Fußball: 3. Liga
Nur Preußen-Held Al-Hazaimeh bleibt ganz cool

Münster -

In einem hitzigen Duell unter Flutlicht bemühte sich Preußen Münster lange, den Sieg gegen Lotte zu erzwingen. Kurz vor Schluss brachte dann ein Abwehrspieler das Stadion an der Hammer Straße zum Beben. Ausgerechnet Jeron Al-Hazaimeh!

Donnerstag, 06.04.2017, 07:04 Uhr

Alle jubeln, nur einer nicht: Aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber SF Lotte verzichtet Torschütze Jeron Al-Hazaimeh (r.) auf ausgelassene Freude. Doch seine Teamkollegen freuen sich umso mehr über den späten Siegtreffer.
Alle jubeln, nur einer nicht: Aus Respekt vor seinem ehemaligen Arbeitgeber SF Lotte verzichtet Torschütze Jeron Al-Hazaimeh (r.) auf ausgelassene Freude. Doch seine Teamkollegen freuen sich umso mehr über den späten Siegtreffer. Foto: Jürgen Peperhowe

Dann kam Jeron Al-Hazaimeh , traf, drehte ab und hielt sich zurück. Während um ihn herum das Stadion aus den Angeln gehoben wurde, das Publikum durch die Decke ging, blieb der Linksverteidiger ruhig – obwohl auch er aufgewühlt war wie selten. Sein Tor entschied den Nachbarschaftsvergleich zwischen Preußen Münster und SF Lotte . 1:0 (0:0) für die Adlerträger, weil der frühere Sportfreund, der erst im Sommer nach Münster gewechselt war, drei Minuten vor dem Ende abstaubte. „Ich konnte ja nicht komplett ausrasten“, sagte er. Und fügte an, nachdem er auf dem Stadionzaun mit den Fans gefeiert hatte: „Nach dem Spielende ist das was anderes. Kurz vor Schluss so zu gewinnen, das sind die schönsten Siege.“ Und verschwand zum Trikottausch in der Kabine der Gäste.

„Wir wollten den Sieg unbedingt, haben ihn erzwungen“, freute sich der neue Sportchef Malte Metzelder. Er hatte nach dem schwachen 0:1 beim SV Wehen Wiesbaden auf eine Trotzreaktion gehofft. Er bekam sie frei Haus. Und: „Die Jungs haben sich das selbst erarbeitet, Kompliment an sie. Das war ein weiterer großer Schritt zum Klassenerhalt.“

Saison 2016/17 - 31. Spieltag: Preußen Münster - SF Lotte

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  • Jeron Al-Hazaimeh erzielte in der 87. Minute den goldenen Treffer für Preußen Münster im Spiel gegen die Sportfreunde Lotte.

    Jeron Al-Hazaimeh erzielte in der 87. Minute den goldenen Treffer für Preußen Münster im Spiel gegen die Sportfreunde Lotte.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ausgerechnet Al-Hazaimeh! Denn vor der Saison kam er aus Lotte nach Münster. Entsprechend rücksichtsvoll fiel sein Jubel aus.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ausgerechnet Al-Hazaimeh, die Zweite: Denn noch vor drei Tage sorgte er mit einem späten Eigentor für die Niederlage in Wiesbaden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Flutlicht an der Hammer Straße: Lottes Trainer Ismail Atalan vor dem Spiel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Und sein Gegenüber Benno Möhlmann.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Gedankenaustausch vor Anpfiff zwischen Lottes Coach Ismael Atalan (l.) und SCP-Trainer Benno Möhlmann.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die letzten drei Partien beider Clubs konnten die Sportfreunde für sich entscheiden. Diesmal kam es anders.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Im Folgenden einige Eindrücke vom Spiel: SCP-Keeper Schulze Niehues

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  • Turbulente Situation vor dem SCP-Tor: Lottes Nauber (v.l.) hat abgezogen, die SCP-Akteure Al-Hazaimeh, Tritz und Kittner versuchen, den Schuss abzublocken.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rühle gegen Philipp Steinhart

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  • Atalan und Möhlmann engagiert an der Seitenlinie

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  • Im Luftkampf: Tobias Rühle (r.) gegen Alexander Langlitz.

