Fußball: 3. Liga Preußen haben nach Sieg über Aalen das Schlimmste womöglich hinter sich

Münster -

Es geht weiter vorwärts für Preußen Münster. Das 2:1 gegen den VfR Aalen war der dritte Sieg in Serie und der vierte Heimerfolg der Rückrunde. Im Kampf um den Klassenerhalt hat das Team weiterhin alles in der eigenen Hand.

Von Alexander Heflik
Euphorie und Schmerz: Jeron Al-Hazaimeh (rechts) bekam bei seinem Siegtor eine Platzwunde am Auge verpasst, und Sinan Tekerci zerrt auch noch am Trikot beim Jubel. Die Trainer Benno Möhlmann (kl. Bild links) und Peter Vollmann verfolgten die Partie am Seitenrand.
Euphorie und Schmerz: Jeron Al-Hazaimeh (rechts) bekam bei seinem Siegtor eine Platzwunde am Auge verpasst, und Sinan Tekerci zerrt auch noch am Trikot beim Jubel. Die Trainer Benno Möhlmann (kl. Bild links) und Peter Vollmann verfolgten die Partie am Seitenrand. Foto: Jürgen Peperhowe

Fast wäre man geneigt zu sagen, der SC Preußen Münster ist die Mannschaft der Stunde in der 3. Liga. Der 2:1 (1:1)-Heimerfolg über VfR Aalen war nicht nur der dritte Sieg in Serie, das Polster zu den Abstiegsrängen wurde weiter bei komfortablen sechs Punkten gehalten, und in der Tabelle stand der Drittligist in dieser Saison noch nie so gut. Rang zwölf wäre das jetzt, wenn es bei dem Neun-Punkte-Abzug für den Lizenzverstoß der Aalener bleibt – Platz 13, wenn der in einer Planinsolvenz steckende VfR doch noch Gnade durch den Deutschen Fußball-Bund erfährt und die Punkte behält.

So oder so, die Preußen haben mit ihrer Erfolgsserie die Dinge gedreht, der Klassenerhalt rückt bei noch neun ausstehenden Partien in greifbare Nähe. „Wir sind“, sagte Siegtorschütze Jeron Al-Hazaimeh , „auf einem guten Weg. Aber wir sind noch nicht angekommen.“ Und auch Martin Kobylanski, der den 0:1-Rückstand aus der sechsten Minute durch Maximilian Welzmüller schnell mit dem Ausgleich korrigierte, sagte zunächst nüchtern zur Bedeutung des Erfolges: „Das waren drei Punkte.“ Um dann anzufügen: „Wir wollen uns nicht ausruhen. Auf jeden Fall war das noch nicht der Klassenerhalt.“

Drei Fragen an Jeron Al-Hazaimeh

Zweites Saisontor für Sie, damit den Sieg gesichert – wie fühlt sich das an?

Al-Hazaimeh: Als ich den Ball mit dem Kopf verlängert hatte, prallte ich mit einem Gegenspieler zusammen und habe kurz die Orientierung verloren. Erst als der Stadionsprecher vom 2:1 sprach, wusste ich Bescheid. Das waren dann Euphorie und Kopfschmerz zusammen. Ich blutete auch und wurde kurz behandelt.

Was ist anders bei den Preußen, wenn man auf den Saisonstart und die Phase jetzt blickt?

Al-Hazaimeh: Gute Frage. Als Team sind wir jetzt mehr zusammengewachsen. Der Ausgleich war wichtig, das war eine schnelle Antwort. Wir können alle diesmal sehr zufrieden sein. Es gibt aber noch einige Kleinigkeiten zu verbessern.

Wann haben Sie zuletzt ein Siegtor erzielt?

Al-Hazaimeh: Das war in Lotte, mit einem Elfmeter. Für die Preußen habe ich in Mainz getroffen, aber nur zum 1:3.

Benno Möhlmann hob dann natürlich auch nicht ab, eigentlich hat er schon das Auswärtsspiel am nächsten Sonntag beim SV Wehen Wiesbaden im Sinn. Bei den Hessen ist die Abstiegsgefahr ebenfalls groß, sie haben nur vier Zähler Vorsprung auf den FSV Frankfurt auf Rang 18 und die Abstiegszone.

