Orgelkonzert in St. Bonifatius
Weltliches ganz furios

Freckenhorst -

Es lag am Vorabend von Rosenmontag nahe, einmal die besonderen Möglichkeiten der neuen Orgel vorzustellen, die neben sakraler, liturgischer Musik durchaus auch weltliche Kompositionen erlaubt. Im Rahmen der „Sonntagskonzerte in St. Bonifatius“ präsentierte Prof. Tomasz Adam Nowak, Professor an der Musikhochschule Detmold und Organist an der Stadt- und Pfarrkirche St. Lambertus Münster, interessante Beispiele aus alter Zeit.

Mittwoch, 14.02.2018, 06:02 Uhr

Das große Klangvermögen der neuen Freckenhorster Orgel setzte Prof. Tomasz Adam Nowak mit seinem weltlichen Programm gekonnt in Szene.  
Das große Klangvermögen der neuen Freckenhorster Orgel setzte Prof. Tomasz Adam Nowak mit seinem weltlichen Programm gekonnt in Szene.   Foto: Karl-Hermann Schlosser

Es lag am Vorabend von Rosenmontag nahe, einmal die besonderen Möglichkeiten der neuen Orgel vorzustellen, die neben sakraler, liturgischer Musik durchaus auch weltliche Kompositionen erlaubt. Schließlich gilt das Evangelium als „Frohe Botschaft“. Dass dazu auch das Tanzen als Ausdruck freudiger und lebensbejahender menschlicher Regungen gehört, ist schon im Alten Testament vielfältig bezeugt.

Im Rahmen der „Sonntagskonzerte in St. Bonifatius“ präsentierte Prof. Tomasz Adam Nowak , Professor an der Musikhochschule Detmold und Organist an der Stadt- und Pfarrkirche St. Lambertus Münster, interessante Beispiele aus alter Zeit wie aus dem „Codex Robertsbridge“ mit Werken aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und der Tabulatur des Jan von Lublin mit Tänzen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Mit der „Queen‘s Alman“ des großen englischen Meisters William Byrd (1563-1623) ging es weiter, um schließlich mit einer „Gigue-Fuge“, die Johann Sebastian Bach zugeschrieben wird, den ersten Teil mit Musik der Renaissance und des Barock abzuschließen. Dabei bestach Nowak neben seinem wunderbaren Spiel auf Tasten und Pedal durch abwechslungsreiche, fein abgestimmte Registrierung, mit der er die Werke mit Leben erfüllte.

Joseph Haydn repräsentierte in dem Konzert die Klassik mit ganz bezaubernd gesetzten Tänzen für eine mechanische Flötenuhr, mit angemessen leisem Orgelton anmutig und einfühlsam gespielt. Mit vollem Orgelton dagegen erklang mit dem „Menuett“ aus der „Suite gotique op. 25“ des niederländischen Spätromantikers Leon Boëllmann eines der populärsten Werke dieses Komponisten.

Höhepunkt des Konzerts waren schließlich Drei Tänze aus „Petruschka“ von Igor Stravinsky in der meisterhaften, kongenialen Orgelbearbeitung von T. A. Nowak. Rauschend bewegt, mit großem orchestralen Klang, brachte Nowak mit seinem bravourösen Spiel die großartigen Möglichkeiten der neuen Freckenhorster Orgel eindrucksvoll zur Geltung.

Damit entsprach seine Interpretation genau dem, was Stravinsky laut Wikipedia selbst einmal in seinen „Erinnerungen“ 1936 über „Petruschka“ schrieb: „Bei dieser Arbeit hatte ich die hartnäckige Vorstellung einer Gliederpuppe, die plötzlich Leben gewinnt und durch das teuflische Arpeggio ihrer Sprünge die Geduld des Orchesters so sehr erschöpft, dass es sie mit Fanfaren bedroht. Daraus entwickelt sich ein schrecklicher Wirrwarr, der auf seinem Höhepunkt mit dem schmerzlich-klagenden Zusammenbruch des armen Hampelmannes endet.“

Eine besonders liebenswürdige Idee war es, Melodiewünsche aus dem Publikum zu sammeln, über die Nowak dann in freier Improvisation eine „Kleine Tanz-Suite über gegebene Themen“ zusammenstellte. Hier bewies Nowak seine herausragende Improvisationskunst, mit der er sozusagen „aus dem Stand“ wunderbare Musik zauberte.

Nach einem herzlichem Dank des Orgelbauvereins, vertreten durch Dr. Gunter Tönne und Hermann Flothkötter, und „Standing Ovations“ des begeisterten Publikums verabschiedete sich Prof. Nowak mit Edward Elgars berühmten „Land of hope and glory“, das in keiner „Last Night of the Proms“ fehlen darf und von Nowaks Hand auch in Freckenhorst für einen fulminanten Abschluss sorgte.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5521738?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Miatke schockt Preußen Münster in der Kältekammer Zwickau
Fußball: 3. Liga: Miatke schockt Preußen Münster in der Kältekammer Zwickau
Nachrichten-Ticker