Schulpolitik CDU und FDP wollen G9 in NRW wieder zum Regelfall machen

Düsseldorf -

CDU und FDP haben sich auf eine gemeinsame Linie beim Thema Turbo-Abi verständigt. Die Gymnasien in NRW sollen ab dem Schuljahr 2019/20 wieder kategorisch den neunjährigen Weg zum Abitur (G9) anbieten. Zugleich müssen sich jene Schulen, die weiterhin bei G8 bleiben wollen, ausdrücklich für die Option entscheiden.

Von Hilmar Riemenschneider
Das Ende von G8, der umstrittenen Verkürzung der Gymnasialzeit, rückt näher.
Das Ende von G8, der umstrittenen Verkürzung der Gymnasialzeit, rückt näher. Foto: dpa

Lange noch haben auch CDU und FDP versucht, das Turbo-Abitur zu retten. Es ging nicht. Der Druck unzufriedener Eltern, die laufende Volksinitiative für die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit (G9), die Entwicklung in anderen Bundesländern haben Wirkung bei den Düsseldorfer Koalitionsverhandlungen gezeigt. Mit der Rückkehr zu G9 als Regel für alle Gymnasien wollen beide Parteien den Schulen die ersehnte Ruhe gönnen. Unruhig würde es nur für jene Schulen, die sich ausdrücklich für G8 entscheiden. Diese Wahlfreiheit wollen beide Parteien weiterhin ermögliche, betonten deren Vorsitzende Armin Laschet und Christian Lindner am Mittwoch in Düsseldorf. „Ein Stück Freiheit erfordert auch Diskussion“, sagte Laschet. Doch nach den Erfahrungen in Hessen, wo fast 90 Prozent der Gymnasien für G9 votierten, rechnen die künftigen Koalitionspartner auch in NRW damit, dass nur jedes zehnt Gymnasium die G8-Option zieht.

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Allerdings können diese G8-Gymnasien auf eine bessere Förderung setzen, kündigte Lindner an. „Alle Schulen, die bei G8 verbleiben, werden Möglichkeiten für eine verbesserte individuelle Förderung erhalten.“ Das Modell habe in NRW auch deshalb nicht überzeugt, weil die Förderbedingungen durch eine „diskriminierende“ Politik von Rot-Grün verschlechtert worden seien. Lindner kündigte einen Stärkungspakt für alle Gymnasien an.

Die Debatte über das richtige Modell für die Gymnasien sei längst keine parteipolitische Frage mehr, betonte Laschet. „Die totale Freiheit ist an den Schulen aber nicht gewollt.“ Allerdings ließ es der CDU-Landeschef ausdrücklich offen, ob später noch eine Flexibilisierung für besonders zielstrebige Abiturienten eröffnet werde.

Was wird aus der Initiative "G9 jetzt NRW"?

Die Initiatoren des Volksbegehrens „G9-jetzt“ schließen nach den Ankündigungen von CDU und FDP zur Schulpolitik einen Abbruch ihrer landesweiten Aktion nicht aus. „Die beiden haben den Wählerauftrag erkannt und angenommen“, sagte Marcus Hohenstein, Vertrauensperson des Volksbegehrens, am Mittwochabend. Was die Einigung zum Abitur konkret bedeute, müsse sich aber noch zeigen. „Man muss sicherlich genau schauen, was im Kleingedruckten steht.“ Die Initiatoren von „G9-jetzt“ würden nun genau prüfen, ob sie das laufende Volksbegehren fortführen wollen oder nicht, erläuterte er. Fünf Monate nach dem Start des Volksbegehrens gegen das Turbo-Abitur in NRW ist nach Schätzung der Initiatoren etwa die Hälfte der erforderlichen Unterschriften zusammengekommen.

Die Kosten für den Wechsel zu „G9 mit der Option G8“ haben die beiden Verhandlungspartner bislang nicht beziffert. Es werde aber mindestens jenen Teil an Lehrkräften zusätzlich brauche, die beim Wechsel von G9 zu G8 weggefallen sind.

Weitere Lehrerstellen werden CDU und FDP schon kurzfristig an anderer Stelle brauchen: Sie wollen durch Rücknahme eines umstrittene Erlasses der noch amtierenden Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) dafür sorgen, dass Flüchtlingskinder zuerst in Eingangsklassen die deutsche Sprache lernen. In die regulären Klassen sollen sie dann wechseln, wenn „sie dem Unterricht in Deutsch folgen können“, sagte Lindner. Außerdem soll die Schulpflicht für junge Flüchtlinge über das 18. Lebensjahr hinaus gelten. Im Gespräch ist eine Grenze bei 25 Jahren: „Das ist eine realistische Lösung, die sich am Jugendrecht orientiert“, ergänzte Laschet.

Geeinigt haben sich beide Seiten auch auf ein von der FDP verfolge Schulfreiheitsgesetz, das den einzelnen Schulen bei bestimmten Personalentscheidungen und Budgetfragen mehr Freiraum einräumt. Außerdem sollen Schulverwaltungsassistenten die Schulleitungen entlasten.

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