Spendenaktion der Zeitungsgruppe Münsterland und Unicef Mangelernährung setzt Babys besonders zu

BentIU -

Die rostigen Karossen ausgebrannter Autos und die alten Panzer an der Straße nach Bentiu erzählen die Geschichte der heftigen Kämpfe, die 120.000 Menschen im Südsudan in die Flucht geschlagen haben. Sie fanden Schutz im nahe­ gelegenen Camp der Vereinten Nationen. Inmitten des Chaos steht das Bentiu-Hospital. Das baufällige und mit Einschüssen übersäte Krankenhaus wurde schon mehrfach geplündert, fast das komplette Material war verschwunden.

Ein spezielles Maßband gibt wichtige Hinweise. Zeigt es beim Messen des Oberarms „Rot“, ist eine Mangelernährung sehr wahrscheinlich. Dann ist schnelle Hilfe nötig.
Ein spezielles Maßband gibt wichtige Hinweise. Zeigt es beim Messen des Oberarms „Rot“, ist eine Mangelernährung sehr wahrscheinlich. Dann ist schnelle Hilfe nötig. Foto: © UNICEF/UN055444/Modola

Samual Duop arbeitet im Ambulanz-Therapie-Programm OTP. Zusammen mit seinen Kollegen untersucht er jeden Montag und Dienstag mindestens 40 Kinder mit Verdacht auf Mangel­ernährung. Die Mütter bringen die Kinder ins Krankenhaus, wo sie zunächst ge­wogen und gemessen werden. Außerdem wird der Umfang des Oberarms mit einem speziellen Maßband ermittelt: Zeigt das Sichtfeld Rot, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Kind akut unter schwerer Mangel­ernährung leidet.

Fertignahrung lässt Kinder zu Kräften kommen

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef , Partner unserer Spendenaktion, unterstützt das Programm mit Medikamenten und spezieller therapeutischer Fertignahrung, die Kinder wieder zu Kräften kommen lässt. Zudem berät Unicef Eltern und unterernährte werdende Mütter.

Zur Spendenaktion Foto: Grafik Stetzkamp

Im Oktober 2014 waren die Mitarbeiter wegen anhaltender Kämpfe tagelang im Krankenhaus eingeschlossen. Inzwischen sind die Kämpfe beendet. Viele der Geflüchteten kommen langsam zurück, um Schutz zu suchen in leer stehenden Regierungsgebäuden und Geschäften. In der UN-Schutzzone nahe Bentiu gibt es keinen zusätzlichen Platz.

Frauen fliehen vor Kämpfen im Süden

Samual Duop zeigt auf sechs Frauen, die auf dem Fußboden der leeren Station hocken. Leise fächeln sie sich Luft zu, einige halten ein ­Baby im Arm. Ein typisches Bild, wie Duop betont: „Im Süden der Provinz Unity wird weiter gekämpft, deshalb kommen immer mehr Frauen zu uns in den Norden. Und weil es nach wie vor an Nahrungsmitteln mangelt, ist das Leben sehr schwierig.“

In einem anderen Raum ist Santino Gatloy ganz aufgeregt. Er ist Ernährungs­berater auf der Stabilisierungs-Station und hat gerade gute Nachrichten bekommen über ein Baby, das er einen Monat lang ambulant behandelt hat. „Sie macht Fortschritte“, strahlt er. „Sie hat fast ein Kilogramm zu­genommen, seit sie zu uns gekommen ist.“

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Seit ich sie hergebracht ­habe, geht es ihr so viel besser.

Mutter Nyamnora That

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Als die sieben Monate alte Wyawech Kiak Gany in die Klinik gebracht wurde, wog sie gerade mal fünf Kilogramm. Sie litt unter akuter Mangelernährung und musste im Stabilisierungszentrum bleiben, wo Kinder mit Komplikationen und Appetitlosigkeit behandelt werden. Drei Wochen später wiegt sie 5,9 Kilogramm. „Seit ich sie hergebracht ­habe, geht es ihr so viel besser“, sagt ihre Mutter Nyamnora That.

Mehr als eine Million Hunger leidende Kinder im Südsudan

Experten gehen davon aus, dass im Jahr 2017 mehr als eine Million Kinder im Südsudan unter Hunger leiden, 276.000 sind in akuter Gefahr und brauchen sofort lebensrettende Hilfe. Als Reaktion plant Unicef, 12.000 Kartons mit therapeutischer Fertignahrung bereitzustellen.

„Mangelernährung führt häufig zu medizinischen Komplikationen“, verdeutlicht Krankenhaus-Mitarbeiter Jacob Gatdet. „Wir ver­abreichen Antibiotika oder Babymilch – aber wir haben nur eine einfache Aus­stattung und beschränktes Material. Die Kämpfe müssen endlich aufhören, damit wir ein richtiges Gesundheitssystem aufbauen können!“

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