Wirtschaft von morgen Betriebsübernahme gut vorbereiten

Kreis Warendorf -

Immer mehr Betriebe suchen einen Nachfolger. Welche Erfahrungen macht die Kreishandwerkerschaft mit diesem Thema? Welche Probleme gibt es? WN-Mitarbeiter Peter Sauer interviewte Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf.

Frank Tischner
Frank Tischner Foto: -

Rund ein Drittel der Betriebsinhaber oder Geschäftsführer (bei GmbH) von Handwerksbetrieben im Kreis Warendorf sind 60 Jahre alt und älter. Hier steht die Entscheidung, ob und wie der Betrieb weitergeführt wird, in absehbarer Zeit an oder sie wurde bereits getroffen. Keine leichte Entscheidung. WN-Mitarbeiter Peter Sauer sprach darüber mit Frank Tischner , Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf.

Wie schwierig sind die Betriebsübernahmen im Kreis Warendorf?

Frank Tischner: „Jede Betriebsübergabe hängt mit individuellen Faktoren zusammen. Auf jeden Fall müssen die Erwartungen des bisherigen Betriebsinhabers und die Vorstellungen des potenziellen Nachfolgers unter einen Hut gebracht werden. Zur Zeit ist wegen der aktuellen guten Handwerkskonjunktur einfacher Interessenten zur Fortführung eines Unternehmens zu finden, aber wenn man jetzt übergeben kann, hat man bereits Jahre zuvor die Weichen dafür gelegt.

Was hat sich denn verändert – im Vergleich zu Betriebsübernahmen vor zehn Jahren?

Frank Tischner: Dass Sohn oder Tochter den Betrieb übernehmen, ist heute wie vor zehn Jahren nicht mehr eine Selbstverständlichkeit. Der Betrieb stellt immer noch in vielen Fällen die Altersabsicherung der bisherigen Betriebsinhaber dar und der Nachfolger will sich auf der anderen Seite mit dem Betrieb eine sichere Existenz aufbauen. Beide Interessen müssen bedacht werden. So manche Betriebsübergabe in der Familie ist gescheitert, weil der Senior nicht loslassen kann und der Sohn nicht mehr Junior-Chef, sondern Chef sein will.

Aber es hat sich diesbezüglich sicher auch einiges geändert im Handwerk, oder – Stichwort Demografie?

Frank Tischner: Die jungen Meister, die heute eine Existenzgründung anstreben, können auf einen größeren Pool an etablierten Unternehmen zugreifen, für die wegen des Alters der Betriebsinhaber ein Nachfolger gesucht werden. Hilfreich ist dabei auch die anhaltendes gute Auftragslage in den verschiedenen Handwerksbranchen und günstige Kredite für die betrieblichen Investitionen.

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Wie ist Ihre Prognose? Werden wir uns bald von manchen Branchen verabschieden müssen, weil sie keine Nachfolger finden?

Frank Tischner: Die fehlenden Betriebsnachfolger sind nicht das entscheidende Problem, warum das eine oder andere Handwerk in Gefahr ist, sondern die Nivellierung der handwerklichen Qualität und auch der fehlende Berufsnachwuchs. Durch den Wegfall der Meisterprüfung für die Selbstständigkeit sind bereits jetzt in diesen Handwerksberufen eine Vielzahl von Ein-Personen-Unternehmen gegründet worden, die keinen Nachfolger suchen und benötigen – zum Beispiel im Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Handwerk. Zwar gibt es auch hier noch meistergeführte Betriebe, aber deren Ausbildungsengagement kann nicht den Bedarf an qualifizierten Gesellen decken, die eine Meisterprüfung und die Gründung oder Übernahme eines Betriebes anstreben. Ein anderes Beispiel sind die Nahrungsmittelhandwerke. Die Ausbildungszahlen gehen seit Jahren zurück. Woher sollen die jungen Meister kommen, die einen Fachbetrieb im Fleischer-, Bäcker- oder Konditoren-Handwerk übernehmen könnten?

Was empfiehlt die Kreishandwerkerschaft im Kreis Warendorf ihren Mitgliedbetrieben?

Frank Tischner: Eine Betriebsübernahme muss man sorgfältig vorbereiten, insbesondere wenn der Betrieb auch als Altersabsicherung dienen soll. Mindestens fünf Jahre vor der angestrebten Betriebsübergabe sollte man mit der Planung beginnen und auch Alternativen und Unvorhergesehenes in Betracht ziehen. Wichtig ist vor allem, dass man sich nicht scheut, sich fachlichen Rat von Experten zu holen. Die Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf steht ihren Mitgliedsunternehmen mit Rat und Tat zur Seite und ist auch bei der Vermittlung weiterer Expertise behilflich. Auch die Betriebsberatung der Handwerkskammer und die branchenspezifische Begleitung durch die Fachverbände bieten gute Unterstützung. Und nicht zuletzt sollte man den Steuerberater frühzeitig in die Planungen mit einbeziehen, damit eine Betriebsübergabe auch steuerlich sinnvoll gestaltet wird.

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