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Es war, so meinte der 62 Jahre alte Coach, ein verdienter Sieg. Aber gleich fand er auch Ansatzpunkte, was besser zu machen sei: „Das 0:1 kassieren wir nach drei Fehlern im Paket.“ Das schmeckte ihm nicht, zumal Schlussmann Max Schulze Niehues beim „brutalen Flatterball“ nicht ganz glücklich daherkam. Und, so Möhlmann weiter: „Defensiv waren wir eigentlich sehr griffig, haben wenig zugelassen. Aber da wir viele gute Chancen nicht genutzt haben, standen wir lange auf der Kippe, obwohl ich auch denke, dass der Sieg verdient war.“

Tatsächlich gewährte der SCP über die 90 Minuten betrachtet den Gästen kaum Chancen. Vielleicht hatte Aalen die etwas flottere Spielanlage, aber viele Möglichkeiten hatte die Elf des früheren Preußen-Trainers Peter Vollmann nicht. Vier Minuten vor dem Ende musste Max Schulze Niehues dennoch Kopf und Kragen riskieren, als er gegen den früheren Münsteraner Thorsten Schulz klärte.

Braun erstarkt

Der „ungelernte“ Lennart Stoll musste als Rechtsverteidiger für den Franzosen Stéphane Tritz ran – und machte seine Sache defensiv gegen den torgefährlichen Matthias Morys stark. „Anfangs war das etwas ungewohnt, aber im Training habe ich die Position schon häufiger gespielt. Mir macht es Spaß, mit den Jungs zu kicken“, sagte das SCP-Eigengewächs. Auch Trainer Benno Möhlmann zollte Respekt: „Ich bin zufrieden mit ihm. Er macht alles mit, ist sehr lernwillig.“ Mit Tritz, Danilo Wiebe und Michele Rizzi sowie Torwart Patrick Drewes fehlten vier Akteure, die zuletzt beim 1:0-Auswärtssieg bei Werder Bremen II noch in der Startelf gestanden hatten. Stoll löste seine Aufgabe ordentlich. Für den gesperrten Wiebe kam Benjamin Schwarz ins Spiel. Rizzi, der in der Woche angeschlagen war, musste praktisch Tobias Rühle seinen Platz geben. Einer der Gewinner der letzten Partien überzeugte auch gegen Aalen: Sandrino Braun hat nach einer ganz schwachen ersten Saisonhälfte seine Form gefunden. „Wir wollten kompakt stehen, das ist uns auch gelungen“, befand er, der im zentralen Mittelfeld viele Zweikämpfe für sich entscheiden konnte.

Verschwenderisch waren die Preußen im Angriff. Mirkan Aydin und Lennart Stoll (5.) im Doppelpack, Adriano Grimaldi (8. und 18.), später ein paar Kopfbälle von Lion Schweers und Sinan Tekerci – all diese Szenen blieben ungenutzt. Jedoch hatte Kobylanski nach zwölf Minuten ein tolles Zuspiel von Benjamin Schwarz zum wichtigen 1:1 verwandelt.

Nach der Pause war es ein zäher Kampf, in dem die Preußen unverhofft durch Al-Hazaimeh (62.) nach Vorarbeit Grimaldis zum 2:1 kamen. „Wir haben uns das Leben schwer gemacht“, fand Möhlmann später treffend, durch das Chancenplus hätte die Ampel schon früher auf Sieg gestellt werden können. Am Ende wurde gefeiert, der SCP ist daheim wieder eine Macht. So einfach ist es nicht mehr, in Münster zu punkten. Es sieht aus, als hätten die Preußen das Schlimmste hinter sich.

Schwarz gesperrt

Nach 69 Minuten war für Benjamin Schwarz Schluss, der Mittelfeldspieler wurde durch Michele Rizzi ersetzt. Aber der Routinier hatte sich zuvor auch eine Gelbe Karte abgeholt, es ist die fünfte in dieser Saison – und damit wird er am kommenden Sonntag beim SV Wehen Wiesbaden pausieren müssen. Vielleicht war die Auswechselung auch eine Vorsichtsmaßnahme von Trainer Benno Möhlmann, denn der SCP führte zu diesem Zeitpunkt gerade mit 2:1 – und Schwarz wandelte als aggressiver Anführer des Preußen-Mittelfeldes natürlich am Rande einer Gelb-Roten Karte beim nächsten Foul.

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