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  • Abschluss-Chance für den SCP: Tobias Rühle setzt zum Schuss an, Lottes Moritz Heyer springt in die Schussbahn und Lottes Keeper Benedikt Fernandez fokussiert den Ball.

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  • Blick nach Westen: Ismail Atalan scheint nicht zu gefallen, was er dort sieht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Schwarz gegen Tim Wendel

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  • SCP-Abwehrmann Stephane Tritz (r.) obenauf, Lottes Philipp Steinhart am Boden...

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  • Benno Möhlmann

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  • Mai und Kittner gegen Gerrit Nauber

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  • Schwarz gegen Luka Tankulic, die Erste.

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  • Schwarz gegen Luka Tankulic, die Zweite.

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  • Schwarz und Nico Neidhart

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  • Kurz vor Schluss jubelten dann die Preußen doch noch.

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  • Lottes Ismail Atalan ist bedient.

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  • Dem neuen Sportdirektor Malte Metzelder (l.) und Benno Möhlmann dürfte das Gesehene allerdings gefallen haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Das Spiel war ein 0:0 der besseren Art vor der Pause. Die Gäste hatten durch den aufgerückten Abwehrchef Gerrit Nauber (22.) sowie Kevin Freiberger (28.) Chancen der höchsten Güteklasse. Nauber wurde geblockt, er forderte gleich einen Handelfmeter. Die Hausherren mussten sich in die Partie „reingrooven“, erst die Intensität der Gäste annehmen. Drei Minuten vor der Pause hatte Sinan Tekerci die beste Chance, wurde aber rustikal von Nico Neidhart gestoppt. Münsters Fans forderten Elfmeter, Lottes Anhang jubelte, Schiedsrichter Robert Kempter entschied auf Ecke, er lag mit seinen Entscheidungen in einer durchaus auch ruppigen Partie bis dahin immer richtig.

Nach dem Wechsel drehten sich die Verhältnisse, Lotte verlor in der Offensive seinen Biss, Münster drehte auf. Auch weil Trainer Benno Möhlmann dem faden Auftritt im vorderen Bereich etwas entgegensetzte und Adriano Grimaldi sowie Danilo Wiebe brachte, womit sich das System änderte. Aber die richtig guten Chancen ließen auf sich warten. Erst war es Sinan Tekerci (79.), der nach tollem Pass von Grimaldi über das Tor schoss. Wenig später segelte der Flugkopfball von Benjamin Schwarz nach Freistoß von Michele Rizzi am Lotter Gehäuse vorbei (81.).

Drei Minuten vor dem Ende war es dann aber soweit, wieder trat Rizzi den Freistoß, den Kopfball von Ole Kittner wehrte SF-Tormann Benedikt Fernandez noch ab, doch Al-Hazaimeh witterte den Moment und markierte das Siegtor. „Nein, ein Befreiungsschlag war das nicht. Das war eher der Sieg über Frankfurt vor einige Wochen“, befand Trainer Möhlmann.

Einzelkritik: Preußen Münster - Sportfreunde Lotte

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  • Max Schulze Niehues

    Max Schulze Niehues - Note: 3: Eine spektakuläre Szene, als er seine Mütze wegwarf, um per Kopf gegen Bernd Rosinger zu klären. Ansonsten fischte er das, was er fischen musste. Allgemein wenig beschäftigt, gerade nach der Pause. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stéphane Tritz - Note: 3: Zu Beginn stand der Franzose einige Mal unter Feuer, musste sich mehrfach umschauen. Doch mit der Zeit kämpfte er sich rein, stabilisierte sich, machte die rechte Seite dicht und tauchte immer mal wieder am Strafraum der Gäste auf. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner - Note: 3: Erstmals seit dem 12. Februar wieder in der Startelf und in der Anfangsphase auch noch ein wenig unsicher. Doch auch er steigerte sich, hatte später nicht mehr viel Arbeit und nutzte die freie Zeit, um per Kopf zum Wegbereiter des 1:0 zu werden. Zwar klärte Keeper Benedikt Fernandez noch, doch Al-Hazaimeh setzte nach. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers - Note: 3:

    Ein grober Fehler im Aufbau, einmal von Kevin Freiberger düpiert - ansonsten ein tadelloser Auftritt des Youngsters, der sich auf gutem Drittliga-Niveau einpendelt. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jeron Al-Hazaimeh - Note: 3: Unglaubliche Geschichten schreibt der Linksverteidiger gerade. Siegtor gegen Aalen, entscheidendes Eigentor in Wiesbaden, nun wieder ein Siegtor gegen seinen Ex-Verein. Zuvor war das nicht sein bester Auftritt, da leistete er sich einige Stellungsfehler. Am Ende völlig egal. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Rühle - Note: 3: Immer unterwegs, scheute keinen Zweikampf, legte sich mit den Lottern an, zeigte Mumm. Allerdings ist er auch nach wie vor oft noch zu umständlich, trifft unglückliche Abspielentscheidungen. Wertvoll allemal. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi - Note: 3: In den ersten 20 Minuten lief der Mittelfeldmann unauffällig nebenher, doch dann zog er das Tempo an, riss die Kollegen geradezu mit. Seine Standards brachten immer Gefahr, sein Wille war prägnant. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benjamin Schwarz - Note: 3: Steht er auf dem Rasen, ist der SCP bissiger. Das steht außer Frage. Diesmal standen andere im Fokus und hatten die spektakulären Momente. Schwarz wäre allerdings auch kurz vor dem 1:0 beinahe schon die Führung gelungen. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sinan Tekerci -  Note: 2,5: Auch wenn seine Kopfballrückgabe auf Schulze Niehues waghalsig war, gehörte der kleine Dribbler schon vor der Pause zu den wenigen giftigen Preußen. Zweikämpfe nahm er gerne an, die Lotter Aggressivität beflügelten ihn. Starke Szenen am Ball, nur der Abschluss war zwei Mal nicht ideal.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski - Note: 5: Mehrmals am Ball, aber fast immer ohne Fortune. Bei seinen Distanzschüssen stets in Rücklage, so dass klar war, dass der Ball in die Wolken geht. Darüber hinaus verlor er die Kugel häufig. Glückloser Auftritt, raus zur Pause. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski - Note: 4,5: Der Youngster warf sich zwar in die Kopfballduelle mit Gerrit Nauber & Co. - war da aber meist klar unterlegen. Auch er muss ab und an Lehrgeld zahlen, wie dieser Abend bewies. Ebenfalls ausgewechselt in der Halbzeit. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi - Note: 2,5: Mega-Lob vom Trainer! "So stelle ich mir einen Kapitän vor", sagte Coach Benno Möhlmann. Mit ihm war Münster ebenbürtig bei hohen Bällen. Behauptete die Kugel immer wieder, setzte Nebenleute ein, pushte die Kollegen. Dass er an seinem Geburtstag erst geschont wurde, nahm er zum Anlass, um Gas zu geben. Am Ende gab es ein lautes Ständchen der Fans. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe - Note 3,5:

    Nach der Pause brachte er etwas Struktur in die SCP-Bemühungen, war eine wichtige Anspielstation. Leistete sich aber auch mehrere eklatante Ballverluste. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sebastian Mai - (eingewechselt 90. min) - keine Note

    Foto: Jürgen Peperhowe

Er hatte mit Grimaldi einen wesentlichen Wechsel zur Pause vorgenommen. Der Kapitän musste warten, ausgerechnet an seinem 26. Geburtstag, ehe er mithalf, die Wende herbeizuführen. „Meine Familie ist gekommen, ich war voller Kraft, ich hätte explodieren können“, erzählte er. Der Geburtstag, der auf der Reservebank begonnen hatte, wurde noch eine runde Sache. Die Fans sangen ihm nach Spielschluss ein Ständchen, alle Preußen-Spieler mussten auf den Zaun, Grimaldis einziger Kritikpunkt: „Mir fehlte ein Tor.“ Er lachte. Auch Benno Möhlmann lobte den Angreifer über den grüne Klee. Professionell habe der die Ausbootung angenommen, superstark ins Team gefunden, ein Anführer halt.

Nach diesem Sieg ist seine Elf Zwölfter. „Wieviele Punkte wir noch brauchen, weiß ich nicht. Aber mit 40 Punkten bleibt man nicht in der Liga“, sagte der Coach. Sieben Spiele bleiben noch, das Konto aufzuhübschen, am Samstag geht es zu Holstein Kiel. Die Adlerträger werden bereit sein.

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