Fußball: 3. Liga Aufbruchstimmung beim SC Preußen

Münster -

Der SC Preußen Münster hat auf seiner Mitgliederversammlung die Wogen geglättet und scheint in ruhigere Fahrwasser aufbrechen zu können. Der neue Aufsichtsrat wurde in einer harmonischen Versammlung gewählt. Mittendrin erwartungsgemäß Stadion-Guru Walther Seinsch.

Von Alexander Heflik
Die neuen Crew im Aufsichtsrat: (v.l.) Frank Westermann, Friedrich Lukas, Christoph Metzelder und Jürgen Becker. Mit im Boot sind Walther Seinsch und Clemens Große Frie.
Die neuen Crew im Aufsichtsrat: (v.l.) Frank Westermann, Friedrich Lukas, Christoph Metzelder und Jürgen Becker. Mit im Boot sind Walther Seinsch und Clemens Große Frie. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Umbauarbeiten in Präsidium und Aufsichtsrat des SC Preußen Münster sind nun abgeschlossen. Eine Rekord-Beteiligung der Mitglieder, insgesamt 468 waren vor Ort und 394 davon stimmberechtigt, segneten die Dinge zum Teil durch die Wahl des neuen Aufsichtsrates ab. Es ging erstaunlich ruhig und harmonisch daher, offenbar waren die Fronten im Vorfeld geklärt.

Das Präsidium führt weiter Christoph Strässer an, der Mitte Oktober ins Amt gekommen war als Nachfolger von Georg Krimphove. Aber Präsidiumsmitglied Walther Seinsch wechselte das Gremium, er gehört ab sofort dem Aufsichtsrat an. Letztgenanntes Gremium wurde komplett neu gewählt. Das Präsidium ist nun vierköpfig besetzt. Christoph Metzelder (292 Stimmen), Walther Seinsch (255), Dr. Clemens Große Frie (244), Frank Westermann (227), Jürgen Becker (216), und Friedrich Lukas (212) wurden gewählt. Erster Nachrücker ist Jochen Terhaar (136). Fabian Roberg schied als Vorsitzender des Aufsichtsrates nicht überraschend aus, kaum einer aus der alten Garde blieb übrig.

"

Vor sechs Wochen wäre ich hier mit Tomaten beworfen worden. Nun ist es aber wunderbar.

Walther Seinsch mit Blick auf die sportliche Entwicklung der Mannschaft

"

Fabian Roberg, war nicht vor Ort, und er erstattete auch in keiner Form Bericht über die Ereignisse der letzten Wochen seit seiner Amtsübernahme am 13. Oktober. Rechtsanwalt Hans-Georg König, der die Versammlung leitete, stellte das fest – und flog darüber hinweg.

Die Auseinandersetzung mit Walther Seinsch hat Roberg verloren. Präsident Christoph Strässer jedenfalls goss kein weiteres Öl ins Feuer in seiner Stellungnahme. Auch er ist erst seit Oktober im Amt. Sein Auftrag an diesem Abend galt eher der Versöhnung: „Ich danke allen, die in den letzten Jahren dem Verein ehrenamtlich geholfen haben.“ Georg Krimphove und Thomas Bäumer, Ex-Aufsichtsrats-Chef, nannte er explizit. Doch auch bei Strässer gab es keinen Rechenschaftsbericht, er sei zu kurz im Amt, erklärte er, und er könne die Vergangenheit nicht ändern, er blicke jetzt in die Zukunft.

Strässers zentrales Thema war das Stadion, natürlich. „Unsere klare Botschaft ist, wir wollen einen Standort in der Stadt Münster “, sagte er. Und: „2027 ein neues Stadion zu bekommen ist keine Perspektive.“ Aus Sicht des Clubs war das eine eindeutige Absage an den möglichen Standort Nieberdingstraße.

Mehr zum Thema

Preußen setzen 8,277 Millionen Euro um: Rekordumsatz und ein positives Ergebnis

Re-LiveSpannende Jahreshauptversammlung bei Preußen Münster

Solange wolle kein Preußen-Anhänger warten, so Strässer. Falls es in Münster keine entsprechenden Flächen gibt, dann müsse der Verein „das Undenkbare denken, über einen Standort außerhalb von Münster zu befinden. Diese richtungsweisende Entscheidung wird nur mit den Mitgliedern des SC Preußen Münster getroffen.“ Das ist Strässers Versprechen an die insgesamt knapp 2000 Vereinsmitglieder. Aber die Hintertür für den Auszug aus Münster ist einen Spalt geöffnet.

Martin Jostmeier, Präsidiumsmitglied und für Finanzen zuständig, blickte auf die Zahlen. Das Geschäftsjahr 2015/16 zeige, „dass die Kollegen kräftig gespart hätten“. Allerdings bemängelte er, dass das negative Eigenkapital von 1,8 Millionen Euro auf 2,0 Millionen Euro gestiegen sei, ein dritter Anstieg sei allerdings nicht zu erwarten. Die leicht positive Tendenz im letzten Quartal des Jahres würde, so Jostmeier, auch dazu führen, dass im Februar bei der Lizenzerteilung weniger Probleme seitens des DFB zu erwarten seien.

► Geehrt wurden für 50 Jahre Vereinsmitgliedschaft: Kurt Michels, Anne-Chatrine Rühlow.

Kommentar: Kein letztes Wort

Fabian Roberg hatte nichts mehr zu sagen, er mied die Jahreshauptversammlung des SC Preußen. Das Band zwischen ihm und vor allem Walther Seinsch sowie Präsident Christoph Strässer ist zerschnitten.

Aber gar nichts zu sagen? Nicht einmal eine Stellungnahme zu postulieren? Keine gute Entscheidung. Keine letzten Worte.

Machte es Präsident Strässer besser? Auch er wollte nichts zum vergangenen Jahr sagen. Zwei Gremien, keine Rechenschaft, glücklich war das alles nicht. Die Mitglieder nahmen das aber so hin.

Die Opposition mit Roberg ist nun fort, die alte Garde des Clubs in den letzten zwei Jahren nahezu komplett ausgetauscht worden. Einzig Siggi Höing ist der letzte Mohikaner im Präsidium. Der SC Preußen braucht aber auf jeden Fall eine Atempause, um sich zu sortieren, ruhiges Fahrwasser zu erreichen.

 Alexander Heflik

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4480863?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F62183%2F