Zwei Minister aus dem Münsterland
Kanzlerin beruft Karliczek und Spahn

Berlin/Tecklenburg/Ahaus -

Paukenschlag inmitten der GroKo-Wehen in der Bundeshauptstadt: Das Münsterland soll nach dem Willen der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel gleich mit zwei Ministern im neuen Bundeskabinett vertreten sein.

Sonntag, 25.02.2018, 16:02 Uhr

Die Abgeordnete Karliczek aus Tecklenburg soll Bundesbildungsministerin werden. Foto: Tobias Koch

Erwartungsgemäß wird der Ahauser Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, das Gesundheitsressort von Hermann Gröhe übernehmen. Eine faustdicke Überraschung aber ist die Nominierung der Tecklenburgerin Anja Karliczek für das Amt der Bundesbildungs- und Forschungsministerin. Die 46-Jährige, binnen kurzer Zeit aufgestiegen zur parlamentarischen Geschäftsführerin der Unionsfraktion, soll das Amt von Johanna Wanka übernehmen.

Den Online-Medien war es am späten Samstagabend um 22.42 Uhr gar eine Eil-Meldung wert: In Berlin kursierte Merkels vorläufige CDU-Minister-Liste für die angepeilte Wiederauflage der großen Koalition – und Kanzlerinnen-Kritiker Jens Spahn findet darauf Berücksichtigung.

Keine große Überraschung, denn die CDU-Vorsitzende musste – und wollte – ihre Kritiker und die Kritiker des mit der SPD ausgehandelten Koalitionsvertrages vor dem heute stattfindenden CDU-Abstimmungskongress mit neuen Personalien besänftigen.

JensSpahn (CDU) kommt am Vortag des Bundesparteitags der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) zu den Sitzungen von Präsidium und Bundesvorstand im Konrad-Adenauer-Haus.

JensSpahn (CDU) kommt am Vortag des Bundesparteitags der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) zu den Sitzungen von Präsidium und Bundesvorstand im Konrad-Adenauer-Haus. Foto: dpa

Jens Spahn vorerst am Ziel

Seine Karriere plante Jens Spahn genau, wohl von Kindesbeinen an – das Ziel der höheren politischen Weihen immer im Blick. Vorsitzender des BDKJ, von 1999 bis 2006 Chef der Jungen Union im Kreis Borken. 2005 übernahm der heute 37-Jährige den Kreisverband der Borkener CDU, der auch im Bezirksverband der CDU-Münsterland ein gehöriges Machtzentrum ist. Eine solide Machtbasis, ein sicherer Wahlkreis dazu: 2002 zog der gebürtiger Ahauser erstmals als jüngster Abgeordneter der CDU in den Bundestag, verteidigte sein Mandat seitdem immer wieder mit Wahlergebnissen von 50 plus. Mit Fleiß und Akribie arbeitete er sich auf der Bundesebene in das schwierige Thema Gesundheitspolitik ein, wurde 2009 gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Spahn, der seine Homosexualität vor einigen Jahren öffentlich machte und jetzt mit einem Berliner Journalisten verheiratet ist, setzte erste Nadelstiche in Richtung der Parteispitze. Die 2008 geplante Rentenerhöhung nannte er ein „Wahl-Geschenk für Rentner“. Und er bediente das konservative Klientel mit Forderungen nach einem Islamgesetz inclusive eines Verbots von „Import-Imanen“. Auf dem Parteitag 2016 wagte er die offene Konfrontation mit Angela Merkel, als Spahn sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aussprach. Spahn war seitdem sehr häufig in Talkshows zu sehen, wurde von Bundes-Finanzminister Wolfgang Schäuble im gleichen Jahr zum Finanzstaatssekretär ernannt. Auch hier arbeitete sich der studierte Betriebswirt schnell in die Materie ein. Jetzt also die Krönung mit der Berufung zum Gesundheitsminister – vorerst.

...

Die Tecklenburgerin Anja Karliczek hingegen hatte niemand auf dem Zettel. Die Tochter einer Brochterbecker Hoteliersfamilie gehört dem Bundestag erst seit 2013 an, ungewöhnlich schnell machte sie Karriere in der Fraktion - und die Kanzlerin auf sich aufmerksam.

Mit Spahn, Karliczek und Kultur-Staatsministerin Monika Grütters kämen drei Top-Personalien aus dem Münsterland. Der Osten Deutschlands geht leer aus.

Anja Karlizcek - Steile Karriere von Tecklenburg nach Berlin

Die 47-Jährige ist erst seit fünf Jahren im Bundestag, hat sich aber seitdem fachliches Ansehen nicht nur in der Fraktion erworben. Seit Januar 2017 ist die CDU-Politikerin aus dem Kreis Steinfurt parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Bundestagsfraktion. Die Fraktion hatte bei Merkel offenbar vor der Benennung der Minister darauf gedrungen, für das Amt der Bildungsministerin auch eine „Frau aus der Fraktion“ zu berücksichtigen, keine Seiteneinsteigerin. Karliczek wurde 1971 in Ibbenbüren geboren. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau arbeitete die dreifache Mutter, die mit einem Piloten verheiratet ist, seit 1994 im familieneigenen Hotel Teutoburger Wald im Management. Über die Arbeit bei der Frauen-Union kam Karliczek, die an der Fernuniversität noch ein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte, in die Kommunalpolitik in Tecklenburg. Bei der Bundestagswahl 2013 gewann sie für die CDU den Wahlkreis Steinfurt III. Als ihren politischen Schwerpunkt bezeichnet sie selbst die Arbeits- und Sozialpolitik, ihre Berufung zur Bundesbildungsministerin kommt daher einigermaßen überraschend. Karlizcek gilt auch als Vertraute des einflussreichen CDU-Bezirkschefs Karl-Josef Laumann, der selbst aus dem Kreis Steinfurt stammt. Von Frank Polke

...

Am Sonntagabend bestätigte Merkel die CDU-Minister-Riege. Sie sprach von einer „guten Mischung aus Erfahrung und neuen jungen Gesichtern“. Ursula von der Leyen bleibt Verteidigungsministerin, das Wirtschaftsministerium fällt an den bisherigen Kanzleramtschef Peter Altmaier. Julia Klöckner kennt das Agrar-Ressort aus ihrer früheren Zeit als Staatssekretärin - nun soll die einstige Weinkönigin auf den Chefsessel rücken. Helge Braun soll das Kanzleramt managen und dort auch das Thema Digitalisierung bündeln. Vorausgesetzt, die große Koalition kommt.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5550488?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F1614511%2F
Entschuldigung nach Ilyas Tod
Prozess: Entschuldigung nach Ilyas Tod
Nachrichten-Ticker