American Football: Super Bowl
Ränder unter den Augen – Eagles-Fans machen die Nacht zum Tag

Seppenrade/Davensberg -

In der Nacht auf Montag steigt in den USA das 52. NFL-Finale. Zwei Spieler aus unserem Verbreitungsgebiet verfolgen das Duell zwischen Patriots und Eagles mit besonderem Interesse – und drücken beide demselben Team die Daumen.

Sonntag, 04.02.2018, 01:02 Uhr

All-American Boy Tom Brady könnte sich in der Nacht auf Montag als erster Spieler überhaupt den sechsten Super-Bowl-Ring anstecken. Lisa Tegtmeier und Leon Breimann (kl. Bilder) halten dagegen.
All-American Boy Tom Brady könnte sich in der Nacht auf Montag als erster Spieler überhaupt den sechsten Super-Bowl-Ring anstecken. Lisa Tegtmeier und Leon Breimann (kl. Bilder) halten dagegen. Foto: dpa/chrb/privat

Einen Sieger hat der Super-Bowl, der nicht nur American-Football-Fans rund um den Globus elektrisiert, schon mal: Leon Breimann . „Da ich Student bin und Semesterferien habe, kann ich am Montag schön auspennen“, freut sich der Seppenrader, der in der vergangenen Saison für den hiesigen Oberligisten Münster Blackhawks auflief.

Lisa Tegtmeier muss dagegen – falls sie es überhaupt in die Schule schafft – mit Rändern unter den Augen rechnen, so dunkel wie jene Striche, die sich US-Profis ins Gesicht malen, um während des Spiels nicht geblendet zu werden. Die Alternative – früh schlafen zu gehen – ist für die erst 15-jährige Davensbergerin, die für das Damen-Team der Münster Mammuts in der NRW-Liga startet, keine. „Natürlich“ werde sie sich das NFL-Finale anschauen, das, zumindest in den Staaten einen Stellenwert hat wie bei uns Olympia , Champions League und Tour de France. Zusammen.

Emotionen, Superstars und Barbecue: Elf Gründe, den 52. Superbowl zu schauen

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  • Es ist brutal, die Regeln sind kompliziert und ein Spiel dauert viel zu lange. Das waren drei oft genannte Gründe, warum sich American Football in Deutschland lange Zeit nicht etablieren konnte. Diese Ansichten haben sich inzwischen verschoben. Hier kommen zehn Punkte, die den Reiz und die Attraktivität des Footballs ausmachen. Tobias Kemberg nennt elf gute Gründe, warum es sich lohnt die Nacht von Sonntag zu Montag vor dem Fernseher zu verbringen.

    Es ist brutal, die Regeln sind kompliziert und ein Spiel dauert viel zu lange. Das waren drei oft genannte Gründe, warum sich American Football in Deutschland lange Zeit nicht etablieren konnte. Diese Ansichten haben sich inzwischen verschoben. Hier kommen zehn Punkte, die den Reiz und die Attraktivität des Footballs ausmachen. Tobias Kemberg nennt elf gute Gründe, warum es sich lohnt die Nacht von Sonntag zu Montag vor dem Fernseher zu verbringen.

    Foto: Tim Donnelly
  • Historie: Obwohl die Geschichte der National Football League (NFL) bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts zurückreicht, sind es vor allem die Stars aus den 70ern, 80ern und 90ern wie Quarterback Joe Montana (San Francisco) oder „Sweetness“ Walter Payton (Runningback, Chicago) sowie berühmte Teams aus diesen Dekaden wie die Pittsburgh Steelers (vier Meisterschaften zwischen 1974 und 1979), die den Legendenstoff gesponnen haben.

    Foto: Steven Senne
  • Attraktivität für das Fernsehen: „Die angreifende Mannschaft hat vier Versuche, um zehn Yards auf dem Feld zu überbrücken. Das passt perfekt in den Fernsehbildschirm“, beschreibt Michele Tafoya, warum Football im Fernsehen so gut zu verfolgen ist. Die 53-Jährige wird am Sonntag für den Sender NBC als Feldreporterin aktiv sein. „Jeder weiß jederzeit, worum es geht und was passiert.“

    Foto: David J. Phillip
  • Emotionen: Packende Schlussphasen wie im Conference-Halbfinale zwischen den Minnesota Vikings und den New Orleans Saints vor drei Wochen, als die Vikings mit dem letzten Spielzug und auslaufender Uhr doch noch unerwartet zum Sieg kamen, begeistern im Stadion und vor dem Fernseher gleichermaßen. Das bewies auch der Super Bowl vor einem Jahr, als die New England Patriots nach einem 25-Punkte-Rückstand gegen die Atlanta Falcons in der Verlängerung triumphierten.

    Foto: Winslow Townson
  • Gladiatorenkampf: Elegant oder explosiv über das Feld laufende Runningbacks, spektakuläre Pässe von Quarterbacks oder der Kampf zwischen Offensive und Defensive Line mit 140-Kilogramm-Kolossen – Football erinnert an Gladiatorenkämpfe. „Es vereint Schönheit und Brutalität. Das gefällt den Leuten einfach“, sagt Michele Tafoya.

    Foto: Matt Rourke
  • Stadionerlebnis: Zu einem guten Football-Sonntag in den USA gehört für viele Stadionbesucher das Babecue vor Spielbeginn auf dem Parkplatz. Beim „Tailgaiting“ wird gegrillt, Bier getrunken und über Football geredet. Oftmals sind die Fans bereits drei bis vier Stunden vor dem Kickoff vor Ort.

