Fußball Spieler, Trainer, BWL-Student - für Philipp Just geht alles sehr schnell

Senden/Ascheberg -

Philipp Just lässt sich selten Zeit. Als 16-Jähriger erwarb der Nachwuchskicker des VfL Senden vor zwei Jahren die B-Lizenz als Trainer. Für kommende Saison ist der Ascheberger als Spieler bei den Landesliga-Senioren des VfL eingeplant.

Von Florian Levenig
Philipp Just coacht seit 2016 in Senden, Christian Arends (r.) fördert ihn nach Kräften.
Philipp Just coacht seit 2016 in Senden, Christian Arends (r.) fördert ihn nach Kräften. Foto: VfL

Philipp Just bittet um Nachsicht, dass er nicht gleich ein Ohr für die WN hat. Das Studium, BWL in Münster („aus Überzeugung, nicht aus Verzweiflung“). Mit, klar, 18. Was in Zeiten von G 8 einerseits nicht mehr ganz so unüblich ist früher. Andererseits zeigt es, dass der junge Ascheberger sich selten länger Zeit nimmt als nötig. Auch und gerade im Fußball.

Just hat vor zwei Jahren – als Jüngster überhaupt auf Westfalenebene – die B-Lizenz erworben. Da war er 16. Seitdem darf der Teenager Männer bis zur Oberliga, Frauen bis zur zweiten Bundesliga und Junioren bis zur Regionalliga coachen. Wie man in frühester Jugend, wenn sich die allermeisten Gleichaltrigen damit begnügen, dem Ball hinterherzujagen, auf die Idee kommt, ein Traineramt zu bekleiden? Erstens, „weil mich ein Nachbar, der wusste, dass ich bei RW Ahlen relativ hochklassig spiele, gefragt hat“. Und zweitens, „weil es sehr nervig für jeden Fußballer ist, einen Trainer zu haben, der einem die Übungsinhalte falsch vermittelt“.

Und wie nervig ist es für Trainer, einen Fußballer zu haben, der schon alles kann? Just schmunzelt: „Solange das nicht in Besserwisserei ausartet und man vertrauensvoll miteinander umgeht, ist das in Ordnung.“ Mache er einen Fehler, wenn er die U 13 des VfL Senden coacht, sage er einen falschen Laufweg an, „bin ich der Erste, der das einsieht“.

"

Ein Glücksfall für die Mannschaft. Taktisch ganz weit vorn, enorm zweikampfstark, ball- wie passsicher, klasse in der Spieleröffnung, sicher vom Elfmeterpunkt.

U 19-Trainer Christian Arends über den Spieler Philipp Just

"

Allzu viele Fehler scheint Just indes nicht zu machen. Die D-Jugendlichen im Sportpark seien hellauf begeistert von den Fähigkeiten und der Ansprache des Youngsters, weiß Christian Arends . Sendens Nachwuchsleiter war es auch, der Just zurück in die Stevergemeinde, wo der bereits als Zwölfjähriger gekickt hatte, lotste. Überdies ist Arends Trainer der VfL-U 19, Just deren stellvertretender Kapitän. „Ein Glücksfall für die Mannschaft“, lobt Arends. Taktisch ganz weit vorn, enorm zweikampfstark, ball- wie passsicher, klasse in der Spieleröffnung, sicher vom Elfmeterpunkt.

Äh, gibt es auch Dinge, die der junge Alleskönner noch nicht in Perfektion beherrscht? „Doch“, lacht Arends, „Philipps Kopfballspiel. Erstaunlich bei einer Länge von 1,94 Metern.“ Aber auch wie der junge Mann mit diesem Defizit umgehe, zeige seine erstaunliche menschliche Reife: „Er arbeitet akribisch daran, seine Schwächen abzustellen, lässt keine einzige Übungseinheit aus.“

Der so Gelobte – Vorbild: Paul Pogba (Manchester United) – nennt noch ein zweites Manko: „Ich bin nicht der Schnellste.“ Mit gutem Stellungsspiel und rascher Auffassungsgabe könne man – gerade als Defensiv-Allrounder – aber vieles wettmachen: „Hat man doch bei Xabi Alonso gesehen. Ziemlich langsam, trotzdem ein überragender Fußballer.“

Ob er sich mit Blick in die Zukunft schon entschieden habe, ob er seine Trainerlaufbahn forciere oder doch lieber selbst auf dem Rasen stehe? „Im Moment macht mir beides ähnlich viel Spaß.“ Zumal er bereits einmal die Woche bei den Landesliga-Senioren des VfL mittrainiert, kürzlich zum ersten Mal in den Kader der Ersten berufen wurde und für 2018/19 bereits fest dort eingeplant ist. Nicht zu früh, sondern, nun ja, Just in Time, wie der Engländer sagen würde.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5336888?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F35335%2F