G 9 wird bald wieder zum Regelfall Land beendet Schulzeitverkürzung

Düsseldorf -

Die Gymnasien in NRW können sich auf die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren vorbereiten. Am Dienstag hat das schwarz-gelbe Kabinett den Gesetzentwurf von Schul­ministerin Yvonne Gebauer (FDP) verabschiedet und damit das Ende der Schulzeitverkürzung eingeläutet: Ab dem Schuljahr 2019/20 wird G 9 wieder zum Regelfall an den Gymnasien.

Von Hilmar Riemenschneider
G 9 wird bald wieder zum Regelfall: Land beendet Schulzeitverkürzung
Foto: dpa

Die erste Abiturienten-Generation im neuen System wird 2027 von den Schulen abgehen: Neben den 2019 startenden Fünftklässlern (heute dritte Klasse) sollen auch die in Klasse sechs unterrichteten Kinder (jetzt vierte Klasse) profitieren. Gebauer betonte: „Wir wollen einen jahrelangen Streit beenden und dafür sorgen, dass sich die Gymnasien wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.“

Gegen diese Leitentscheidung können sich einzelne Gymnasien aber dafür entscheiden, das G 8-Abitur beizubehalten. Voraussetzung ist, dass die Schulkonferenz aus Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern mit zu als zwei Dritteln zustimmen. Die Schulträger können dagegen ein Veto einlegen. Sie können später innerhalb der Schulplanung eigenständig über eine Rückkehr in die eine oder andere Richtung entscheiden.

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Neues Gesetz soll 2018 kommen

Gebauer kündigte an, die neuen Lehrpläne würden ab Anfang 2018 vorbereitet. Sie können erst beschlossen werden, wenn der Landtag das G 9-Gesetz verabschiedet hat. Das soll bis zum Sommer 2018 geschehen. Vorgegeben ist bereits, dass unter G 9 über die Sekundarstufe I insgesamt 188 Wochenstunden vorgesehen sind, acht davon können für Förderung oder schulische Schwerpunkte genutzt werden. Alle Gymnasiasten sollen am Ende der Klasse 10 die zentrale Prüfungen zum Erwerb des mittleren Schulabschlusses absolvieren. Noch nicht entschieden ist, ob die zweite Fremdsprache über alle Schulen hinweg in der siebten Klasse einsetzt.

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Die Kosten für den Umstieg sollen nicht an den Kommunen hängen bleiben.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)

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Kernpunkte der Umbaupläne:

► G9-Leitentscheidung: Die Rückkehr zu G9 gilt formal für alle 626 Gymnasien ab dem Schuljahr 2019/20, die 115 Schulen in freier, meist kirchlicher Trägerschaft können sich aber frei entscheiden.

► G8-Ausnahmen: Einzelne Schulen können sich allerdings mit einem Beschluss der Schulkonferenz entscheiden, G8 fortzuführen. Der Beschluss muss mit mehr als zwei Dritteln der Stimmen gefasst werden – und zwar bis zum 31. Januar 2019. Gebauer erwartet, dass etwa zehn Prozent der Gymnasien G8 beibehalten. Die Kommunen als Träger der öffentlichen Schulen können allerdings ihr Veto ein­legen, beispielsweise wenn sie die örtliche Versorgung gefährdet sehen oder in einzelnen Stadtteilen Unwuchten entstehen, weil sich zwei benachbarte Schulen für G8 entscheiden.

► Rückweg: Die Schulträger können sich später im Rahmen der Schulplanung immer noch entscheiden, ein G8-Gymnasium auf G9 umzustellen – auch umgekehrt soll dies möglich sein.

► Kosten: Das Land übernimmt die Sachkosten, insbesondere die Investitionen in zusätzliche Räume, die ab dem Schuljahr 2026/27 benötigt werden. Wie hoch die Summe sein wird – Gebauer will sich nicht festlegen. Es werde dazu ein Gutachten geben. Zum Vergleich: Bayern kalkuliert für 426 Gymnasien mit 500 Millionen Euro. Wenn G9 komplett eingeführt ist, will das Land rund 2300 zusätzliche Lehrer dafür beschäftigen.

► Lehrpläne: Anfang 2018 beginnen die Experten, die Lehrpläne für 2019 anzupassen. In der Sekundarstufe I sollen Schüler mehr digitales Wissen erhalten, ebenso über wirtschaftliche Zu­sammenhänge und Ver­braucherthemen lernen.

► Schulmodell: 188 Wochenstunden sind für die Klassen 5 bis 10 vorgesehen, davon können Gymnasien acht nicht verbindliche ­Wochenstunden für eigene Schwerpunkte einsetzen. Möglich sei damit auch der Halbtagsbetrieb in den Schulen, betont Gebauer. Darüber entscheide die Schulkonferenz.

► Kritik: SPD-Schulexperte Jochen Ott fürchtet weitere Unruhe an den Gymnasien, weil die Schulkonferenz über G8 entscheiden müsse. Die SPD hatte für ein paral­leles Modell von G8 und G9 geworben. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnt vor einem Zwei-Klassen-System, private Schulträger bevorzugten G8. Ein einheitliches G9 ­biete Durchlässigkeit für alle Schüler.

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