Reiten: K+K-Cup Das Beste kommt zum Schluss

Münster -

Das war schon kernig, wie Daniel Engbers und Evening Black im Stehen der ersten Qualifikation zum Großen Preis die Zuschauer in der Halle Münsterland verzückten. Ihr Vorsprung im Ziel: 3,5 Sekunden.

Von Henner Henning
Nicht zu schlagen: Daniel Engbers und Evening Black.
Nicht zu schlagen: Daniel Engbers und Evening Black. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Letzten werden die Ersten sein. Daniel Engbers und Evening Black nahmen diese biblische Redewendung wörtlich. Als elftes und damit letztes Paar ritten sie im Stechen der ersten Qualifikation zum Großen Preis ein und zauberten eine traumhafte Runde in den Parcours. 3,5 – in Worten: drei Komma fünf – Sekunden legten sie zwischen sich und den lange führenden Jan Wernke mit Queen Mary. Eine kleine Welt im Reitsport, ja sogar fast mehr.

„Dass es so viel ist, hätte ich nicht gedacht. Ich wollte was riskieren und habe dann eine super Linie erwischt“, sagte Engbers. Und da sich zu seinem reiterlichen Können noch die hohe Qualität seines Wallachs gesellte, hatte die Konkurrenz das Nachsehen. „Wir vertrauen uns blind“, sagte Engbers, der den zwölfjährigen Evening Black seit drei Jahren unter dem Sattel hat – und von Anfang an eine besondere Verbindung zu ihm verspürte. „Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl mit ihm, habe ihm aber dann noch Zeit gegeben. Jetzt hat er viel Erfahrung und gibt immer 150 Prozent.“

Die Folge: Siege wie am Freitag in der Halle Münsterland, in der der Springreiter des RV Südlohn-Oeding auch ein wenig Glück hatte. Denn eingangs der im Stechen zweifachen Kombination wackelte die Stange gewaltig. Doch als ob jemand Pattex unter die Holzlatte geschmiert hätte, blieb sie liegen – und der Triumph des 31-Jährigen, der seit gut einem Jahr bei Marcus Ehning als Bereiter tätig ist („Dort lerne ich eine Menge, dort hole ich mir den Feinschliff“), war perfekt.

So blieb für Wernke (RSC Handorf-Langenberg) mit seiner Stute Platz zwei. Der Vizemeister der Berufsreiter hatte die erste Richtzeit (36,95 Sekunden) gesetzt, die lange Bestand hatte. Die Konkurrenz biss sich die Zähne an der Vorgabe aus, sofern sie überhaupt in dem anspruchsvollen Stechen fehlerfrei blieb. Markus Brinkmann (RFV von Lützow Herford) drehte mit dem beim Eintritt laut wiehernden Quick Fire eine schnelle, feurige Runde – doch trotz des Signals seines Hengstes war der Ostwestfale eine knappe Sekunde langsamer als Wernke.

Spätestens jetzt aber war die Jagd auf den Führenden richtig eröffnet, Zascha Nygaard trat ordentlich auf das Gaspedal. Die Wahl-Albachtenerin – die Dänin ist mit Jens Baackmann liiert – zeigte mit Chameur einen flüssigen und absolut vorzeigbaren Ritt. Allein 41 Hundertstel dauerte er zu lange, dies bedeutete den guten dritten Platz in der Endabrechnung

Dass aber die Wernke-Zeit zu schlagen war, demons­trierte schon vor Engbers eine junge Amazone, die den Heimvorteil deutlich hörbar von den Rängen vernehmen durfte. Mit viel Tempo, aber gleichzeitig der nötigen Präzision fegte die 21-jährige Marie Schulze Topphoff (RV Roxel) mit Safira durch den Parcours und unterbot die bis dahin geltende Topzeit. Einziger Makel: Auf dem langen Weg zum letzten Hindernis passte die Distanz nicht mehr zu 100 Prozent – die Stange fiel, die Führung war dahin. Mit vier Strafpunkten wurde sie Achte.

Vielleicht ist es für Schulze Topphoff ein kleiner Trost, dass ihre 36,32 Sekunden ohnehin nicht zum Sieg gereicht hätten. Denn das Beste hatte sich die Dramaturgie mit dem Engbers-Ritt für den Schluss aufbewahrt.

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