r.) auf ausgelassene Freude. Doch seine Teamkollegen freuen sich umso mehr über den späten Siegtreffer.
Alle jubeln, nur einer nicht: Aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber SF Lotte verzichtet Torschütze Jeron Al-Hazaimeh (r.) auf ausgelassene Freude. Doch seine Teamkollegen freuen sich umso mehr über den späten Siegtreffer. Foto: Jürgen Peperhowe

Dann kam Jeron Al-Hazaimeh , traf, drehte ab und hielt sich zurück. Während um ihn herum das Stadion aus den Angeln gehoben wurde, das Publikum durch die Decke ging, blieb der Linksverteidiger ruhig – obwohl auch er aufgewühlt war wie selten. Sein Tor entschied den Nachbarschaftsvergleich zwischen Preußen Münster und SF Lotte . 1:0 (0:0) für die Adlerträger, weil der frühere Sportfreund, der erst im Sommer nach Münster gewechselt war, drei Minuten vor dem Ende abstaubte. „Ich konnte ja nicht komplett ausrasten“, sagte er. Und fügte an, nachdem er auf dem Stadionzaun mit den Fans gefeiert hatte: „Nach dem Spielende ist das was anderes. Kurz vor Schluss so zu gewinnen, das sind die schönsten Siege.“ Und verschwand zum Trikottausch in der Kabine der Gäste.

„Wir wollten den Sieg unbedingt, haben ihn erzwungen“, freute sich der neue Sportchef Malte Metzelder. Er hatte nach dem schwachen 0:1 beim SV Wehen Wiesbaden auf eine Trotzreaktion gehofft. Er bekam sie frei Haus. Und: „Die Jungs haben sich das selbst erarbeitet, Kompliment an sie. Das war ein weiterer großer Schritt zum Klassenerhalt.“

Das Spiel war ein 0:0 der besseren Art vor der Pause. Die Gäste hatten durch den aufgerückten Abwehrchef Gerrit Nauber (22.) sowie Kevin Freiberger (28.) Chancen der höchsten Güteklasse. Nauber wurde geblockt, er forderte gleich einen Handelfmeter. Die Hausherren mussten sich in die Partie „reingrooven“, erst die Intensität der Gäste annehmen. Drei Minuten vor der Pause hatte Sinan Tekerci die beste Chance, wurde aber rustikal von Nico Neidhart gestoppt. Münsters Fans forderten Elfmeter, Lottes Anhang jubelte, Schiedsrichter Robert Kempter entschied auf Ecke, er lag mit seinen Entscheidungen in einer durchaus auch ruppigen Partie bis dahin immer richtig.

Nach dem Wechsel drehten sich die Verhältnisse, Lotte verlor in der Offensive seinen Biss, Münster drehte auf. Auch weil Trainer Benno Möhlmann dem faden Auftritt im vorderen Bereich etwas entgegensetzte und Adriano Grimaldi sowie Danilo Wiebe brachte, womit sich das System änderte. Aber die richtig guten Chancen ließen auf sich warten. Erst war es Sinan Tekerci (79.), der nach tollem Pass von Grimaldi über das Tor schoss. Wenig später segelte der Flugkopfball von Benjamin Schwarz nach Freistoß von Michele Rizzi am Lotter Gehäuse vorbei (81.).

Drei Minuten vor dem Ende war es dann aber soweit, wieder trat Rizzi den Freistoß, den Kopfball von Ole Kittner wehrte SF-Tormann Benedikt Fernandez noch ab, doch Al-Hazaimeh witterte den Moment und markierte das Siegtor. „Nein, ein Befreiungsschlag war das nicht. Das war eher der Sieg über Frankfurt vor einige Wochen“, befand Trainer Möhlmann.

Er hatte mit Grimaldi einen wesentlichen Wechsel zur Pause vorgenommen. Der Kapitän musste warten, ausgerechnet an seinem 26. Geburtstag, ehe er mithalf, die Wende herbeizuführen. „Meine Familie ist gekommen, ich war voller Kraft, ich hätte explodieren können“, erzählte er. Der Geburtstag, der auf der Reservebank begonnen hatte, wurde noch eine runde Sache. Die Fans sangen ihm nach Spielschluss ein Ständchen, alle Preußen-Spieler mussten auf den Zaun, Grimaldis einziger Kritikpunkt: „Mir fehlte ein Tor.“ Er lachte. Auch Benno Möhlmann lobte den Angreifer über den grüne Klee. Professionell habe der die Ausbootung angenommen, superstark ins Team gefunden, ein Anführer halt.

Nach diesem Sieg ist seine Elf Zwölfter. „Wieviele Punkte wir noch brauchen, weiß ich nicht. Aber mit 40 Punkten bleibt man nicht in der Liga“, sagte der Coach. Sieben Spiele bleiben noch, das Konto aufzuhübschen, am Samstag geht es zu Holstein Kiel. Die Adlerträger werden bereit sein.

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