    Foto: Charles Baus
  • Spiele in Europa: 2007 begann die NFL damit, reguläre Saisonspiele in London auszutragen. Aus einem Versuch wurde eine Erfolgsgeschichte. 2017 fanden erstmals vier Begegnungen in England statt, zu denen mehr als 300 000 Zuschauern kamen. Die Orientierung in Richtung Europa hat der Liga nicht nur ordentliche Einnahmen sondern auch Zehntausende neue Fans außerhalb Nordamerikas beschert.

    Foto: John G. Mabanglo
  • Quarterbacks: Tom Brady (New England Patriots), Drew Brees (New Orleans Saints) oder Aaron Rodgers (Green Bay Packers) – Quarterbacks sind die „Dirigenten des Angriffs“, Stars der Teams und Vorbilder für die Jugend. Keiner anderen Position in einer Sportart wird derart viel Bedeutung zugeschrieben. Jedes Kind, das mit dem Footballspielen beginnt, möchte Quarterback werden. Schon in der High School und auf dem College sind die Spielmacher Stars.

    Foto: Charles Krupa
  • Komplexität der Regeln? Football zu verstehen ist nicht einfach. Es gibt unzählige Regeln, doch letztlich sind nur ein paar von ihnen entscheidend, um dem Spiel folgen zu können. Die angreifende Mannschaft hat vier Versuche Zeit, den Ball mindestens zehn Yards vorwärts zu bewegen. Gelingt dies nicht, wechselt das Angriffsrecht. Erreicht ein Team mit dem Ball die gegnerische Endzone gibt es sechs Punkte für einen „Touchdown“, für ein „Field Goal“ (Feldtor) gibt es immerhin drei. Gespielt wird vier Mal 15 Minuten.

    Foto: Matt Slocum
  • TV-Präsenz in Deutschland: Seit einigen Jahren zeigt die Pro Sieben/Sat.1-Gruppe sonntags Livespiele der NFL mit deutschem Kommentar. „Netzexperte“ Christoph „Icke“ Dommisch und Experte Patrick Esume, der selbst Trainer ist, haben sich zu echten „Kultfiguren“ entwickelt. „Manchmal kann ich immer noch nicht glauben, wer alles inzwischen Football schaut“, sagt Esume verwundert.

    Foto: Winslow Townson
  • Spielplan: Die Football-Saison läuft von Anfang September bis zum ersten Februar-Sonntag. Anders als beim Basketball oder Eishockey ist jedes der 16 regulären Saisonspiele von großer Bedeutung. Und in den Playoffs gibt es keine Serien. Nur wer im Januar ungeschlagen bleibt, erreicht den Super Bowl.

    Foto: David Maialetti
  • Halbzeitpause: Es ist Super-Bowl-Time in the home of the brave und the land of the free – und Justin Timberlake singt.

    Foto: Morry Gash

Tegtmeier verfolgt das Endspiel – wie Breimann und viele andere Football-Fans aus der Region – im Cineplex Münster. Und beide schlagen sich auf die Seite des Underdogs, die Philadelphia Eagles. „Ist doch langweilig, wenn immer bloß die New England Patriots gewinnen“, findet der Seppenrader. Allein fünf Mal seit der Jahrtausendwende holte das Team aus Foxborough, Massachusetts, die Trophäe.

Brady redet zu viel

Tegtmeier kann auch Tom Brady, den Star-Quarterback der Neuengländer, nicht sonderlich leiden, „der diskutiert ständig mit den Referees“. Immerhin erkennen Breimann und sie an, dass der 40-Jährige vielleicht der Allergrößte seiner Zunft sei. Dass Brady die 52. Finalausgabe quasi im Alleingang entscheidet, glauben die hiesigen Footballer indes nicht. „Das Team, das besser verteidigt, gewinnt den Super Bowl “, mutmaßt der Mann aus dem Rosendorf, selbst D-Liner, also Abwehrmann.

Tegtmeier ist Angreiferin (Running Back), pflichtet Breimann in dem Punkt aber bei: „Die beste Offensive nutzt dir wenig, wenn die gegnerische Hintermannschaft auf Zack ist und jeden Spielzug unterbindet.“ Das Problem für Tegt­meier, Breimann und vor allem die Eagles: Patriots-­Headcoach Bill Belichick gilt als begnadeter Defensivtaktiker.

Defense entscheidet

Die Feinheiten dieser hochkomplexen Sportart müsse man gar nicht kennen, um sich einen schönen Fernseh- oder Kinoabend zu machen, glaubt die junge Davensbergerin. Wenn etwa der Wide Receiver einen 50-Yard-Pass des Regisseurs spektakulär aus der Luft pflücke, könnten sich auch Laien daran ergötzen. Den Rest erkläre dem Gelegenheitszuschauer das fachkundige Pro-Sieben-Moderatoren-Team.

Auch in Deutschland erreicht der Super Bowl – trotz arbeitnehmerunfreundlicher Kick-off-Zeit (0.30 Uhr) – inzwischen ein Millionenpublikum. Breimann glaubt, dass das Mega-Ereignis in der Nacht auf Montag den lokalen Hype – die Ortsderbys zwischen Blachkhawks und Mammuts verfolgten in der Vorsaison jeweils 2000 Münsteraner – zusätzlich befeuere. Und das sei auch gut so. Die Falken, sein Team, seien immer auf der Suche nach „Big Men“, also große, kräftige Verteidiger. Zumal er selbst, aus Studiengründen, 2018 schweren Herzens eine Auszeit vom Football nehme.

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