Sabine Mense hat ein Buch geschrieben
Von kleinen Dingen und bedeutsamen Augenblicken

Warendorf -

Kurzgeschichten liest sie nicht nur gerne, sie schreibt sie auch. Und jetzt hat Sabine Mense, gelernte Buchhändlerin und seit 24 Jahren Mitarbeiterin der Warendorfer Stadtbücherei, ein Buch vorgelegt. Randvoll mit Kurzgeschichten.

Dienstag, 02.01.2018, 04:01 Uhr

Sabine Menses Kurzgeschichten sind in zahlreichen Anthologien zu finden. Kurz vor Weihnachten ist ihr Buch „Gezeiten“ erschienen.
Sabine Menses Kurzgeschichten sind in zahlreichen Anthologien zu finden. Kurz vor Weihnachten ist ihr Buch „Gezeiten“ erschienen. Foto: Joke Brocker

In Zügen nimmt sie gerne entgegen der Fahrtrichtung Platz und lässt die Landschaft an sich vorüberziehen. An der Schwelle eines neuen Jahres schaut sie lieber zurück auf das, was war, als Kaffeesatzleserei zu betreiben und Mutmaßungen anzustellen über das, was kommen könnte. Auch bei der Auswahl ihrer Lektüre folgt Sabine Mense nicht dem Mainstream. Hat sie die Wahl zwischen einem Roman und richtig guten Kurzgeschichten, greift die gelernte Buchhändlerin, die seit 24 Jahren Mitarbeiterin der Warendorfer Stadtbücherei ist, garantiert zu anspruchsvollen Short Storys von Peter Stamm , Ralf Rothmann oder Judith Hermann.

Während andere diesem literarischen Genre ebenso wenig abgewinnen können wie der Lyrik, hat diese kurze epische Prosa-Zwischenform von Novelle, Skizze und Anekdote Sabine Mense seit jeher fasziniert. Für gut erzählte Geschichten begeistert sie sich genau genommen seit ihrer Kindheit. Seit ihr Großvater ihr den Mittagsschlaf mit spannenden Erzählungen versüßte. Als Jugendliche begann Sabine Mense, Kurzgeschichten, deren Ende ihr nicht gefiel, etwa, weil es zu traurig war, weiterzuspinnen oder umzuschreiben. Und als die VHS vor etwa 20 Jahren einen Kursus „Kreatives Schreiben“ anbot, war die heute 50-Jährige Feuer und Flamme. Auf Anregung der Kursleiterin beschrieben die Teilnehmer ihre Eindrücke beim Blick aus einem Fenster auf die Dächer Warendorfs. Die Vielzahl der auf diese Weise entstehenden Geschichten habe sie damals fasziniert, erinnert sich Mense. Inzwischen hat sie zahlreiche ihrer tiefgründigen Kurzgeschichten in Anthologien, in der Literaturzeitschrift „Am Erker“ und in ihrem Buch „Montagskinder“ veröffentlicht.

Wenige Tage vor Weihnachten ist im Verlag Sonderpunkt in Münster ihr 60 Seiten starkes Buch „Gezeiten“ erschienen. Sabine Mense, die stets Zettel mit sich herumträgt, um spontane Ideen, besondere Momente oder ein originelles Wort notieren zu können, erzählt darin, mit der Sprache kunstvoll spielend, von den kleinen Dingen, von besonderen, bedeutsamen Augenblicken, die das Leben der Protagonisten gezeitengleich verändern.

Ihre Protagonisten sind Außenseiter, Menschen in Umbruchsituationen. Doch nie erzählt die Autorin von sich selbst oder selbst Erlebtem. Nein, auch nicht in der Erzählung „Ars amandi oder zum Lesen verführen“, in der eine Bibliothekarin einen Leser nach allen Regeln der Bibliothekarinnen-Kunst becirct. Aber wer an einem Schreibtisch in Wadersloh mit dem ungehinderten Ausblick auf Felder, Wiesen, Reh, Hasen und Fasan derart hübsche Ideen ausheckt, könnte doch theoretisch . . . „Alles reine Fantasie“, beteuert die Autorin, die beim Schreiben die künstlerische Freiheit schätzt und die Erzählungen als „meine Bühne“ betrachtet, auf der die Protagonisten nach Herzenslust hin und her geschoben werden dürfen. „Eigentlich“, findet Sabine Mense, „kann man aus jedem Roman eine Kurzgeschichte machen.“ Dann setzt sie hinzu: „Umgekehrt gilt das natürlich auch.“ Wie wahr: Einige ihrer Kurzgeschichten lesen sich wie Teaser zu einem wunderbaren Roman.

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Sabine Mense: Gezeiten – Storys, Verlag Sonderpunkt, 9,90 Euro, ISBN: 978-3-95407-081-7. Die Autorin betreibt darüber hinaus unter www.poesiedler.de einen Blog im Internet.

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