Fußball: 3. Liga Vierter Dreier in Serie: Preußen Münster schlägt den Chemnitzer FC mit 1:0

Münster -

Sportlich weiter auf der Erfolgswelle schwimmt Fußball-Drittligist Preußen Münster: Am Freitagabend besiegte der SCP in seinem Heimspiel den Tabellen-3. Chemnitzer FC mit 1:0. Ein Youngster in Reihen der Adlerträger sorgte mit seinem Treffer für den Dreier.

Von Thomas Rellmann
Traf zum Tor des Tages: Youngster Tobias Warschewski bleibt in dieser Szene nur zweiter Sieger gegen Chemnitz’ Tormann Kevin Kunz. Nach 52 Minuten machte es der Preußen-Angreifer besser und traf zum Sieg.
Traf zum Tor des Tages: Youngster Tobias Warschewski bleibt in dieser Szene nur zweiter Sieger gegen Chemnitz’ Tormann Kevin Kunz. Nach 52 Minuten machte es der Preußen-Angreifer besser und traf zum Sieg. Foto: Jürgen Peperhowe

Ende Oktober noch am Boden – und im Advent schon obenauf. Was vier Liga-Siege am Stück doch bewirken können! Preußen Münster , das seine Fans im ersten Saisondrittel so gequält hatte, ist die Mannschaft der Stunde in der 3. Liga. Mit dem 1:0 (0:0) gegen den früh dezimierten, aber zuletzt so bombenstarken Chemnitzer FC schob sich das einstige Krisenteam in der Tabelle sogar für einige Stunden auf Rang 14 vor.

Trainer Benno Möhlmann, den das Publikum nach Abpfiff explizit feierte, trat aber gleich auf die Euphoriebremse. „Ich hatte schon noch Sorge, dass etwas passiert, dass wir den Vorsprung noch verlieren. Aber wir haben defensiv gut gearbeitet.“ In der Situation der Adlerträger musste sich sowieso niemand entschuldigen für den Sieg – zumal die Leistung zumindest ordentlich war. „Technisch haben wir dem Gegner vielleicht nicht immer Paroli geboten bei den Kombinationen im Mittelfeld. Aber Chemnitz war in Unterzahl zu zehnt auch noch etwas konzentrierter“, so Möhlmann.

Der Coach setzte von Beginn an auf die Jugend. Lennart Stoll begann für den gesperrten Sinan Tekerci links, Tobias Warschewski bildete die einzige Spitze. Tobias Rühle ging nach rechts, Denis Mangafic auf die Bank.

Youngster Stoll war gleich maßgeblich an der Schlüsselszene beteiligt. Er leitete den Ball elegant direkt in den Lauf von Benjamin Schwarz weiter, der Keeper Kevin Kunz vor dem Sechzehner umkurvte und dann durch einen Schubser von Alexander Bittroff vor dem leeren Tor zu Fall kam (16.). Rot für den Verteidiger war die logische Konsequenz. 

Schöneberg-Rückkehr möglich

Der SCP beschäftigt sich offensichtlich intensiv mit einer Rückholaktion von Kevin Schöneberg. Der 31-Jährige, der im Sommer nach vier Jahren in Münster keinen neuen Vertrag erhielt, kam anschließend beim niedersächsischen Regionalligisten BSV SW Rehden unter, wo er Stammspieler ist. Die Preußen sehen wohl Bedarf auf der Rechtsverteidiger-Position, auf der sich Stéphane Tritz erst zuletzt stabilisierte und Denis Mangafic noch nicht zu seiner Form gefunden hat. Ob Schöneberg bei seinem aktuellen Arbeitgeber eine Ausstiegsklausel besitzt, die ihm den Wechsel im Winter ermöglicht, ist offen.

