Fußball im Kreis Steinfurt
Entwicklungshilfe aus aller Welt

Kreis Steinfurt / Schüttorf -

In Schüttorf leitet der ehemalige Fußballprofi Rüdiger Schult eine „Soccer Academy“, in der junge Fußballer aus aller Welt fit gemacht werden für den deutschen Markt. Davon profitieren auch Fußballvereine aus dem Kreis Steinfurt. Und es werden immer mehr.

Montag, 29.01.2018, 15:01 Uhr

Ex-Profi Rüdiger Schult (oben li.) vermittelte vor zwei Jahren Takahiro Tanio (oben re.) an den Bezirksligisten FC Epe, von dem der Japaner über die SpVgg. Vreden den Sprung in die Oberliga schaffte. Der Kolumbianer Laiton (unten li.) spielt noch bei Emsdetten 05, während es der Argentinier David Barragan Castro 2016 bei Preußen Borghorst versuchte.
Ex-Profi Rüdiger Schult vermittelte vor zwei Jahren Takahiro Tanio an den Bezirksligisten FC Epe, von dem der Japaner über die SpVgg. Vreden den Sprung in die Oberliga schaffte. Der Kolumbianer Laiton spielt noch bei Emsdetten 05, während es der Argentinier David Barragan Castro 2016 bei Preußen Borghorst versuchte. Foto: GN

Wenn einem Fußball-Amateurligisten in der Winterpause das Wasser bis zur Oberkante Unterlippe steht, dann ist guter Rat teuer. Ab einem Niveau, das etwa im Bereich der Landesliga angesiedelt ist, wird es schwierig, in der Winterpause Spieler zu finden, die einem dann noch aus der Patsche helfen. Denn die wenigsten Vereine können es sich leisten, einen in der Oberliga aussortierten Spieler zu verpflichten. Zu teuer – daher für die meisten nicht realisierbar.

Hilfe verspricht da schon eher ein Projekt, das jenseits der Landesgrenze im niedersächsischen Schüttorf angesiedelt ist. Dort betreibt der ehemalige Fußball-Profi Rüdiger Schult (u. a. Hamburger SV und FC St. Pauli) eine „Soccer Academy“, in der Fußballer aus Afrika, Südamerika und Asien für eine höherklassige deutsche Fußball-Liga fitgemacht werden sollen. Kurzfristige, auf wenige Monate angelegte Engagements – etwa bei einem Bezirks- oder Landesligisten – sollen den 17- bis 22-jährigen Rohdiamanten als Sprungbrett dienen, um weiter oben anzuklopfen.

Im Kreis Steinfurt haben schon einige Vereine diese Hilfe in Anspruch genommen. Auch auf den SV Burgsteinfurt wäre dieses Projekt – speziell in der derzeitig prekären sportlichen Lage – zugeschnitten. Doch der heimische Landesligist hat dort bislang noch nichts Passendes gefunden. „Wir kennen das Projekt natürlich und beobachten es auch“, sagte SVB-Trainer Christoph Klein-Reesink vor einiger Zeit. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Der SC Preußen Borghorst hatte es bereits in der vergangenen Saison versucht und den US-Amerikaner Josep Chiappetta, den Argentinier David Barragan Castro sowie den Kolumbianer Samuel Sierra Osirio für die zweite Halbserie von der Schüttorfer Fußball Akademie nach Borghorst gelotst. Das Ergebnis ist bekannt. Der SC Preußen stieg trotzdem ab, und die drei Neulinge waren so schnell fort, wie sie gekommen waren. „Für einen Neuaufbau in der Kreisliga brauchen wir keine auswärtigen Spieler, die nach einem halben Jahr sowieso wieder weg sind“, sagt Borghorsts sportlicher Leiter Jürgen Weiermann; Worte, die angesichts der sportlichen Entwicklung und des Plans eines Neubeginns nachvollziehbar sind.

Wie solch ein Konzept funktionieren kann, zeigt das Beispiel zweier japanischer Spieler, die von der „Deutschen Internationalen Fußballakademie & Agentur“ (GIS), so der offizielle Name, im Winter 2016 zum Bezirksligisten FC Epe vermittelt worden waren. Nach Abschluss der Hinrunde rangierte der FCE als Tabellen-15. auf einem Abstiegsplatz. Als dann vor Beginn der Rückrunde Suguru Wakanabe und Takahiro Tanio zum Gronauer Stadtteilverein wechselten, mischten die beiden Japaner die Bezirksliga gehörig auf, und am Ende bewerkstelligte der FC Epe als Neunter sicher den Klassenerhalt. „Ohne die beiden hätte Epe das nie geschafft“, sagt ein Insider der Gronauer Fußball-Szene.

Für Tanio und Wakanabe war das der Startschuss zum Aufbruch in höhere Fußball-Sphären. Der torgefährliche Linksaußen Tanio schaffte nach einjährigem Intermezzo beim Westfalenligisten SpVgg. Vreden den Sprung zum brandenburgischen Regionalligisten FSV Luckenwalde, während es den 24-jährigen Abwehrspieler Wakanbe zum brandenburgischen Oberligisten FSV Optik Rathenow zog. Der führt derzeit mit sechs Punkten Vorsprung die Tabelle an und hat somit gute Chancen, in der kommenden Saison in der Regionalliga zu spielen.

„Bei der Auswahl der Spieler legen wir großen Wert darauf, dass sie eine schulische Ausbildung und bestenfalls sogar ein oder zwei Jahre in ihrer Heimat studiert haben“, erläutert Schult. Begehrenswert macht die Spieler nicht nur ihre – oftmals gute – fußballerische Ausbildung. Vielmehr können sie auch nach Ablauf der sogenannten Transferperioden verpflichtet werden.

Bezogen auf die jetzige Winterpause können Amateurfußballer noch bis zum 31. Januar (Mittwoch) den Verein wechseln. Vorausgesetzt, sie haben sich in der Zeit zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember bei ihrem bisherigen Verein ordnungsgemäß abgemeldet. Spieler aus der Schüttorfer Akademie unterliegen nicht diesen Bestimmungen. Sie können auch nach Schließung des Transferfensters verpflichtet werden.

Der Bedarf ist offenkundig groß. „Wir erhalten ständig Anfragen, auch von Profi-Clubs wie etwa Preußen Münster und Sportfreunde Lotte“, bestätigt Schult. Von seiner sportlichen Entwicklungshilfe profitierte auch schon der benachbarte Bezirksligist Emsdetten 05. Der kolumbianische Innenverteidiger Laiton fand den Weg von der Fußball-Akademie ebenso wie seine früheren Mitspieler Mario Bonilla, Camili Perez oder auch Roman Tsankow.

Der nächste Run auf die begehrten Kicker aus Übersee hat schon begonnen. Denn dem Vernehmen nach sollen erst am vergangenen Wochenende sieben neue Fußballer in Schüttorf angekommen. Für interessierte Clubs kommt es jetzt vor allem auf eines an: Rasch zu handeln. Denn wer zuerst kommt, mahlt bekanntlich zuerst. Das gilt auch – und gerade – im Fußball.

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