Dürre in der früheren Kornkammer Krieg und Konflikte sorgen für Hungerkrise im Südsudan

JUBA -

Die Region Equatoria im Südsudan war einmal bekannt für ihre Landwirtschaft und eine Fülle an Lebensmitteln. Doch nach mehr als drei Jahren Krieg herrscht auch hier inzwischen eine Hunger-Krise. Südsudans Kornkammer gibt es nicht mehr. Das ist eine tragische Entwicklung, die vielerorts in dem kriegsgebeutelten Land zu finden ist.

In vielen Regionen im Südsudan gedeiht derzeit nichts. Wegen immer wieder aufflammender Kämpfe können die Menschen die Felder nicht bestellen
In vielen Regionen im Südsudan gedeiht derzeit nichts. Wegen immer wieder aufflammender Kämpfe können die Menschen die Felder nicht bestellen Foto: Phil Hatcher-Moore

Im Südsudan, dem jüngsten Land der Erde, brach im Dezember 2013 ein Bürgerkrieg aus. Es gab viele Bemühungen, den Frieden zurückzubringen, doch die Kämpfe dauern seit fast vier Jahren an. Die Vereinten Nationen schätzen, dass rund 1,9 Millionen Menschen auf der Flucht vor Armut und Gewalt sind.

Im Juli 2016 flammten die Konflikte auch in der Hauptstadt Juba und in Regionen wie Equatoria wieder auf, die eigentlich bereits friedlich waren. Doch sie gerieten in die Spirale der Gewalt, angefacht durch verschiedene Milizen, Rebellengruppen und Kräfte mit unterschiedlichen Zielen.

Felder können nicht bestellt werden

Wegen der allgegenwärtigen Gefahr können die Menschen in Equatoria ihre Felder nicht mehr bestellen. Sie leben von Mango-Früchten, die sie entlang der Hauptstraßen und auf dem Land finden. Im April und Mai sieht man überall Männer mit langen Stangen, mit denen sie die Früchte von den Bäumen holen. Kleine Kinder auf dem Weg zur Schule sammeln reife Früchte auf.

Die Nahrungsknappheit wird deutlich in einem der beiden verbleibenden Gesundheitszentren außerhalb der Stadt Yei. In einem dunklen Raum sitzt Jane Jama mit ihren einjährigen Zwillingen Victoria und Bismark. Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass ein Kind deutlich gesünder und größer ist.

Unterernährung der Kinder

„Sie hatten beide Fieber“, erklärt die junge Mutter. „Ich bin mit ihnen hierher gekommen, weil einer nichts mehr gegessen hat“, berichtet Jane. Im Gesundheitszentrum, das in einem ungenutzten Gebäude im Stadtteil Lomoku untergekommen ist, stellte sich dann heraus, dass Victoria leicht unterernährt ist, bei Bismark wurde eine schwere Unterernährung festgestellt.

Der Vater der Zwillinge ist tot. „Er wurde von Soldaten erschossen, als er im Wald Holzkohle herstellte“, erzählt Jane Jama. „Ich kann nicht mehr rausgehen und nach Nahrung suchen. Ich habe mit meinem Mann zusammen etwas angebaut – aber das ist jetzt schwierig.“

Hungerkrise

Jama ist eine von 40 Leuten, die täglich die Gesundheitsstation besuchen. Das Zentrum wird immer wichtiger für die Einwohner von Yei, seit wegen der wachsenden Gefahren viele ähnliche Einrichtungen geschlossen wurden.

Die Unsicherheit und die Massenflucht aus dem benachbarten Uganda machen das Säen und Ernten nahezu unmöglich in der eigentlich so fruchtbaren Region, die einst auch die Hauptstadt Juba versorgt hat. Ein Umstand, der an vielen Stellen im Land anzutreffen ist. Und so leiden inzwischen selbst Regionen unter der Hungerkrise, die von den Kämpfen gar nicht direkt betroffen sind.

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