Hilfe kommt aus der Luft Unicef mit Hubschraubern im Südsudan unterwegs

Münster/Juba -

Diese Szene möchte niemand gern erleben: Kurz nach der Hubschrauber-Landung in Thonyor sagt ein Sprecher des Welternährungsprogramms mit ernster Mine: „Wir sind hier im Oppositionsgebiet. 20 Minuten Autofahrt von hier stehen Regierungstruppen. Es ist sehr unwahrscheinlich, aber für den Fall, dass sich diese Truppen in unsere Richtung in Bewegung setzen, lauft bitte nach Westen und sucht auf den Nil-Inseln Schutz!“ Wo ist Westen? Wieso soll es dort sicher sein? Die Kräfte der Einsatzgruppe sind besorgt. Unter ihnen: Unicef-Mitarbeiterin Angela Griep.

Von Gunnar A. Pier
Weiße UN-Hubschrauber über dem Südsudan: Das Welternährungsprogramm und Unicef bringen Nahrungsmittel, aber auch medizinische Hilfe und Betreuung ins Hinterland.
Weiße UN-Hubschrauber über dem Südsudan: Das Welternährungsprogramm und Unicef bringen Nahrungsmittel, aber auch medizinische Hilfe und Betreuung ins Hinterland. Foto: Unicef

„Es gibt viele Gegenden, zu denen wir sonst keinen Zugang hätten“, erklärt die deutsche Mitarbeiterin im Unicef-Büro in Juba, Südsudan. Häufig sind die Straßen zu schlecht und in der Regenzeit unpassierbar. Aber auch die andauernden Kämpfe zwischen Regierungstruppen, Oppositionellen und vielen Splittergruppen sorgen für akute Gefahr.

Deshalb starten die Helfer von UN-Welternährungsprogramm und dem Kinderhilfswerk Unicef regelmäßig Einsätze, die sie „Rapid Response Missions“ (RRM) nennen: Mit dem Hubschrauber bringen sie Hilfe ins Hinterland.

Hilfseinsätze mit dem Helikopter

Die Einsätze laufen nach einem ähnlichen Schema ab. Mit einem Hubschrauber kommen die Helfer der Vereinten Nationen aufs Land. Dort rekrutieren sie freiwillige Helfer, die sich auf den Weg in die umliegenden Dörfer machen und die Nachricht verbreiten: Hilfe ist da!

Tausende Menschen kommen dann zusammen. Sie lassen sich registrieren, um Lebensmittelrationen zu bekommen. „Diese Zusammenkünfte nutzten wir für unsere Zwecke“, erklärt Angela Griep .

Kinder und Jugendliche im Fokus

Unicef hat die Kinder und Jugendlichen im Blick. Bei den RRM-Einsätzen wird also passende medizinische Hilfe angeboten. Die Mitarbeiter bieten Impfungen gegen Cholera und Polio an, halten Ausschau nach unterernährten und unbegleiteten Kindern, ermitteln in Gesprächen Fälle von Misshandlungen und Missbrauch.

Diese Hilfen den Menschen im Umfeld der Lebensmittelausgabe anzudienen, ist ein kleiner Trick. „Nahrung ist ein großer Pull-Faktor“, erklärt Angela Griep. Dass ihnen und ihren Kindern etwas zum Essen fehlt, wissen alle Menschen. Doch für medizinische Belange fehlt manchmal das Bewusstsein.

Beispiel Impfungen: „Menschen, die keinerlei Bildung haben, ist manchmal nicht klar, warum sie stundenlang zu einer Krankenstation laufen sollen, obwohl ihr Kind gesund ist.“ Wird ihnen hingegen eine Impfung aktiv angeboten, „gibt es keine Widerstände“.

Keine nachhaltige Versorgung

So bringen die Unicef-Mitarbeiter Woche für Woche Hilfe zu den Menschen im Südsudan. Fünf Missionen pro Monat sind es derzeit, Tendenz steigend. „Das kann aber nur eine Übergangslösung sein“, sagt Angela Griep. Nachhaltig lasse sich eine Versorgung so nicht gewährleisten.

Ist es also manchmal frus­trierend zu wissen, dass die Hilfe nur punktuell wirkt? Angela Griep: „Ich konzen­triere mich darauf, was ich tun kann. Zum Glück habe ich meistens keine Zeit darüber nachzudenken, wie vielen Menschen ich jetzt gerade nicht helfen kann. Man muss sich leider damit abfinden, dass man nicht überall sein kann.“ Schlimm sei aber, wenn kurz nach einem RRM-Einsatz die Kämpfe wieder ausbrechen „und wir nur noch die Scherben aufsammeln können“.

Die Angst vor kriegerischer Gewalt bestimmt das Leben der Menschen im Südsudan – aber beeinflusst auch die Arbeit der Helfer. Bei Angela Grieps Einsatz haben sich keine Truppen in Bewegung gesetzt.

Mehr zum Thema

Dürre in der früheren Kornkammer: Krieg und Konflikte sorgen für Hungerkrise im Südsudan

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5129891?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F1604524%2F5129885%2F