Zunächst machte sich die Überzahl aber nicht bemerkbar. Tim Danneberg hatte für den Gast nach einer Ecke sogar die beste Chance (29.). Die Himmelblauen versteckten sich nicht, fuhren einige gefährliche Gegenstöße. Ex-Preuße Dennis Grote rückte für Bittroff zurück in die Viererkette. Der SCP agierte durchaus gefällig, es dauerte jedoch lange bis zur ersten Gelegenheit. Die hatte nach einer Flanke von Stéphane Tritz Warschewski per Kopf (37.). Ansonsten setzte der Gastgeber auf gezielte hohe Bälle, adressiert fast ausschließlich an den einzigen Angreifer, und Geduld.

Der goldene Treffer

Nach der Pause erhöhte Münster Druck und Risiko ein wenig. Das erlösende 1:0 fiel dann nach einem Konter. Jeron Al-Hazaimeh trieb den Ball nach vorn, Schwarz legte noch einen drauf und powerte die Linie entlang, ehe seine Hereingabe Warschewski am Fünfmeterraum mit perfekter Annahme und präzisem Abschluss veredelte (52.) – einfach sehenswert. Rühle hätte per Kopf nach Michele Rizzis Ecke fast nachgelegt, Daniel Frahn rettete auf der Linie (54.). Auch Schwarz besaß aus der Distanz eine Möglichkeit (60.). 

Natürlich wandelte sich das Bild mit der Führung wieder ein wenig. Die Chemnitzer mussten kommen, die Preußen staffelten sich tiefer und lauerten auf Schnellangriffe.

Möhlmann tobte an der Seite, wenn diese nicht klug ausgespielt wurden oder die zweiten Bälle nach langen CFC-Schlägen beim Gegner landeten – doch brenzlig wurde es kaum. Die Sachsen gaben ihre abwartende Haltung in Gänze erst spät auf, Münsters Hintermannschaft blieb souverän, gerade die Innenverteidiger räumten vieles in der Luft ab. Al-Hazaimeh hatte noch das zweite Tor auf dem Fuß (88.), ebenso Warschewski (90.).

Doch als kurz danach der Abpfiff ertönte, lagen sich alle Preußen jubelnd in den Armen. Erarbeitet, erkämpft, verdient? Wie auch immer – im Abstiegskampf zählen nur die drei Punkte. Und die waren im Sack.

Statistik:

Aufstellungen:

SCP: Schulze Niehues - Tritz, Kittner, Mai, Al-Hazaimeh - Wiebe, Schwarz (90. Özkara) - Rühle, Rizzi (62. Bischoff), Stoll (73. Kara) - Warschewski

CFC: Kunz - Stenzel (90. Reinhardt), Dem, Conrad, Bittroff - Jopek, Danneberg (86. Hansch) - Mast, Fink, Grote (86. Türpitz) - Frahn

Schiedsrichter: Patrick Schult (Hamburg)

Tor: 1:0 Warschewski (52.)

Zuschauer: 6333

Gelbe Karten: Al-Hazaimeh, Schwarz / Grote, Dem

Rote Karte: Bittroff (16.)

Preußen Top-Team im November

Zu schade, dass die Preußen im November durch den EM-Einsatz der Fußball-Nationalmannschaft um einen Ligaeinsatz gebracht worden sind – so waren es nur drei Partien, die der SCP im elften Monat des Jahres gewinnen konnte. Neun Punkte, 6:0 Tore: Das war mit Abstand Ligaspitze.  Der Freitagsgegner aus Chemnitz, der 1. FC Magdeburg und erstaunlicherweise auch die Amateure von Werder Bremen schafften immerhin jeweils sieben Zähler.

Münster war als Schlusslicht in den November gestartet – und hat ihn als Tabellen-17. wieder verlassen. Erstmals seit dem zweiten Spieltag stand der Club oberhalb der Abstiegsränge – und damit sind nach dem Sieg in Zwickau auch zum ersten Mal Punktprämien fällig geworden.

Im Dezember ist es möglich, diese Bilanz weiter aufzuhübschen. Das 1:0 gegen Chemnitz war der perfekte Start in die Vorweihnachtszeit. (-ag-)

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